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Lula misstraut Trump

Seltene Erden: Kann Brasilien Europa aus Pekings Würgegriff befreien?

Die Industrienationen brauchen sie. China hat sie. Seltene Erden sind wichtig für Industrieprodukte wie E-Autos und Windturbinen. Brasilien könnte den Rest der Welt unabhängiger von China machen.

Brasilia – China dominiert den Weltmarkt bei diesen Rohstoffen: Seltene Erden. Das ist für den Rest der Welt problematisch – gelten Produkte, hergestellt aus Seltenen Erden, doch als unentbehrlich für moderne Technologie. Sie sind in Handys, E-Autos und Windturbinen verbaut. Mit dem Quasi-Monopol auf die Rohstoffe kann China über die Ausfuhrmengen und die Preise Druck machen – ähnlich wie die OPEC-Staaten beim Öl. Deswegen sind insbesondere die Industriestaaten darauf bedacht, dass sie unabhängiger von China werden. Eine Option ist Brasilien. Präsident Lula will die Förderung – aber nur unter bestimmten Bedingungen.

In einer von Serra Verde Mining betriebenen Mine in Minacu im brasilianischen Bundesstaat Goias werden Seltene Erden wie Neodym, Praseodym, Terbium und Dysprosium gefördert, die für die Herstellung von Permanentmagneten unerlässlich sind.

Das Land verfüge mit 21 Millionen Tonnen nach China über die weltweit zweitgrößten Reserven an Seltenen Erden, sagt Brian Hendrich vom deutschen Rohstoffhändler Tradium gegenüber der Wirtschaftswoche. Der Präsident Brasiliens möchte die begehrten Rohstoffe verstärkt fördern. „Wir wollen Suche und Exploration kritischer Mineralien verstärken“, sagt Luiz Inácio Lula da Silva. „Dies ist zurzeit der Fokus der ganzen Welt. Brasilien kann es sich nicht leisten, diese Chance zu verpassen.“

Abbau seltener Erden als „historische Chance“ für Brasilien

Das Ministerium für Bergbau und Energie (MME) sieht auch eine historische Chance im Abbau der Seltenen Erden. Bei latina-press heißt es: „Brasilien hat die Chance, eine robuste Industrie für die Verarbeitung Seltener Erden aufzubauen und dabei sein reichhaltiges Angebot an sauberer, erneuerbarer und wettbewerbsfähiger Energie zu nutzen“, erklärte das Ministerium.

Laut Uallace Moreira, Staatssekretär des Ministeriums, hat Brasilien, wie es in dem Bericht heißt, noch keinen umfassenden Zugang zu Technologien zur Verwertung der Mineralien. Das würde den Wert der Exporte deutlich steigern und wäre für die lokale Wertschöpfung wichtig. Diese Lücke zu schließen, sei eines der Ziele der Regierung.

Die Seltenen Erden schüren Interesse in Europa – VDMA zu Gast in Brasilien

Die Seltenen Erden schüren Interesse in Europa. Die Industrienationen sind angewiesen auf neue Bezugsquellen. Auch Indien wurde schon diskutiert. Der deutsche und europäische Maschinenbauverband VDMA will sich laut Wirtschaftswoche in nächster Zeit im brasilianischen Belo Horizonte mit Vertretern aus der Bergbau-Industrie treffen. Die strenge Kontrolle der Ausfuhren aus China macht deutschen und westlichen Unternehmen Schwierigkeiten.

Laut Bericht ginge es sowohl um neuer Rohstoffquellen als auch um einen möglichen Verkauf deutscher Maschinen an die aufstrebende Branche, sagt Christoph Danner dem Blatt. Er ist bei VDME für Rohstoffe und Bergbau zuständig. Auch eine Aufbereitungsanlage für Seltene Erden wolle man besuchen. „Brasilien hat sie aus China importiert. Im besten Falle könnten deutsche Ingenieure helfen, weitere vergleichbare Anlagen zu errichten“, heißt es.

Kein einfacher Abbau, Umweltprobleme und Rechte von indigenen Völkern

Ganz neu ist die Entdeckung Seltener Erden in Brasilien nicht. Bereits 2013 berichtete der Auslandssender Deutsche Welle über die Rohstoffe im größten Land Südamerikas. Darin wird Geologe José Affonso Brod von der Universität Brasília zitiert. Der komplizierte Abbau sei für viele Unternehmen rund um die Welt ein Problem gewesen: „Das ist auch der Grund dafür, dass sich viele vom Abbau der Seltenen Erden wieder abwenden und die Metalle dann auf lange Sicht lieber aus China importieren.“

Darüber hinaus hieß es: „Viele der möglichen Abbaustätten liegen in Umweltschutzgebieten oder Reservaten indigener Völker. Besonders im Amazonas wurden zahlreiche Vorkommen erschlossen, teilweise werden dort bereits andere Metalle, beispielsweise Blei, abgebaut. Umweltaktivisten rund um den Globus protestieren deswegen an Minen, in denen Seltene Erden gefördert werden.“

Lula misstraut Trump bei Seltenen Erden – „Schätze“ gehörten dem brasilianischen Volk

Lula äußerte auch sein Misstrauen gegenüber dem Interesse der USA an diesen Ressourcen und betonte, dass Brasilien selbst die Kontrolle über seine Mineralien behalten müsse. Das berichtete der brasilianische Fernsehsender globo.com. Lula forderte, dass Unternehmen unter staatlicher Aufsicht forschen und dass gefundene Mineralien nicht ohne Genehmigung verkauft werden dürfen, da die „Schätze“ dem brasilianischen Volk gehörten. Er sieht die Mineralproduktion als Schlüssel für Brasiliens Entwicklung und möchte das Land von einem Entwicklungsland zu einem stärkeren Wirtschaftsniveau führen.

Der Präsident hat zudem auf die große Konzentration Seltener Erden in Brasilien hingewiesen. Auch er bezeichnete das Land als zweitgrößten Reservenhalter Seltener Erden nach China. Im Hintergrund gebe es Verhandlungen und Interesse der USA, und Lula signalisiert Offenheit für internationale Partnerschaften. Er betont jedoch die Souveränität Brasiliens bei der Kontrolle und Nutzung dieser Ressourcen, heißt es bei globo.com.

Rubriklistenbild: © Eraldo Peres/dpa

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