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Der Markt schwankt

Russland-Sanktionen und steigende Diesel-Preise: Folgen für deutsche Tankstellen?

Russland fungiert als zweitgrößter Diesel-Lieferant. Sanktionspakete und der Ukraine-Konflikt reduzieren die Exporte – mit Konsequenzen für Kunden in Europa.

Brüssel/Moskau – Nicht nur Russland bekommt mittlerweile die volle Wucht der US-Sanktionen zu spüren. Auch in Europa sind die Auswirkungen erkennbar – etwa an der Tankstelle. Die Financial Times berichtete, dass der Preis für Diesel in Europa am 19. November sprunghaft angestiegen sei. Auch auf entsprechenden Webseiten, die die Preise für Diesel und Benzin vergleichen, waren Preisanstiege zu verzeichnen. So kletterten die Kosten für den Treibstoff vom 18. November bis zum 20. November von etwa 1,62 Euro auf 1,66 Euro.

Tanken ist teuer. Und durch die Sanktionen gegen Russland könnten die Preise noch weiter steigen.

Laut der Financial Times geht der sprunghafte Anstieg auf Vorbereitungen der Händler auf die vergangenen Freitag in Kraft getretenen US-Sanktion zurück. Die beiden größten russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil mussten auf Druck aus Washington Raffinerien und anhängliche Industrien auch in Europa schließen oder verkaufen. Das hatte die Angst vor einem Versorgungsengpass weiter geschürt.

Trotz leichtem Spritpreis-Rückgang: Marktlage entspannt sich auch mit Trumps Friedensplan nicht

Zwischenzeitlich war trotz der Sanktionen ein leichter Rückgang der Spritpreise zu verzeichnen. Wie der ADAC in einer Erhebung in der vergangenen Woche zeigte, seien die Dieselpreise zumindest in Deutschland um 7 Cent im Vergleich zur Vorwoche gesunken. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete ebenfalls von einem leichten Preisabfall, der wohl auf den von US-Präsident Donald Trump ausgehandelten Plan für ein Ende des Ukraine-Kriegs zurückging. Ob die Ukraine dem Friedensplan zustimmen wird, ist aktuell jedoch noch nicht klar. Weil viele eine vollständige Kapitulation der Ukraine befürchten, könnte der US-Plan scheitern. Entsprechend groß scheint auch die Skepsis auf dem Markt.

In diesem Zuge waren es vor allem die Ölpreise, die mit einem Preissturz auf die Pläne aus Washington reagierten. Zuvor waren auch sie wegen der in Kraft getretenen Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil in die Höhe geschossen. Anders gestalte sich das aber beim Diesel. Trotz eines leichten Rückgangs der europäischen Referenzpreise müssten Kunden im Vergleich zum Jahr 2022 an der Tankstelle immer noch 8 Prozent mehr bezahlen, so Reuters.

Laut der Nachrichtenagentur geht diese unterschiedliche Preisentwicklung bei Öl und Diesel auf mehrere Ursachen zurück. So werde weltweit deutlich weniger Diesel hergestellt als in den vorangegangenen Jahren. Zudem sei mit Russland der nach den USA zweitgrößte Dieselexporteur aus dem Markt ausgeschlossen worden. Das sei auch auf die anhaltenden Angriffe der Ukraine auf russische Raffinerien zurückzuführen. Und schließlich hätten die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil, die gemeinsam für rund 37 Prozent der russischen Dieselexporte verantwortlich waren, zu dem Preisanstieg beigetragen.

Der Januar bringt neue EU-Sanktionen gegen Putins Diesel – Treiber für die Spritpreise?

Ab dem kommenden Jahr könnte sich die Situation noch weiter verschärfen. Denn zum 21. Januar hat die EU ein vollständiges Einfuhrverbot von Produkten beschlossen, die aus russischen Rohöl hergestellt werden. Das würde auch Diesel und Benzin umfassen, die in anderen Ländern mit russischen Rohstoffen hergestellt wurden. Wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) berichtete, sind jedoch entsprechende Produkte aus Kanada, Norwegen, der Schweiz, Großbritannien und den USA ausgenommen.

Laut Reuters würde dies vor allem Raffinerien in der Türkei und Indien treffen. Die hatten russisches Öl bislang zu günstigen Preisen eingekauft und zu Produkten wie Diesel weiterverarbeitet. Diese Lücke werde im kommenden Jahr geschlossen. Das bedeute aber auch, dass mit den fehlenden Produkten aus diesen Ländern etwa 13 Prozent der gesamten europäischen Dieselimporte wegfallen könnten. Zumindest Indien scheint sich aber teilweise zu bewegen. Große Unternehmen schließen den Kauf von russischem Öl immer mehr aus.

Sanktionen gegen Russland – Die USA gehen wohl als Gewinner hervor

Großer Gewinner der Entwicklungen könnten die USA sein. Nicht nur, dass die Vereinigten Staaten als größter Dieselexporteur vermutlich mehr Aufträge abschließen wird. Durch die Auflösung der Geschäfte von Lukoil und Rosneft in der EU, könnten US-Unternehmen weitere Raffinerien zugewinnen. Wie die Wirtschaftswoche berichtete, dürften US-Firmen sogar mit extrem günstigen Preisen rechnen.

Die meisten EU-Außenstellen der russischen Öl-Riesen müssen bis zum 13. Dezember verkauft sein. In Bulgarien gilt die Frist aufgrund der marktdominierenden Stellung von Lukoil bis zum 29. April 2026. Die USA haben sogar einen Konkurrenten, die Schweizer Firma Gunvor, wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Kreml vom Kauf ausgeschlossen. Dagegen prüfe der US-Konzern Chevron gemeinsam mit der Carlyle Group eine Übernahme der russischen Auslandsanteile, berichtete die Wirtschaftswoche. (Quellen: Financial Times, ADAC, Reuters, Deutsche Industrie- und Handelskammer, Wirtschaftswoche) (nhi)

Rubriklistenbild: © Kristina Kormilitsyna/Sebastian Kahnert/dpa (Montagge)

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