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Rentenreform

„Reiche“ Rentner sichern Rente: Ab welchem Einkommen der „Boomer-Soli“ fällig sein soll

Rentner statt junge Generation: Experten präsentieren Rentenreform, bei der wohlhabende Senioren den „Boomer-Soli“ finanzieren sollen. Wer betroffen wäre.

Berlin – Die Nase gestrichen voll: Das hat die Generation Z, wenn es ums Thema Rente geht. Lange arbeiten, hohe Beiträge ins Rentensystem einzahlen, um selbst im Alter mittellos dazustehen – so wird die Zukunft der jungen Generationen häufig ausgemalt. Ein Forscher-Team des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt nun eine Reform vor, die Druck aus dem Rentensystem nehmen soll. Jenen Druck, der durch den Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand in den kommenden Jahren zunehmen wird. Der Vorschlag des DIW kommt zeitgleich mit der Debatte um die Aktivrente, einem Konzept von Bundeskanzler Friedrich Merz und der CDU. Es sieht vor, Rentnern zu ermöglichen, monatlich bis zu 2000 Euro steuerfrei dazuzuverdienen.

Aktuell belastet Rentensystem entweder die junge Generation oder zahlt Älteren nicht genug aus

Unter dem Titel „Ohne direkte Mehrbelastung der Jungen: ‚Boomer-Soli‘ kann wichtiger Baustein für Stabilisierung der Rente sein“, veröffentlichte das DIW seinen aktuellen Wochenbericht. Die DIW-Studie beschäftigt sich nicht damit, Menschen länger auf dem Arbeitsmarkt zu halten. Sondern mit den Rentenbeiträgen.

„Einschlägige Stellschrauben – insbesondere höhere Beitragssätze oder ein sinkendes Rentenniveau – führen zu einem Spannungsverhältnis zwischen den Generationen“, heißt es in der Einleitung. Aktuell gebe es nur ein Entweder-oder: Entweder jüngere Menschen in der Gesellschaft werden finanziell stärker belastet, oder ältere Menschen werden mit dem Risiko von zu geringen Renten und Altersarmut konfrontiert.

Boomer-Soli: Könnte eine Reform im Steuersystem die Rettung für die Deutsche Rente sein?

Maximilian Blesch, der am DIW zum Thema Rente forscht und an der Studie beteiligt war, sagt im Bericht: „Der demografische Wandel ist eine große Aufgabe, die mit Blick auf das Rentensystem enorme Anstrengungen erfordert. Jetzt schon fließen 20 Prozent des gesamten Bundeshaushalts in die Rente. Der Boomer-Soli ist ein Vorschlag, der die Chance bieten würde, dass alle Generationen an der Bewältigung der Aufgabe mitarbeiten.“ Wie sehr sich die Anzahl der Rentenneuzugänge verändert, lässt sich bereits im vergangenen Jahrzehnt beobachten. Gingen 2010 etwa 670.000 Menschen in Altersrente, waren es 2023 bereits mehr als 950.000.

So würde der „Boomer-Soli“ funktionieren: Einkommensstarke Rentner werden zur Kasse gebeten

Der Boomer-Soli wäre eine „breite zusätzliche Besteuerung“ aller Alterseinkünfte, sodass die jüngeren Generationen nicht direkt betroffen sind, schreibt das DIW-Forscherteam. Das Szenario: Die Sonderabgabe „Boomer-Soli“ und die daraus resultierenden Einnahmen fließen nicht in den allgemeinen Bundeshaushalt, sondern in ein Sondervermögen, das für die Umverteilung der Alterseinkünfte geschaffen wird und nur für diesen Zweck verwendet werden darf. „Es finanziert ausschließlich Zuschüsse an die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung, gegebenenfalls auch an die Beamtenversorgung oder die berufsständischen Versorgungswerke, soweit auch in diesen Systemen geringe Alterseinkünfte aufgestockt werden sollen“, so der Bericht.

Die angesprochenen Alterseinkünfte würden gesetzliche, betriebliche und private Renten sowie Pensionen und Versorgungsbezüge betreffen. In dem beschriebenen Szenario gibt es zudem die Möglichkeit, Vermögenseinkommen einzubeziehen. Einkünfte oberhalb eines Freibetrags von 1048 monatlich sollen belastet werden, um allen voran einkommensstärkere Rentnerhaushalte zur Kasse zu bitten. Einkommensschwache Rentnerhaushalte sollen so um bis zu elf Prozent entlastet werden. Auf der anderen Seite sollen wohlhabendere Senioren zwischen drei und vier Prozent belastet werden.

Kritik aus Köln: „Wohlstand im Alter wird auch durch Vermögen gesichert.“

Vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wird der Ansatz kritisiert. Die Ökonomen Jochen Pimpertz und Maximilian Stockhausen sehen zwar einzelne Punkte der Rentensicherung behandelt, sagen aber auch: „Der Vorschlag birgt Ungereimtheiten.“ Das Konzept vom Boomer-Soli stelle nicht sicher, dass jeder Niedrigeinkommensbezieher über die Armutsrisikoschwelle gehoben werde.

„Viel schwerwiegender aber ist, dass der Wohlstand im Alter auch durch Vermögen gesichert wird. Am Ende würde es vor allem zu Fehlanreizen kommen: So wäre es beispielsweise sinnvoll, die betriebliche Altersvorsorge in einer Summe auszahlen zu lassen, statt eine monatliche Betriebsrente zu bekommen. Das Alterseinkommen würde dann nämlich niedriger ausfallen – und damit auch der zu zahlende Boomer-Soli.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / Panama Pictures/ Westend61

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