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Rüstungsindustrie
Konsolidierung bei strategischer Werft – Rheinmetall prüft Übernahme
Rheinmetall prüft Übernahme der Naval Vessels Lürssen. Die Bremer Werft NVL hat Konsolidierungsgespräche gegenüber ihrer Belegschaft bestätigt.
Bremen-Vegesack – Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall steht offenbar kurz vor einem strategischen Coup im deutschen Marineschiffbau. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, zeigt das Unternehmen konkretes Interesse an der Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL), dem militärischen Bereich der traditionsreichen Bremer Werft.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger äußerte sich bei der Einweihung eines neuen Artilleriewerks im niedersächsischen Unterlüß zurückhaltend, aber vielsagend zu den Spekulationen. „Wir reden erst darüber, wenn es Entscheidungen gibt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende laut t-online.de. Gleichzeitig fügte er hinzu: „Rheinmetall ist immer interessiert, sein Produktportfolio zu erweitern“.
Eine Presseanfrage von IPPEN.MEDIA blieb seitens Rheinmetall unbeantwortet. Ein NVL-Pressesprecher erklärte auf Nachfrage: „Zu Spekulationen äußern wir uns grundsätzlich nicht öffentlich. Haben Sie bitte Verständnis, dass wir Ihnen dazu keine weitere Auskunft geben können.“
Bremer Werft im Fokus der Rüstungsindustrie: Rheinmetall-Chef bestätigt Interesse indirekt
Der Bremer Schiffsbauer Naval Vessels Lürssen hat sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in einem internen Schreiben an die Belegschaft gewandt und erstmals offiziell Gespräche über eine mögliche Konsolidierung bestätigt. In dem Dokument heißt es, die Industrie sei aufgefordert worden, sich Gedanken zu machen, „was unsere Marine und unser Land jetzt brauchen, um seine Wehrhaftigkeit zu erhöhen, und zwar schnell“.
Der Konzern habe vor diesem Hintergrund entschieden, „Konsolidierungsgespräche mit möglichen Partnern zu intensivieren“, so das interne Schreiben weiter. NVL will die Mitarbeiter informieren, sobald die Gespräche zu konkreten Ergebnissen führen.
Die Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack: Eine Konsolidierung unter dem Dach von Rheinmetall könnte Deutschland dabei helfen, in dem wachsenden Markt von maritimer Verteidigungstechnologie konkurrenzfähig zu bleiben und von den Milliardeninvestitionen zu profitieren.
Strategische Neuausrichtung der Lürssen-Familie: Experten sehen strategischen Sinn in Übernahme
Das Unternehmen mit Sitz in Bremen-Vegesack wurde 2021 aus der Lürssen Werft ausgegründet, um die Sparten Yachten und Defence (Verteidigung) zu trennen. Nach Informationen des Bremer Regionalmagazins buten un binnen will sich die Lürssen-Familie mehr auf die Produktion von Megajachten konzentrieren. NVL baut Marineschiffe und Boote für Küstenwachen – sowohl national als auch international. Zur Unternehmensgruppe gehören unter anderem die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven und die Norderwerft in Hamburg sowie Teile von Blohm+Voss. Nach Angaben von buten un binnen beschäftigt Naval Vessels Lürssen aktuell rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit, 1.700 davon in Deutschland.
Aus Expertensicht würde die Übernahme von NVL durch Rheinmetall durchaus Sinn ergeben. „Rheinmetall, der große Rüstungskonzern, steigt dann in den Marineschiffbau ein“, sagte Jochen Tholen vom Institut für Arbeit und Wirtschaft gegenüber buten un binnen. Das sei eine gewaltige Marktmacht, durch die der deutsche Marineschiffbau im europäischen Wettbewerb gut dastehen könnte.
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Globales Wettrüsten: Konsolidierung der deutschen Rüstungsbranche
Rheinmetall produziert bislang vor allem Panzer und andere Militärfahrzeuge sowie Munition, ist aber bereits im maritimen Bereich tätig – insbesondere mit Schiffsgeschützen und Lasermodulen für die Marine. Mit der Übernahme würde sich der Konzern ein komplett neues, lukratives Geschäftsfeld erschließen.
Sollte der Deal zustande kommen, würde dies die Konsolidierung der deutschen Rüstungsbranche erheblich beschleunigen. Gerade beim Bau von Marineschiffen konkurrieren mit Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), NVL und German Naval Yards allein aus Deutschland drei Werften um Aufträge. Laut Hansa Online soll sich der Aufsichtsrat von Rheinmetall in den kommenden Wochen mit dem Vorhaben befasse. Ein Abschluss ist allerdings noch nicht sicher – die Übernahme hängt von der Zustimmung aller Lürssen-Gesellschafter ab. Zudem müssten auch die Aufsichtsbehörden einer möglichen Übernahme noch zustimmen. Aus Sicht der Bundesregierung wäre ein Zusammenschluss der Unternehmen zu einem großen Verbund durchaus hilfreich, um einen zentralen Ansprechpartner in der Industrie zu haben. Die Bundesrepublik rüstet seit dem Abschluss des Sondervermögens Bundeswehr massiv auf und investiert in eine bis dato eher schlummernde Branche.