Rund 300.000 Kinder
Über 500 Millionen Euro Kindergeld gehen jedes Jahr ins Ausland
Über eine halbe Milliarde Euro Kindergeld wird jährlich ins Ausland überwiesen. Ein Land ist besonders auffällig. Was ist der Hintergrund?
Berlin – Eltern erhalten in Deutschland finanzielle Unterstützung vom Staat, um die grundlegende Versorgung der Kinder zu sichern. Besonders Menschen mit niedrigem Einkommen sollen dadurch entlastet werden. Nach der Kindergeld-Erhöhung Anfang des Jahres gibt es 255 Euro im Monat. Nicht nur Deutsche erhalten das Geld, sondern auch Menschen mit einer anderen Staatsangehörigkeit. Nicht einmal ein Wohnsitz in Deutschland ist zwingend erforderlich. Dementsprechend fließt jährlich etwa eine halbe Milliarde Euro ins Ausland.
Deutschland zahlt mehr als 500 Millionen Euro Kindergeld ins Ausland
Im gesamten Jahr 2024 sind 513,7 Millionen Euro Kindergeld auf ausländische Konten überwiesen worden. Das geht aus Statistiken der bei der Bundesagentur für Arbeit angesiedelten Familienkasse hervor. Damit ist die Summe im Vergleich zum Vorjahr jedoch um etwa zwölf Millionen Euro gesunken. Denn 2023 zahlte Deutschland 525,7 Millionen Euro Kindergeld auf ausländische Konten.
Auch für 2025 gibt es bereits erste Zahlen zum Kindergeld: Im Januar sind laut Bundesagentur für Arbeit 46,5 Millionen Euro ins Ausland gezahlt worden. Insgesamt sind bereits 4,6 Milliarden Euro ausgezahlt worden. Dabei ist jedoch auch zu beachten, dass die Kindergeld-Zahlung auf ein ausländisches Konto nicht zwangsläufig bedeutet, dass auch die Kinder und Eltern im Ausland leben. Umgekehrt ist es wiederum möglich, dass das Geld auf ein deutsches Konto fließt, der Wohnsitz der Bezieher jedoch nicht in Deutschland liegt.
Für mehr als 300.000 im Ausland lebender Kinder zahlt Deutschland Kindergeld – das meiste nach Polen
Doch auch tatsächlich leben laut den Daten vom Januar 302.704 von 17,6 Millionen Kinder, für die Eltern Kindergeld erhalten, im Ausland. Die Mehrheit – 296.067 – davon lebt in den anderen EU-Staaten. 217 Kinder leben in den übrigen Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), 576 in der Türkei, 1944 in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens, 3900 in anderen Ländern. 32.873 Eltern hatten dabei die deutsche Staatsangehörigkeit. Zu den Kindern selbst hat die Arbeitsagentur keine eigenen Daten.
Das meiste Kindergeld hat die Familienkasse dabei nach Polen gezahlt, wo 119.793 Kinder leben. Im ganzen Jahr 2024 sind 215,7 Euro Kindergeld an Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit geflossen. Das entspricht mit 42 Prozent fast der Hälfte der gesamten Zahlungen auf ausländische Konten. Rumänien liegt mit knapp 56,2 Millionen Euro auf dem zweiten Platz, auf dem dritten Rang ist Tschechien mit 48,4 Millionen Euro.
Warum zahlt Deutschland überhaupt Kindergeld ins Ausland?
Die Kindergeld-Zahlungen auf ausländische Konten haben dabei ihre Berechtigung. Um Anspruch darauf zu haben, müssen die Eltern in Deutschland ihre Steuern zahlen. Sie können auch bei beschränkter Steuerpflicht berechtigt sein, wenn sie hier sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Sie arbeiten also und zahlen dabei in die Sozialversicherungen wie Rente und Krankenkassen ein.
Nichtdeutsche können dann auch Kindergeld erhalten. Dazu müssen sie eine Bedingung erfüllen: Sie müssen entweder aus einem anderen EU-Staat kommen, aus einem Land des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), der Schweiz oder einem anderen Staat, mit dem es entsprechende Vereinbarungen gibt. Das sind etwa Serbien, die Türkei oder Marokko.
Auch Nichtdeutsche und Menschen ohne Staatsbürgerschaft in der EU können Kindergeld erhalten
Zudem können Menschen mit einer gültigen Aufenthaltserlaubnis, mit der man arbeiten darf, oder einer unanfechtbaren Anerkennung als Geflüchteter oder Asylberechtigter Kindergeld bekommen. Die Voraussetzungen müssen dazu laut Bundesagentur für Arbeit jedoch in jedem Einzelfall geprüft werden, wenn sie den Kindergeld-Antrag stellen.
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