Versicherung
Krankenhaus-Atlas: Lohnt sich jetzt eine Zusatzversicherung?
Eine Krankenhaus-Zusatzversicherung übernimmt die Mehrkosten für Chefarztbehandlung und Einzel- oder Zweibettzimmer. Mit dem neuen Bundes-Klinik-Atlas könnte sie sich jetzt nochmal mehr lohnen.
Wenn Sie stationär ins Krankenhaus müssen, werden Sie meist in die nächstgelegene Klinik überwiesen. Das ist aber kein Muss, Sie können sich genauso gut auch für ein anderes Krankenhaus entscheiden, z. B. wenn es auf „Ihr“ Fachgebiet spezialisiert ist und für Sie bessere Leistungen anbietet. Das herauszufinden und Krankenhäuser zu vergleichen war bisher nicht ganz so einfach. Das soll sich jetzt mit dem neuen Bundes-Klinik-Atlas ändern.
Was bringt der Krankenhaus-Atlas?
Die interaktive Datenbank soll Ihnen Informationen zum Angebot und zur Qualität von Krankenhäusern in Deutschland liefern. Sie sollen jederzeit herausfinden können, was die Kliniken in welchem Fachgebiet und Umfang leisten. Konkret liefert der Atlas folgende Infos:
- Ausstattung mit ärztlichem und pflegerischem Personal
- Fallzahlen, also wie viele Fälle ein Krankenhaus auf welchen Fachgebieten behandelt hat (ab 1. Oktober 2024 differenziert nach 65 Leistungsgruppen, z. B. Augenheilkunde, Herzchirurgie, HNO)
- Komplikationsraten für ausgewählte Eingriffe
- Versorgungsstufe des Krankenhauses (sogenanntes „Level“: Grundversorgung, Häuser mit Regel- und Schwerpunktversorgung, Maximalversorger und Unikliniken)
Über den Krankenhaus-Atlas erfahren Sie also z. B., in welchem Krankenhaus ein Eingriff wie häufig vorgenommen wurde. So können Sie genau das Krankenhaus finden, das auf Ihre individuelle Erkrankung bzw. den Eingriff spezialisiert ist.
Spezialklinik gefunden, aber zahlt auch die Krankenkasse?
Das Krankenhaus können Sie sich grundsätzlich aussuchen – also auch eine Klinik, die auf Ihre Erkrankung spezialisiert ist. Das Problem: Die Krankenkasse zahlt trotzdem nur solche Leistungen, die ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig sind. Die Behandlung durch Chefärztinnen und -ärzte oder Spezialisten gehört meistens nicht dazu. Ausnahmen gibt es nur dann, wenn es medizinisch notwendig ist – also beispielsweise nur die Chefärztin qualifiziert genug ist, um Ihre Operation durchzuführen.
Wollen Sie so eine Behandlung dennoch in Anspruch nehmen, müssen Sie dafür aus eigener Tasche bezahlen. Zur Orientierung: Für eine vom Chefarzt durchgeführte Schrittmacher-Implantation zahlen Sie laut abrechnungsstelle.de zwischen 400 und 800 Euro allein für die chirurgische Leistung. Darüber hinaus können weitere, vorab nicht kalkulierbare Kosten entstehen, z. B. für prä- und postoperative Kontrollen oder falls weitere Operationen notwendig sein sollten. Kompliziertere Eingriffe oder langwierige Behandlungen sind entsprechend teurer und der Aufpreis kann Sie schnell Tausende Euro kosten.
Eine private Krankenhaus-Zusatzversicherung kann helfen
Mit einer Krankenhaus-Zusatzversicherung können Sie die Kassenleistungen aufstocken. Denn sie übernimmt die zusätzlichen Kosten für eine Chef- oder Spezialisten-Behandlung. Außerdem zahlt sie den Aufpreis für das Ein- oder Zweibettzimmer.
Die Zusatzversicherung ermöglicht Ihnen also, die Ärztinnen und Ärzte, die Sie persönlich behandeln sollen, frei zu wählen. So können Sie gezielt nach Spezialisten für Ihre Erkrankung suchen und sich für die Klinik entscheiden, in der sie praktizieren. Eine gute Krankenhaus-Zusatzversicherung zahlt übrigens auch dann zumindest anteilig, wenn Sie sich in einer Privatklinik behandeln lassen. Vorab sollten Sie sich aber immer die Zusage Ihrer Krankenhaus-Zusatzversicherung einholen, dass sie sich an den Kosten beteiligt.
Ganz billig ist der Zusatzschutz aber nicht: Schließen Sie die Versicherung mit 37 Jahren ab, müssen Sie mit 30 bis 43 Euro im Monat rechnen. Mit 47 Jahren sind es schon 38 bis 54 Euro.
Lohnt sich eine private Krankenhaus-Zusatzversicherung jetzt besonders?
Notwendig ist die Zusatzversicherung nicht. Besonders bei einmaligen, einfachen Eingriffen wie unserem Schrittmacher-Beispiel von oben hält sich der Aufpreis für den Spezialisten in Grenzen, sodass Sie dafür keine zusätzliche Versicherung brauchen.
Auch die Kosten für Ihre Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer können Sie häufig selbst bezahlen. Hier ein Beispiel: Laut Verband der privaten Krankenversicherung zahlen Sie im Bundesdurchschnitt 65 Euro/Tag zusätzlich für ein Zweibettzimmer und 124 Euro/Tag für ein Einzelzimmer. Leistungsstarke Krankenhaus-Zusatzversicherungen kosten mind. 360 Euro im Jahr (12 x 30 Euro), wenn Sie sie mit 37 Jahren abschließen. Sie könnten also jedes Jahr fünf Tage lang ein Zweibettzimmer bezahlen, denn erst ab dem sechsten Tag zahlen sich die Kosten für den Zusatzschutz tatsächlich aus.
Wollen Sie jedoch unabhängig von Ihrem Gesundheitszustand im Krankenhaus wie ein Privatpatient behandelt werden, können Sie über den Zusatzschutz nachdenken. Der neue Krankenhaus-Atlas macht die Zusatzversicherung nochmal interessanter für Sie. Denn damit sichern Sie sich die Chefarzt-Behandlung in der Klinik Ihrer Wahl.
Welche Zusatztarife fürs Krankenhaus empfiehlt Finanztip?
Die Experten von Finanztip haben fast 60 stationäre Zusatzversicherungen getestet. Diese fünf Tarife (mit Altersrückstellungen, ohne Wartezeiten) haben in unserem Preis-Leistungsvergleich am besten abgeschnitten: Hallesche (Mega Clinic AR), Ergo (SZL)*, SDK (Klinik 2-Bett SP2), Inter (Quali Med Z S2R) und Barmenia (Mehr Komfort 2-Bett K)*. Wichtig: Wir empfehlen bei Finanztip nur Tarife mit Altersrückstellungen, da sie Ihnen bis ins Rentenalter eine größtmögliche Beitragsstabilität sichern.
Wichtig: Bevor Sie eine Zusatzversicherung fürs Krankenhaus abschließen, sollten Sie genau wissen, was Sie für Ihr Geld bekommen. Denn sie zahlt nicht bedingungslos jede Extra-Leistung. Lesen Sie sich das Kleingedruckte also genau durch und schauen Sie nach, ob sie z. B. auch einen Privatklinik-Aufenthalt bezuschusst, wenn das für Sie wichtig ist.
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Dieser Artikel liegt IPPEN.MEDIA im Zuge einer Kooperation mit dem gemeinnützigen Geldratgeber Finanztip vor – das Original zu diesem Beitrag „Krankenhaus-Atlas: Lohnt sich jetzt eine Zusatzversicherung?“ stammt aus dem wöchentlichen Finanztip Newsletter vom 17. Mai 2024.
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