Günstig-Ticket zu teuer?
Deutschlandticket-Schock: Dramatische Zahlen belegen das Ausmaß der Nutzerflucht
Das Deutschlandticket ist seit Januar deutlich teurer geworden. Das beantworten viele Nutzer mit Ablehnung – über eine Million sind abgesprungen.
Berlin – Mit nun 58 Euro ist das Deutschlandticket seit Januar dieses Jahres um neun Euro teurer geworden. Das ist nicht ohne Folgen geblieben – über eine Million Nutzer sind seitdem abgesprungen, wie die FAZ unter Berufung auf einen unveröffentlichten Marktforschungsbericht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Deutschen Bahn berichtete. Haben im Dezember 2024 noch 14,5 Millionen Menschen das Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr genutzt, waren es nach dem Preissprung im Januar 2025 nur noch 13,4 Millionen.
Saisonale Schwankungen habe es in der Vergangenheit immer gegeben – denn das Deutschlandticket ist monatlich kündbar. Jetzt zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab. Im letzten Quartal 2024 nutzen noch 14,2 Millionen Bürger das Ticket, im ersten Quartal 2025 waren es nur noch 13,5 Millionen.
Die Analyse der Marktforschung führt dabei über die Hälfte der verlorenen Kunden, insgesamt 430.000, auf die spürbare Preiserhöhung zurück. Falls sich das durch die finalen Verkaufszahlen bestätigt, die bislang noch nicht vorliegen, wäre das allerdings kein schlechtes Ergebnis. Die bisherigen Prognosen lagen bei neun Prozent Rückgang, die aktuellen Schätzungen ergeben jetzt gerade sechs Prozent.
Ein Drittel junge Nutzer sind beim Deutschlandticket abgesprungen
Schwere Einbußen hat besonders das Jobticket erlitten – mit einem Rückgang um 16 Prozent sank die Zahl der Nutzer auf jetzt 2,2 Millionen. Das ist enttäuschend für die Branche, denn sie hatte sich gerade von Unternehmen viel erhofft, die ihre Mitarbeiter mit einer Beteiligung entlasten wollen. Besonders dramatisch ist auch der Einbruch in den jungen Zielgruppen. In der Altersklasse zwischen 14 und 29 Jahren sind 36 Prozent der Nutzer abgesprungen.
Branche fordert verkehrspolitische Maßnahmen beim Deutschlandticket
Die Branche des öffentlichen Nahverkehrs missbilligt den sprunghaften Preisanstieg und fordert die Politik auf, auf derartige Preisanpassungen in Zukunft zu verzichten. Außerdem müsse eine stabile, langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets durch Bund und Länder gewährleistet sein. Bislang steht diese nur bis Ende des Jahres, da die Haushaltsverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind.
Finanziert wird das Deutschlandticket heute aus dem Preis, den die Nutzer selbst zahlen, der Anzahl der Nutzer und staatlichen Zuschüssen. Durch die staatlichen Zuschüsse ist das Ticket trotz des angehobenen Preises noch günstiger als die meisten regionalen Aboangebote. Das kostet allerdings den Staat – jährlich rund drei Milliarden Euro.
Wie VDV-Geschäftsführer für den ÖPNV, Alexander Möller, jedoch anmerkte, werden die drei Milliarden dieses Jahr wohl nicht ausreichen, wegen den steigenden Kosten für Personal und Energie. Er hält es für notwendig, die staatlichen Ausgleichsleistungen in ihrer Höhe zu dynamisieren, um Kostensteigerungen abfedern zu können. Möller hält allerdings auch weitere Preissteigerungen beim Deutschlandticket in den kommenden Jahren nicht für ausgeschlossen. Obwohl der Koalitionsvertrag eine stärkere Beteiligung der Nutzer des Tickets eigentlich erst ab 2029 vorsieht, müsste nach Möllers Meinung auch beim Deutschlandticket die Preisgestaltung flexibel sein, so wie bei allen anderen Preisen in Deutschland eben auch.
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