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Unfreiwillige im Krieg mit Iran
Iran-Krieg trifft Dubai: Superreiche fliehen aus dem vermeintlich „sicheren Hafen“
Eine Drohne über dem Burj Al Arab und eine Explosion am Flughafen: Der Iran-Krieg erschüttert Dubais Image als sicherer Hafen – und die Reichen fliehen.
Dubai ist eine der wohlhabendsten Städte der Welt – ein Ort, der mit seinem Luxus, seinen beeindruckenden Bauprojekten und seinem gehobenen Lebensstil Menschen aus aller Welt anzieht. Genau dieses Image – über Jahre vom Emirat kultiviert – droht nun durch den Iran-Krieg in sich zusammenzubrechen.
Eines der Wahrzeichen von Dubai: Der Burj Al Arab. Nach iranischen Angriffen brach ein Feuer (Kreis) an dem Wolkenkratzer aus. Groß beschädigt wurde das Gebäude nicht. Der Schaden am Image der Stadt als sicherer Hafen fiel bedeutend größer aus.
Erst am Freitag erhielten die Einwohner Dubais erneut eine Warnung auf ihr Handy: „Aufgrund der aktuellen Lage und potenzieller Raketenbedrohungen suchen Sie sofort Schutz in dem nächstgelegenen sicheren Gebäude und halten Sie sich von Fenstern, Türen und offenen Bereichen fern“, heißt es in der Warnung laut Journalisten der Nachrichtenagentur AFP. Der Iran-Krieg ist auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten angekommen. Und die Superreichen fliehen.
Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate werden unfreiwillig in den Iran-Krieg gezogen
Der Iran-Krieg trifft Dubai an seinem empfindlichsten Punkt: dem Ruf als sicherer Hafen für globales Kapital. Innerhalb weniger Tage erschütterten mehrere Angriffe das Selbstbild der Emirate-Metropole. Das Luxushotel Fairmont The Palm wurde von einer Explosion getroffen, Trümmer einer abgeschossenen iranischen Drohne setzten das Burj Al Arab in Brand, ein Raketeneinschlag beschädigte den Flughafen Dubais und das US-Konsulat war Ziel eines iranischen Drohnenangriffs.
Dubai hatte sich in den vergangenen zehn Jahren systematisch als Magnet für wohlhabende Ausländer positioniert, wie das US-Medium CNBC schreibt. Laut Henley & Partners hat sich die Millionärspopulation der Stadt seit 2014 auf mehr als 81.000 verdoppelt. Allein 2025 zogen schätzungsweise 9800 Millionäre nach Dubai und brachten Vermögen in Höhe von 63 Milliarden US-Dollar mit, wie CNBC vorrechnet.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg
Steuerfreiheit auf Einkommen, Kapitalgewinne und Erbschaften sowie das sogenannte Golden-Visa-Programm machten die Stadt zum bevorzugten Standort für Family Offices und Hedgefonds. Das Dubai International Finance Center meldete Anfang Januar, dass die 120 größten Familienunternehmen in der Sonderzone gemeinsam mehr als 1,2 Billionen US-Dollar verwalteten.
Kritik an Donald Trumps Iran-Krieg aus den Vereinigten Arabischen Emiraten
Und obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate zu Donald Trumps engsten Verbündeten in der Region zählen, mehrt sich die Kritik im Land gegen den amerikanisch-israelischen Iran-Krieg. Khalaf Al Habtoor, Milliardär und Hotelmagnat aus Dubai, richtete am 5. März auf der Plattform X einen mehr als 500 Wörter langen arabischsprachigen Appell direkt an US-Präsident Donald Trump. „Wer hat Ihnen das Recht gegeben, unsere Region in einen Krieg mit dem Iran zu ziehen? Und auf welcher Grundlage haben Sie diese gefährliche Entscheidung getroffen?“, schrieb Al Habtoor, dessen Investments von einem Polo-Resort bis zu Hotels der Marken Hilton und Waldorf Astoria reicht. „Sie haben die Länder des Golf-Kooperationsrats und die arabischen Länder in den Mittelpunkt einer Gefahr gestellt, die sie sich nicht ausgesucht haben.“
Abu Dhabi hatte den USA Investitionen in Höhe von rund 1,4 Billionen US-Dollar zugesagt und enge Handelsbeziehungen mit Trumps Familie gepflegt. Dennoch scheint dieser Einfluss kaum Wirkung auf die US-Politik zu entfalten, schreibt das US-Wirtschaftsportal Bloomberg. Ryan Bohl, Senior-Analyst für den Nahen Osten und Nordafrika beim Risikoanalyseunternehmen Rane Network, ordnet die Stimmungslage ein: „Die meisten Golfstaaten wussten schon immer, dass Präsident Trump sich selbst treu bleiben und nicht unbedingt auf Einflüsse von außen hören würde. Aber ich glaube, sie sind überrascht davon, wie bereitwillig er Risiken eingeht, die sich auf sie auswirken.“
Wirtschaftliche Folgen für Dubai aufgrund des Iran-Kriegs – Superreiche fliehen
Nun zeigt der Konflikt erste wirtschaftliche Folgen. Dubais Leitindex steuert auf die schlechteste Börsenwoche seit Mai 2022 zu. Charterflug-Unternehmen berichten von einer Nachfrage, die das verfügbare Angebot bei weitem übersteigt. Ameerh Naran, CEO von Vimana Private Jets, gab an, sein Unternehmen habe über Nacht mehr als 100 Kundenanfragen erhalten – eine Nachfrage, die er zuletzt während der Pandemie erlebt habe. Ein Privatjet von Riad nach Europa koste derzeit bis zu 350.000 US-Dollar.
Dale Buckner, CEO der Sicherheitsfirma Global Guardian und ehemaliger Green Beret der US-Army, berichtete, sein Unternehmen betreue bereits sieben Firmenkunden – darunter große Finanz- und Beratungsgesellschaften – die zwischen 1000 und 3000 Mitarbeiter evakuieren wollten. „Das erinnert stark an die Ukraine“, sagte Buckner gegenüber CNBC. Jeder im Land habe erkannt, dass die Iraner erfolgreich Fünf-Sterne-Hotels und Flughäfen ins Visier nehmen.
Gleichzeitig betonen Teile der Wirtschaft, dass die strukturellen Standortvorteile Dubais intakt blieben. Hasnain Malik, der bei dem in Dubai ansässigen Unternehmen Tellimer die Strategie für Schwellenmärkte leitet, verwies darauf, dass das Steuer-, Regulierungs- und Bankensystem unverändert funktioniere. „Diese Gründe haben sich nicht geändert“, sagte er. „Nur in einem Aspekt des Lifestyle-Treibers, der makellosen Sicherheit, haben die jüngsten Ereignisse Zweifel aufkommen lassen.“
Immobilienmarkt in Dubai könnte vom Iran-Krieg unter Druck geraten
Besonders der Immobilienmarkt steht unter Beobachtung. Dubais Luxusimmobilienpreise stiegen fünf Jahre in Folge – 500 Objekte wurden im vergangenen Jahr für mehr als zehn Millionen US-Dollar verkauft, verglichen mit nur 30 im Jahr 2020, wie CNBC schreibt. Doch bereits vor dem Krieg hatten Analysten Warnsignale gesetzt: Die UBS stufte Dubai im September unter die fünf Städte mit dem höchsten Blasenrisiko weltweit ein, Fitch Ratings prognostizierte für 2025 und 2026 eine Korrektur mit Preisrückgängen von bis zu 15 Prozent. Anton Lopatin von Fitch erklärte, der Effekt auf den Immobilienmarkt hänge nun von Ausmaß und Dauer des Konflikts ab. Abwanderungen von Expats könnten den Markt nun zusätzlich „unter Druck setzen“.
Einer dieser Dubai-Expats ist Jörg Schofer. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) spricht der Immobilienmakler von der Lage vor Ort. Er meint, Dubai werde mit einem „blauen Auge“ davonkommen. „Ich bin in vielen Whatsapp-Gruppen mit Deutschsprachigen, bei dem einen oder anderen war schon Panik zu spüren.“ Aber man habe auch gemerkt, dass es Unterstützung gebe. Dennoch betont er: „Ich möchte das nicht schönreden. Schön ist das natürlich nicht, was da passiert. Ich glaube aber, dass Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate insgesamt mit einem blauen Auge davonkommen. Früher oder später wird eher mehr Geld reinkommen ins Land als weniger.“
Die VAE hätten schnell und professionell reagiert, sagt Schofer. „Aber es lässt uns nicht kalt, und wir würden nicht sagen, das hier ist ein absolut sicherer Hafen.“ (Quellen: CNBC/Frankfurter Allgemeine Zeitung/AFP/Bloomberg/eigene Recherche/X) (sischr)