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Beschluss der MPK

49-Euro-Ticket wird fortgesetzt: Bahn-Experte sieht darin „Verschwendung von Steuergeldern“

Nach langem Ringen soll das 49-Euro-Ticket erhalten werden. Kein Grund zum Jubeln, sagt Bahn-Experte Christian Böttger: „Was bringt ein Ticket, wenn die Bahn regelmäßig ausfällt?“

Nach wochenlangem Warnungen vor einem Aus des 49-Euro-Tickets haben Bund und Länder Schritte zu einer weiteren Finanzierung vereinbart. So einigten sich Kanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten am Montagabend in Berlin. Die Verkehrsminister sollen jetzt ein Konzept für die Umsetzung des Tickets 2024 erarbeiten. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) begrüßte die Verständigung von Bund und Ländern und bezeichnete das Ticket am Dienstag als großen Erfolg.

Dass das Deutschlandticket, wie es offiziell heißt, ein Erfolg sein soll, kann Christian Böttger nicht verstehen. Für den Verkehrsforscher der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft geht die Bahn damit den zweiten Schritt vor dem ersten. .„Mit dem D-Ticket werden Steuergelder verschwendet“, sagt Böttger Ippen.Media. „Statt Subventionen für das D-Ticket sollten die Mittel lieber in den Ausbau der Schiene gesteckt werden. Was bringt ein Ticket, wenn die Bahn regelmäßig ausfällt oder überfüllt ist?“ Für den Ausbau der Bahninfrastruktur stelle der Bund etwa zwei Milliarden pro Jahr zur Verfügung, für das D-Ticket seien es jährlich mindestens vier Milliarden.

Finanzierung des 49-Euro-Tickets umstritten

Die Politik ist fest entschlossen, dass es weitergeht. Nach einer Verabredung von Ende 2022 schießen beide Seiten in diesem und im nächsten Jahr schon je 1,5 Milliarden Euro zum Ausgleich von Einnahmeausfällen bei Bus- und Bahnbetreibern zu. Doch Knackpunkt waren zuletzt etwaige Mehrkosten darüber hinaus. Dass Bund und Länder sie ebenfalls je zur Hälfte tragen, ist nur für das Einführungsjahr 2023 vereinbart. Verkehrsbranche und Länder forderten das lange auch für 2024. Davon war nun keine Rede mehr. Als Puffer soll ungenutztes Geld von 2023 dienen können, wozu eine Gesetzesänderung nötig ist. Mit dem angepeilten Konzept der Verkehrsminister soll „eine weitere Nachschusspflicht durch Bund und Länder“ 2024 ausgeschlossen werden.

Überfüllte Bahnsteige, ausfallende Züge: Reisende warten im Hamburger Hauptbahnhof auf ihren Zug.

Bahn-Experte Böttger ist nicht überzeugt von diesem Ergebnis: „Der Kompromiss schiebt den Konflikt um die Finanzierung nur um ein Jahr weiter. Die Finanzierungsfrage und die Frage nach Preiserhöhungen wird weiter die öffentlichen Debatten beherrschen.“ Dass der Ticketpreis an sich nun steigen könnte, war prinzipiell immer klar. Die 49 Euro gelten deswegen auch als „Einführungspreis“. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte prompt, Scholz wolle sich mit dem D-Ticket schmücken, dafür zahlen wolle er aber nicht. Das könne nicht funktionieren. Auch die grüne Jugend zeigte sich enttäuscht. „Dass diese MPK endet, ohne dass es eine klare Absage an Preiserhöhungen beim Deutschlandticket gibt, ist ein schlechter Witz“, sagte die Co-Chefin der Grünen-Nachwuchsorganisation, Svenja Appuhn, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

„Das D-Ticket entlastet vor allem die Pendler aus dem Speckgürtel“

Doch ist das D-Ticket wirklich wirksamer Klimaschutz? Bahn-Experte Böttger verweist darauf, „dass die Verlagerungswirkung des D-Tickets gering ist. Nach Angaben des VDV sind nur fünf Prozent der Fahrten mit dem D-Ticket vom PKW verlagert – im gesamten Verkehrsgeschehen kaum messbar.“ Laut VDV sind acht bis zehn Prozent der Abo-Besitzer echte Einsteiger in den öffentlichen Nahverkehr, sind also zuvor meist mit dem Auto gefahren.

Böttgers Kritik geht noch weiter: „Das D-Ticket entlastet vor allem die Pendler aus dem Speckgürtel, die bislang 100 bis 200 Euro für ihre Monatskarte zahlen mussten. Diese Einnahmeverluste werden auch nicht kompensiert, wenn das Ticket jetzt zehn Euro mehr kostet. Für sozial Schwache gibt es heute in vielen Regionen günstigere Angebote, die Frage ist, wie diese bei einer Preiserhöhung angepasst werden würde.“

Für den Experten steht fest: Wie man es dreht und wendet, die Bahn kann nur so gut wie ihr aktuelles Schienennetz sein. Laut Böttger werde 2023 allerdings kein einziger Kilometer neuer Schiene in Betrieb gehen. Was das in der Praxis für Auswirkungen hat, erlebt der Verkehrsexperte ständig. „Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber ich sehe bei meinen Bahnfahrten zunehmend, dass Fahrgäste am Bahnsteig zurückgelassen werden. Das sollte das Hauptthema der Verkehrspolitik sein“, sagt Böttger.

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa

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