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Forderung nach Abbau

„45.000 Euro auf dem Dach, null Ertrag“: Probleme mit der Einspeisevergütung haben katastrophale Folgen

Mit der Solaranlage Profit machen? Hohe Anschaffungskosten und administrative Barrieren können zu Schwierigkeiten führen. Ein Bauer beklagt nun, dass die Gewinne ausbleiben. Hier ist der Grund.

Lohne – Bereits im letzten Jahr hat Photovoltaik einen Rekord erzielt, als über eine Million Solaranlagen verkauft wurden. Immer mehr Unternehmen und auch private Haushalte nutzen Sonnenenergie zur Stromerzeugung – und profitieren auch finanziell davon. Doch nicht immer läuft es rund, wie ein Fall aus Niedersachsen zeigt. Einem Landwirt kommt seine Entscheidung, in eine Photovoltaik-Anlage zu investieren, teuer zu stehen.

Verluste wegen Bürokratie-Wahnsinn: „45.000 Euro auf dem Dach und null Ertrag“, Landwirt klagt an

Der Landwirt Karl-Günther Wiemers aus Lohne in Niedersachsen entschied sich wie viele andere für die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf seinem Grundstück. Im Herbst 2023 installierte er zusammen mit seinem Schwiegersohn und mithilfe eines Kredits auf dem Scheunendach an der Bundesstraße in Lohne eine Photovoltaik-Anlage. Doch obwohl inzwischen zwei Jahre vergangen sind, wurde von der Westnetz GmbH noch kein Ertragsentgelt gezahlt. „Jetzt habe ich 45.000 Euro auf dem Dach und Null Ertrag“, wird Wiemer vom Soester-Anzeiger zitiert. „Das Geld hätte ich besser in Aktien angelegt“.

Das Geschäft mit den Solaranlagen in Deutschland boomt. Im letzten Jahr versorgten 3,7 Millionen Photovoltaikanlagen rund 12 Prozent des deutschen Strombedarfs und produzierten 62 Milliarden Kilowattstunden Strom. Der Absatz von Photovoltaikanlagen und Solarstromspeichern hat sich dabei im Vorjahresvergleich verdoppelt. Für 2024 rechnet der BSW-Solar mit einem zweistelligen prozentualen Wachstum in diesem Bereich.

Von der Politik hieß es: Auch deutsche Haushalte sollen mit ihrer Solarstromanlage Geld verdienen – und zwar über die Einspeisevergütung. Diese wird jedoch jedes Halbjahr geringer, aktuell liegt sie bei 8,03 Cent pro Kilowattstunde. Neue Änderungen sollen zudem ab 2025 eintreten, wenn bei negativen Strompreisen am Markt keine Vergütung mehr gezahlt werden soll und sich auch kleinere Anlagen eigenständig am Strommarkt behaupten müssen. Laut Politik zahlt sich die Installation einer Photovoltaik-Anlage weiterhin aus, auch wenn gilt: Je früher sie installiert wurde, desto lukrativer war das Geschäft.

Bürokratische Odyssee: „Geld kann man besser investieren“

Es ist nicht die erste Solaranlage der Landwirtsfamilie. Die im Jahr 2007 installierte Photovoltaik-Anlage produziert Strom für den Eigenbedarf und speist Überflüsse ins öffentliche Netz. Im Jahr 2020 kam eine weitere Anlage dazu. Die Probleme fingen mit der dritten Scheunendach-Anlage an. Zunächst schmissen zwei Fachmänner hin, da die Kommunikation mit der Westnetz, dem Strom- und Gasverteilnetzbetreiber im Westen Deutschlands, nicht funktionierte. Mit einer dritten Firma klappte schließlich die Installation der Anlage im Sommer 2023 und die Module wurden für 45.000 Euro aufs Dach montiert. Nun fehlte nur noch der Zähler, den Westnetz laut Landwirt Wiemers selbst einbauen wollte – „aber nichts passierte, trotz zahlreicher Nachfragen“.

Die Installation einer PV-Anlage wird fachmännisch geprüft. (Symbolbild)

Der benötigte Zähler wurde erst im Januar 2024 installiert und damit blieb der Landwirt auf einigen Monaten, also in etwa 1.000 Euro an potenziellen Einnahmen sitzen, die bereits hätten vergütet werden können. Daraufhin folgte eine Odyssee: Trotz der Nachmeldung des Zählerstands und Einreichung aller erforderlichen Unterlagen, hörte Wiemers von Westnetz monatelang nicht zurück. Der Betreiber sei weder via Telefon, noch per E-Mail erreichbar gewesen. Im August wurde er schließlich aufgefordert, noch einmal alles einzureichen. Im Oktober meldete sich eine Sachbearbeiterin bezüglich eines Dokuments, aber ohne genauen Informationen, wie es nun weitergeht. Er kommt zum Schluss: „Geld kann man besser investieren“.

Branchen-Allianz fordert von der Politik Abbau bürokratischer Hürden

Die langen Wartezeiten, bis eine Photovoltaik-Anlage ans Stromnetz angeschlossen wird, sind innerhalb der Branche nichts Neues. Nicht nur im ländlichen Bereich, sondern auch in der Stadt, wo immer mehr Immobilienbesitzer ihren Strom selbst produzieren wollen, ärgern sich Investoren über die bürokratischen Hürden beim Netzanschluss. Eine im Sommer angekündigte Anwender-Verbandsallianz, bei der neben der Wohnungswirtschaft auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer dabei ist, will den Zugang zu den Stromnetzen beschleunigen. Sie setzen sich für bessere Netzanschlussbedingungen für Anlagen der Energiewende ein. Ziel ist es, einheitliche und effiziente Verfahren zu entwickeln, um neue Anlagen zügig und ohne bürokratische Hürden ans Netz zu bringen.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen beinhalten unter anderem verpflichtende Rückmeldefristen für Verteilnetzbetreiber sowie die Einführung eines einheitlichen digitalen Antragsverfahrens. Darüber hinaus soll es eine Vereinheitlichung der technischen Anschlussbedingungen auf Bundesebene geben, und reine Eigenverbrauchsanlagen sollen ohne langwierige Genehmigungsverfahren betrieben werden können.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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