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Laut einer Studie

„Hunderte Meter lang“: Klimawandel erhöht Schadensrisiko für antarktische Eisschelfe

Sie können hunderte Meter lang sein. Forscher haben in einer aktuellen Studie über Brüche in Eisschelfen in der Antarktis gesprochen. Sie können den Eisverlust verstärken.

Antarktis – Der Klimawandel ist ein allgegenwärtiges Thema, das mittlerweile in so gut wie allen Bereichen Einzug gefunden hat. Eine neue Studie zeigt nun, dass aufgrund hoher Treibhausgasemissionen die Schädigung der Eisschelfe in der Antarktis voraussichtlich zunehmen wird. Unter Schelfeis versteht man große, schwimmende Eisplatten. Diese sind in der Regel noch mit Gletschern, Eisströmen oder Eiskappen verbunden und werden von diesen gespeist.

Durch den Klimawandel kann es zu verheerenden Folgen kommen. (Archivbild)

Wie es in einer Pressemeldung zu der Studie heißt, haben Forschende rund um Maaike Izeboud eine „Bruchkarte“ der Antarktis entwickelt. Diese zeigt, wie sich Schäden an den Eisschelfen über Jahrzehnte entwickelt haben. Mit dieser Methode können neue Erkenntnisse zu der Entstehung von Brüchen und Spalten, ebenso wie Anzeichen struktureller Schäden gewonnen werden. Durch weiterhin hohe Treibhausgasemissionen wird die Schädigung an diesen Schelfen wohl zunehmen. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer.

Studie zu Auswirkungen von Klimawandel: Mögliche Folgen durch den Rückgang von Schelfeis

Bereits vor einigen Jahren, als es eine große Hitzewelle in der Antarktis gab, haben Forschende vor der Zukunft gewarnt. Die Gletscherforscherin Helen Amanda Fricker gab damals dazu an, dass man besonders das Eis in der Ostantarktis beobachten müsse. Dieses habe großes Potenzial, die globalen Meeresspiegel zu beeinflussen.

Durch den schnellen Rückgang von Schelfeis können einige Probleme auftreten. Sie steuern nämlich den Massenverlust des Eisschildes. Durch Widerstand, den sie an Land liegendem Eis entgegensetzen und so den Eisfluss auf den Ozean regulieren. Wenn Schelfeis kollabiert oder schwächer wird, dann fließt mehr Eis in den Ozean. Das wiederum verstärkt den Massenverlust der Antarktis und trägt zum Anstieg des Meeresspiegels bei.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Immerhin: „In Szenarien mit drastisch reduzierten Emissionen bleiben die Eisschelfe stabil und tragen so dazu bei, den Beitrag der Antarktis zum Anstieg des Meeresspiegels zu verlangsamen“, heißt es in der Studie. Veröffentlicht wurde diese bei Nature Climate Change, einem englischsprachigen, wissenschaftlichen Fachmagazin. Entwickelt wurde die „Bruchkarte“ von Experten der Technische Universität Delft in den Niederlanden. Zu den Experten dieser Studie zu den „Bruchkarten“ gehörten Maaike Izeboud, Bert Wouters, Sophie de Roda Husman und Stef Lhermitte. Erst vor wenigen Wochen gab es einen unglaublichen Durchbruch in der Antarktis.

Zusammenhang mit Bildung von Schmelzeis

Es gibt eine Theorie zum Zerfall von Schelfeis, wie das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum, ein Teil des Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences (CIRES; dt. Kooperatives Institut für Forschung in Umweltwissenschaften) an der University of Colorado Boulder, erklärt. So könnte es im Zusammenhang mit dem Schmelzen der Eisoberfläche und der damit verbunden Bildung von Schmelzeis stehen.

„Diese Beobachtungen führten zu einem Modell, bei dem Wasser aus den Schmelzwassertümpeln Oberflächenrisse im Schelfeis füllte. Je nach Wassermenge und Risstiefe konnte das Gewicht des Wassers einen Riss vertiefen und ihn schließlich durch das Schelfeis treiben“, heißt es hier.

Brüche und Spalten können automatisch kartiert werden

Um die Brüche entsprechend sehen zu können, gibt es laut der Studie Satellitenbilder. Sie machen die Brüche deutlich sichtbar. „Die Brüche sind auf Satellitenbildern deutlich zu erkennen, sie sind Hunderte von Metern lang. Während meiner Doktorarbeit habe ich eine Methode entwickelt, um diese Brüche und Spalten automatisch zu kartieren“, so Maaike Izeboud.

Dadurch konnte sie gemeinsam mit ihren Kollegen eine „Bruchkarte“ der Antarktis erstellen. „Es ist uns gelungen, mehrere Arten von Satellitenbildern zu verarbeiten. Dadurch verfügen wir nun über Bilder aus über zwei Jahrzehnten und können quantifizieren, wie sich die Brüche im Laufe der Jahre verändert haben“, erklärt die Forscherin. Ein abgebrochener Eisblock hat einen spektakulären Fund enthüllt. (Quellen: Pressemitteilung, nsidc.org) (ci)

Rubriklistenbild: © Britsh Antarctic Survey/dpa/picture alliance

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