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GenZ besonders betroffen
Depressionen steigen vor allem bei Jüngeren – Expertin spricht von „Teufelskreis“
Die jüngere Generation hat immer mehr mit Depressionen zu kämpfen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Social Media nicht der einzige Grund.
München – Die Anzahl der jungen Menschen, die an Depressionen leiden, hat laut einer aktuellen Studie des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) erheblich zugenommen. Im Jahr 2023 erhielten demnach mehr als 409.000 Menschen im Alter von fünf bis 24 Jahren die Diagnose einer depressiven Episode. Auch eine Forsa-Umfrage, die im Auftrag der Krankenkasse KKH durchgeführt wurde, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Ein Hintergrund scheint dafür besonders relevant zu sein.
Alarmierende Zahlen von wiederkehrenden Depressionen: Krankenkasse meldet Zunahme von 130 Prozent
Die Krankenkasse KKH berichtete am Dienstag (10. Dezember), dass besonders die Generation Z (Gen Z) immer häufiger unter Depressionen und Angststörungen leidet. Zwischen 2013 und 2023 sei die Anzahl der wiederkehrenden Depressionen bei 18- bis 29-Jährigen um 130 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg war deutlich höher als in der gesamten deutschen Bevölkerung, wo er nur bei etwa 56 Prozent lag. Eine Krankenkasse aus Bayern stellt ein kostenloses Hilfsprogramm zur Verfügung.
Auch Angststörungen nahmen laut der Studie deutlich zu. Bei den 18- bis 29-Jährigen stieg die Häufigkeit im selben Zeitraum um 42 Prozent, in der Gesamtbevölkerung hingegen nur um 19 Prozent. Seit der Corona-Pandemie haben Angststörungen bei jungen Menschen noch einmal „überproportional zugenommen“, so die Krankenkasse.
Ungewissheit, Krieg, Krisen: Menschen fühlen sich laut Krankenkasse oft einsam
Die KKH sieht wachsende Einsamkeit als Ursache für die Zunahme von Depressionen und Angststörungen bei jungen Menschen. Dieses Problem betreffe aber nicht nur die Gen Z. „Wer dauerhaft einsam ist, kann in der Folge psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen entwickeln“, erklärte die KKH-Expertin und Ärztin Aileen Könitz. Sie sprach von einem „Teufelskreis“.
Etwa zwei Drittel der 18- bis 50-Jährigen in Deutschland fühlen sich laut der Forsa-Umfrage manchmal isoliert oder einsam, was umgerechnet etwa 64 Prozent entspricht. Die Hälfte der Betroffenen fühle sich in solchen Momenten konkret traurig und depressiv, jeder Vierte ausgebrannt. Eine mögliche Ursache für die zunehmende Einsamkeit könnte eine wachsende Aggressivität und ein Mangel an Empathie in der Gesellschaft sein: Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, dass unter anderem eine „Veränderung des sozialen Umfelds“ ein Auslöser gewesen sei.
Depression ist mehr als nur traurig sein – welche Symptome auf die psychische Erkrankung hindeuten
Soziale Medien und mangelnder persönlicher Kontakt: Welche Faktoren Depressionen begünstigen können
Angesichts Veränderungen im sozialen Umfeld wies die Krankenkasse auf den sozialen Effekt aufeinanderfolgender Krisen hin. Dazu zählt zum Beispiel die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, die anhaltende Inflation sowie die Klimakrise. In Zeiten der Instabilität würden Unsicherheit und Frustration zunehmen. Seit Covid-19 wurden außerdem persönliche Kontakte durch digitale Alternativen wie Videokonferenzen „verdrängt“. Dies trage laut der KKH ebenfalls zur Einsamkeit bei: „Der persönliche Austausch verkümmert an vielen Stellen.“
Ein weiterer wichtiger Faktor sei die „teils auch exzessive“ Nutzung sozialer Medien, insbesondere unter jungen Menschen. Obwohl soziale Netzwerke eine wichtige Rolle bei der Pflege von Kontakten und dem Austausch spielen können, stellt das ständige Vergleichen und Bewerten im Netz gleichzeitig ein großes Problem dar. Es begünstige nur diejenigen, die sich geschickt inszenieren können. Bei anderen führe es zu „Unzufriedenheit, depressiven Gefühlen und Einsamkeit“, so die KKH. (cln/AFP)