WM-Sechzehntelfinale
Trotz vergebener Chance aus drei Metern: Schweiz besiegt 88 Jahre alten WM-Fluch
Die Dämonen der Nati sind besiegt. Im WM-Sechzehntelfinale gegen Algerien gelingt ein souveräner Erfolg. Der Ticker zum Nachlesen.
Fazit: Erst eine Co-Produktion eines Freiburg-Stars mit einem Ex-Gladbacher, dann ein Blitzstart nach nur 46 Sekunden in der zweiten Hälfte. Die Schweiz gewann dank der Treffer von Breel Embolo (10. Minute) und Dan Ndoye (46.) im WM-Sechzehntelfinale souverän mit 2:0 gegen Algerien. Damit endet ein 88 Jahre alter Fluch der Nati, die seit 1938 kein WM-K.-.o-Spiel mehr gewinnen konnte.
Erstmeldung vom 2. Juli: Wie sich ein WM-Pokal anfühlt, wissen die Schweizer Nationalspieler – zumindest einer aus Lego. Im kalifornisch-paradiesischen Luxus-Teamquartier in San Diego bauten Granit Xhaka und seine Mannschaftskollegen die begehrteste Trophäe des Weltfußballs aus exakt 2.842 Steinen zusammen. Neben dem Training war dafür genug Zeit – und nicht nur dafür.
Ob Golfspielen, Strandbesuch oder Familienausflug: Langweilig wurde der Nati in der langen Pause zwischen dem letzten Gruppenspiel und dem Sechzehntelfinale offenbar nicht. Die Laune ist bestens und das kann sie auch sein. Nach Startschwierigkeiten und Diskussionen um deutliche Kritik von Kapitän Xhaka ist das Team von Trainer Murat Yakin dort, wo es sein will.
Schweiz will gegen Algerien den WM-Fluch brechen
Im Sechzehntelfinale, das mehr als acht Tage nach dem Gruppen-Abschluss gegen Kanada stattfindet, wartet am Freitag (5.00 Uhr) mit Algerien kein leichter, aber ein schlagbarer Gegner. Das Ziel der Schweizer, die „beste WM aller Zeiten“ zu spielen, wie es Xhaka vor der XXL-WM in den USA, Mexiko und Kanada formulierte, scheint nicht unmöglich. Dafür muss ein 88 Jahre alter Fluch besiegt werden, denn seit 1938 gewann die „Nati“ kein WM-K.-o.-Spiel mehr.
Die Schweiz hat sich nach einem großen Dämpfer zu WM-Beginn stark gesteigert. Gegen Katar tat sich das Yakin-Team trotz früher Führung sehr schwer und wurde in der Nachspielzeit mit dem Ausgleich geschockt. Xhaka übte anschließend deutliche Disziplin-Kritik. Die Stimmung war angespannt. Mit dem 4:1 gegen Bosnien-Herzegowina und dem 2:1 gegen Co-Gastgeber Kanada befreite sich sein Team jedoch – nicht nur ergebnistechnisch.
Das lag unter anderem auch an Umstellungen von Trainer Yakin. Der 51-Jährige hatte zu Beginn des Turniers noch die zentrale Bedeutung von Erfahrung betont. Junge Spieler müssten sich ihren Startplatz erst erarbeiten. Einer schaffte das während der WM und avancierte zum großen Unterschiedsspieler. Johan Manzambi spielte sich beim Sieg gegen Bosnien-Herzegowina als Joker mit einem Doppelpack ins große Rampenlicht und war danach gegen Kanada bester Mann auf dem Platz.
„Er ist sehr kreativ und kann aus Situationen, die wenig aussichtsreich erscheinen, oft doch noch etwas Spezielles kreieren“, sagte Abwehrchef Manuel Akanji. „Er hat das nötige Talent und den nötigen Mut dafür. Er sieht Dinge, die andere Spieler nicht sehen. Ich hoffe, dass Johan weiter dran bleibt.“
Bei Algerien wartet ausgerechnet der Schweizer Rekordtrainer
Wie schon in der ersten K.-o.-Runde würde die Schweiz auch im Achtelfinale auf keinen der Titelkandidaten treffen. Kolumbien oder Ghana hieße der Gegner. Erst im Viertelfinale droht ein echtes Schwergewicht, das aber auch erst einmal bis dorthin kommen muss. Argentinien wäre dann der wahrscheinlichste Kontrahent.
Die anderen möglichen Gegner wären Ägypten, Australien oder – natürlich sehr unwahrscheinlich – die Sensationsfußballer von Kap Verde. Dass es so weit kommt, will ausgerechnet der Nati-Rekordtrainer verhindern. Algeriens Coach Vladimir Petkovic war von 2014 bis 2021 für die Auswahl der Schweiz verantwortlich. „Ich kenne sie sehr gut“, sagte der 62-Jährige. „Auch wenn es ein paar neue Spieler gibt, einige Spieler haben auch schon unter mir gespielt.“
Und das sind gar nicht so wenige. Aus der Startelf beim letzten Spiel von Petkovic als „Nati“-Coach – dem Viertelfinal-Aus bei der EM 2021 gegen Spanien – sind auch jetzt noch sieben Spieler dabei. Sie wollen diesmal möglichst noch weiter kommen als damals – und dann vielleicht sogar vom echten WM-Pokal träumen. (rele)
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