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Michels Meinung

Winter-WM in Saudi-Arabien erst 2035 – wo ist Euer Problem?

Die Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien sorgt für Emotionen. Michels Meinung stellt den eurozentristisch orientierten Fußballfans unangenehme Fragen.

Zürich / Riad – Große Aufregung in Fußball-Europa in dieser Woche: Die WM 2034 in Saudi-Arabien findet womöglich erst im Januar 2035 statt. Die zwei wesentlichen Gründe: Im Juni/Juli 2034 ist es in Saudi-Arabien extrem heiß – und im November/Dezember 2034 feiert die muslimische Welt Ramadan. Im Königreich Saudi-Arabien ist der Islam Staatsreligion.

Die WM 2034 findet in Saudi-Arabien statt.

Die ersten Reflexe der Fußball-Fans in Europa kann man auf Social Media tausendfach sinngemäß nachlesen: Warum trägt das als diktatorisch geltende Saudi-Arabien die WM aus? Eine WM hat in den europäischen Sommermonaten stattzufinden! Korrupte FIFA! Jetzt noch auf religiöse Befindlichkeiten Rücksicht nehmen – geht gar nicht. Alles wird noch schlimmer als bei der WM 2022 in Katar.

Eurozentristische vs. globalistische Perspektive zur WM

Man kann diese Aussagen auch als eurozentristischen Fußball-Populismus zusammenfassen. Er soll in dieser Kolumne nicht verurteilt, aber zur Diskussion gestellt werden. Bei aller Emotion wäre es doch schön, wenn das Thema sachlich und fundiert aufgedröselt wird, damit Fußball-Fans nicht oberflächlich und populistisch über die WM 2034 diskutieren müssen. Michels Meinung nimmt einen Versuch vor.

Aufreger Nummer eins: Warum darf Saudi-Arabien überhaupt die WM austragen? Saudi-Arabien ist kein demokratisches Land und auch kein klassisches Fußball-Land. Saudi-Arabien hat sich aber das Vorgehen von Rivale Katar für die WM-Austragung 2022 genau angesehen und daraus seine Schlüsse gezogen.

Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball

Manuel Neuer feiert die Meisterschaft des FC Bayern auf Krücken
Manuel Neuer ist schon mehrfach auf Krücken gelaufen. Der Kapitän des FC Bayern erlitt jüngst eine kuriose Verletzung – und ist damit im Profifußball nicht alleine ... © IMAGO / Revierfoto
Nathan Ngoumou wird vorerst nicht mehr für Borussia Mönchengladbach spielen
Nathan Ngoumou wurde nach dem Schlusspfiff des Auswärtsspiels von Borussia Mönchengladbach gegen den FC St. Pauli zum Auslaufen geschickt. Wenige Minuten später musste der Flügelspieler mit einer gerissenen Achillessehne in die Kabine getragen werden. © IMAGO/kolbert-press/Burghard Schreyer
Manuel Neuer wurde im Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern und Leverkusen ausgewechselt
Für Manuel Neuer hatte das Champions-League-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen im März 2025 bittere Konsequenzen. Der Torhüter des FC Bayern erlitt beim Torjubel einen Muskelfaserriss. © IMAGO/Philippe Ruiz
Xabi Alonso gewann 2010 mit Spanien die Weltmeisterschaft in Südafrika
Auf dem Platz konnte man Xabi Alonso wenig anhaben, dafür war die Dusche sein größter Feind. In der Vorbereitung auf das WM-Halbfinale 2010 erlitt Alonso eine tiefe Wunde im Knie, weil die Glasscheibe der Dusche plötzlich brach. Der Cut wurde in der Mannschaftskabine zugenäht, der Mittelfeldspieler stand gegen Deutschland daher auf dem Rasen. © IMAGO / Fotoarena
Charles Akonnor spielte von 1998 bis 2004 für den VfL Wolfsburg
Im Jahr 2001 rammte sich Charles Akonnor, damals für den VfL Wolfsburg tätig, versehentlich seine Auto-Antenne in die Nase. Weil das blutstillende Mittel auf der Dopingliste stand, wurde er für drei Spiele gesperrt.  © IMAGO / Contrast
Kevin Trapp spielt bis heute für Eintracht Frankfurt, war von 2015 bis 2018 aber für Paris St. Germain aktiv
Kevin Trapp galt noch als Talent, da hatte er 2013 beim Werbedreh der deutschen U21-Nationalmannschaft großes Pech. Trapp war ausgerutscht, weil er laut dem damaligen Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen mit Stollenschuhen auf einem glatten Steinboden unterwegs war. Später einigten sich die SGE und der DFB auf eine Entschädigungszahlung. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Santiago Cañizares vom FC Valencia diskutiert mit einem Verantwortlichen
Santiago Cañizares wollte sich im Mai 2002 für ein Abendessen mit der spanischen Nationalmannschaft frisch machen, als ihm das Parfüm im Badezimmer auf den Boden fiel und eine Sehne durchtrennte. Damit war die WM in Japan und Südkorea für den Torhüter gelaufen – und ein gewisser Iker Casillas rückte zwischen die Pfosten. © IMAGO / Claus Bergmann
Darren Barnard in einem Spiel der walisischen Nationalmannschaft
Der ehemalige walisische Nationalspieler Darren Barnard musste aufgrund einer Knieverletzung für fünf Monate pausieren, weil er in der Küche in einer Urinpfütze eines Hundewelpens ausrutschte. © IMAGO / Colorsport
Martin Palermo spielte in seiner Karriere auch für die Boca Juniors
Martín Palermo verletzte sich ausgerechnet nach dem größten Erfolg eines Stürmers. Als der Argentinier in Diensten des FC Villarreal ein Tor bejubelte, stürzte die Werbebande ein. Palermo erlitt einen Schien- und Wadenbeinbruch. © IMAGO / Gribaudi / ImagePhoto
Logan Bailly spielte zweieinhalb Jahre für Borussia Mönchengladbach
Logan Bailly erlitt während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach einen Mittelfußbruch. Schuld war eine mobile Klimaanlage, die beim Transport aus seinen Händen glitt und auf seinen Fuß fiel. © IMAGO / Ulmer
Adam Nemec spielte 2011 auch für die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern
Als Adam Nemec dem 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2011 für drei Monate fehlte, war ausgerechnet sein Kirschbaum schuld. Der Stürmer kletterte auf diesen hoch, fiel runter – und brach sich sowohl zwei Brustwirbel als auch das Schlüsselbein. © IMAGO / Revierfoto
Robbie Keane spielte in seiner Karriere unter anderem für Aston Villa
In der Sturmspitze war Robbie Keane treffsicher, doch auf dem heimischen Sofa stellte er sich mit seinem Fuß ungeschickter an. Als er mit diesem die TV-Fernbedienung bedienen wollte, zog sich der Ire einen Bänderriss im Knie zu. © IMAGO / Colorsport
Markus Pröll hütete bis 2010 das Tor von Eintracht Frankfurt
Bei einem Testspiel mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2009 stolperte der damalige Torhüter Markus Pröll nicht über seine eigenen Füße, sondern über ein kleines Mädchen. Das Resultat: eine Schultereckgelenksprengung. © IMAGO / Jan Huebner
Bjarne Thoelke spielte 2011 sechsmal für die Profis des VfL Wolfsburg
Als seine Karriere beim VfL Wolfsburg Fahrt aufnehmen sollte, spielte ein Pferd dem damaligen Abwehrtalent Bjarne Thoelke einen Streich. Der heutige Innenverteidiger des 1. FC Saarbrücken erlitt einen Kahnbeinbruch, weil ein Pferd auf dem Bauernhof seiner Eltern während der Stallarbeit austrat. © IMAGO / Joachim Sielski
Elkin Soto spielte viele Jahre lang für Mainz 05
Im März 2013 musste Mainz-Trainer Thomas Tuchel für ein Spiel auf Elkin Soto verzichten, weil sich der Mittelfeldspieler bei „einer alltäglichen Bewegung“ einen Hexenschuss zuzog. Die Auflösung: Der Kolumbianer erlitt die starken Schmerzen, als er sich bückte, um seine Schuhe zu binden. © IMAGO / Martin Hoffmann
Leon Andreasen hat 2016 seine Karriere bei Hannover 96 beendet
Dass Messer gefährlich sind, lernte Leon Andreasen auf bittere Weise. Der Ex-Profi von Hannover 96 verletzte sich im November 2015 beim Öffnen eines Pakets an der Hand. Die Schnittwunde hatte eine Operation zur Folge. © IMAGO / Eibner
Daniel Bierofka wird von den Spielern von 1860 München gefeiert
Als Daniel Bierofka noch Spieler von 1860 München war, prallte er in einem Testspiel gegen den VfR Aalen mit Schiedsrichter Robert Hartmann zusammen. Die Diagnose: Nasenbeinbruch. © IMAGO / Sven Simon
Nicolai Müller erlitt am 1. Spieltag der Saison 2017/18 einen Kreuzbandriss
Nicolai Müller wollte in der Saison 2017/18 mit dem Hamburger SV angreifen. Am ersten Bundesliga-Spieltag erzielte er schon in der achten Minute den Siegtreffer gegen den FC Augsburg – und erlitt beim Jubel einen Kreuzbandriss. © IMAGO / Oliver Ruhnke
Éver Banega spielt bis heute Fußball und ist für die Newell‘s Old Boys aktiv
Beim FC Valencia fehlte Éver Banega in der Schlussphase der Saison 2011/12 wegen eines Knöchelbruchs. Schuld war das Auto des Argentiniers, das an der Tankstelle über seinen Fuß rollte – weil er die Handbremse nicht gezogen hatte. © IMAGO / ULMER
Stefan Kuntz ist 1991 mit Kaiserslautern deutscher Meister geworden
Als der 1. FC Kaiserslautern am 7. September 1991 gegen den FC Bayern spielte, fehlte Stefan Kuntz (l.) plötzlich. Der damalige Stürmer knickte beim Verlassen des Mannschaftsbusses um und erlitt einen dreifachen Bänderriss.  © IMAGO/ HORSTMUELLER GmbH
Marko Arnautovic geht heute für Inter Mailand auf Torejagd
Marko Arnautović hat bei Werder Bremen mehrfach für Aufruhr gesorgt. So auch im März 2012, als er wegen eines Innenbandrisses im Knie wochenlang fehlte – weil er mit seinem Hund spielte und im Rasen hängengeblieben war. © IMAGO / Marco Canoniero

Katar pumpte viel Geld in Fußball und Politik, allerdings teilweise auch auf illegalen und damit korrupten Wegen, um die WM 2022 zu bekommen und Sportswashing zu betreiben. Sprich: Mit vermeintlich netten Groß-Events will man politische Missstände vernebeln. Saudi-Arabien ist in diesem Sinne ein Update von Katar und macht alles cleverer.

Es kauft sich wie Katar (Paris Saint-Germain) auch in Fußballvereine ein (Newcastle United), es baut aber auch eine eigene große Liga auf und schüttet über zahlreiche teure Transfers den kompletten Weltfußball mit Geld zu. Selbst deutsche Vereine wie der FC Bayern oder VfB Stuttgart haben das Geld schon dankbar angenommen.

Hinzu kommt, dass Saudi-Arabien keine FIFA-Funktionäre besticht (jedenfalls gibt es bislang keinen öffentlich bekannten Skandal), sondern die FIFA von legalen Geldern aus Saudi-Arabien profitiert. Für die FIFA-Klub-WM wurde sich anteilig bei DAZN beteiligt, der Sender konnte dadurch eine enorme Summe für die TV-Rechte an die FIFA zahlen. Der Weltverband schüttete das Geld nicht nur an die Teilnehmer aus, sondern auch an viele, einfach ausgedrückt, arme Verbände.

Bei der FIFA wiederum hat jedes Mitgliedsland eine Stimme und FIFA-Präsident Gianni Infantino überzeugte durch (harte) Diplomatie alle Verbände, inklusive Deutschland, bei der WM 2034 für Saudi-Arabien zu stimmen. Dies geschah auf einer Versammlung nur per Handheben (Akklamation), aber alle Verbände waren mit dem Vorgehen einverstanden, selbst der DFB mit dem früheren SPD-Politiker Bernd Neuendorf.

Auch legt die FIFA argumentativ nach: Der Fußball gehört nicht den Europäern, auch nicht den Südamerikanern, sondern allen Menschen auf der Welt. Deshalb soll die WM im Wechsel bei einem Kontinent nach dem anderen stattfinden. Als Südafrika die WM 2010 ausgerichtet hatte, war das auch die Argumentation von Fußball-Deutschland.

Warum soll also 2034 nicht ein arabischer Staat (zählt formal zum asiatischen Verband) das große Turnier ausrichten dürfen? Dahinter steckt die Idee, den Fußball in allen Ländern der Welt populär zu machen – und damit auch Geld zu verdienen. Auch wenn das Verfahren zur WM-Vergabe legal war, müssen sich vor allem die großen, demokratisch geprägten Fußball-Nationen einer Frage stellen:

Wenn die allgemeine Meinung vorherrscht, dass Saudi-Arabien, aus welchen Gründen auch immer, keine WM austragen sollte, wie kann es sein, dass die Verbandsfunktionäre dennoch für das Königreich votiert haben? Die WM-Vergabe ist jedenfalls fix, daran kann keiner mehr rütteln, außer es würde noch einen extrem krassen Skandal geben.

Nun geht es um die Rahmenbedingungen, wie und wann das Turnier ausgetragen wird. So ist ähnlich wie bei der WM in Katar offensichtlich, dass die klassischen WM-Monate Juni und Juli eigentlich zu heiß sind (50 Grad Celsius), um das wichtigste Fußball-Turnier der Welt auszutragen. Vernünftig ist es demnach, nach einem anderen Zeitpunkt zu suchen.

Auch bei der Klub-WM war es den Temperaturen nach zu heiß

Man bedenke: In diesem Sommer haben sich Fans und Berichterstatter noch empört und lustig gemacht, dass die Klub-WM in den USA unter meist extrem hohen Temperaturen stattfand. Dann ist es doch eine vernünftige Überlegung, nach einem anderen Zeitpunkt zu suchen. Zumal die WM in Katar eine wichtige Erkenntnis für Experten lieferte:

Das Turnier wurde zwar nicht taktisch, aber fußballerisch als eines der hochwertigsten Turniere aller Zeiten bewertet. Verständlich, denn die Spieler aus den europäischen Top-Ligen standen während der Saison „voll im Saft“, statt im Sommer nach einer anstrengenden Saison ausgelaugt über den Platz zu rennen.

Zudem darf man hier auch wieder das Thema Eurozentrismus gegen Globalismus ins Spiel bringen: Der klassische europäische Fußballfan freut sich, während der Sommerferien an schönen Tagen WM-Spiele zu sehen und zu bejubeln. Aber es gibt eben noch andere Länder und Kontinente. Warum darf nicht auch der Brasilianer oder Argentinier mal eine WM im Sommer bejubeln?

Hinzu kommt, dass viele Fußball-Ligen der Welt gar nicht den Saisonplan der Bundesliga oder Premier League besitzen. In Norwegen oder den USA endet beispielsweise die Saison im November, da passt im Anschluss eine WM gut ins System. Bliebe noch der religiöse Punkt. Womöglich findet die WM auch nicht im November und Dezember 2034 statt, sondern im Januar 2035, da in den letzten beiden Monaten 2034 in der islamischen Welt Ramadan gefeiert wird.

Rücksicht auf religiöse Gefühle

Während der WM in Katar gaben viele Fans und Politiker in Deutschland an, sie wollen in der Weihnachtszeit ihre Ruhe vom Fußball haben und sich auf eine besinnliche Zeit einstimmen. Man kann also das Gefühl selbst in Deutschland zum Teil nachempfinden, in einer für Gläubige wichtigen Zeit andere Prioritäten zu setzen. Wenn Saudi-Arabien das Gastgeberland ist, gilt es, darauf Rücksicht zu nehmen.

Michels Meinung lautet nun: Die WM-Vergabe an Saudi-Arabien geschah legal. Dass das Land Sportswashing betreibt, ist offensichtlich. Aber die demokratischen und klassischen Fußball-Länder haben sich auch nicht sonderlich dagegen gewehrt. Insbesondere die Fußball-Funktionäre haben die öffentliche Mehrheits-Meinung ignoriert, um im Haifischbecken FIFA ihre eigene Macht zu sichern.

Generell hat sich die Fußball-Welt jedoch zu fragen: Gehört der Fußball den klassischen Fußball-Nationen in Europa und Südamerika? Dann gilt es, Reformen in der FIFA anzustoßen, angefangen beim Stimmrecht. Denn dass jeder Verband genau eine Stimme hat, egal wie viele Einwohner sein Land besitzt und wie viele Menschen in Fußball-Vereinen eingetragen sind, verändert die Verhaltensweise der Fußball-Funktionäre meist zum Nachteil der großen Fußball-Nationen.

Auch bleibt die Frage, ob der Fußball in der ganzen Welt populär gemacht werden soll? In bevölkerungsreichen Ländern wie den USA oder Indien steht Fußball bei Weitem nicht an erster Stelle. Und es gilt, sich immer wieder zu hinterfragen: Betrachte ich den Fußball aus einer eurozentristischen Perspektive – oder entscheide ich mich für eine globalistische Sichtweise?

Die Fußballfunktionäre setzen auf die globale Sicht, natürlich auch, um noch mehr Geld zu verdienen. Aber eben auch, um mit Fußball die Menschen auf der ganzen Welt zu verbinden, nicht nur in Europa und Südamerika.

Rubriklistenbild: © IMAGO / PA Image - Collage: Canva

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