DFB-Baustellen nach WM-Gala?
Musiala muckt nach Auswechslung auf – Neuer noch nicht voll integriert
Der erste erfolgreiche WM-Start seit 2014 bei der deutschen Mannschaft ist geschafft. Doch nach der Gala gegen Curacao gibt es noch ein paar kleine Baustellen im DFB-Team.
Das war wie in den guten alten Turnierzeiten: Die deutsche Mannschaft gewann ihr erstes Spiel, wurde von ihren Fans und der internationalen Presse mit Applaus überschüttet, die Spieler schlenderten nach dem Duschen entspannt zum Bus – und der Verband verbreitete noch am Abend Bilder von der „Heimkehr“ ins Base Camp in North Carolina.
Was diesmal für den Ablauf nach einem Auftaktspiel anders und noch besser war: Man kann davon ausgehen, dass die Qualifikation für die K.o.-Runde mit dem ersten Sieg schon eingetütet ist. Im neuen großzügigen Modus mit 48 Teams müsste ein 7:1, wie gegen Curacao erspielt, genügen, um zu den besseren Gruppendritten zu gehören – selbst wenn die nächsten Partien gegen Elfenbeinküste und Ecuador verloren gingen.
Musiala muckte nach Auswechslung als Einziger auf
Sonst war vor dem zweiten Spieltag stets Bange zu spüren. Achtung, die Serben (2010). Vorsicht mit Ghana (2014). Und bei den WMs darauf fast schon Panik (2018 Schweden, 2022 Spanien), weil es mit Niederlagen begonnen hatte. Ein 7:1 beruhigt. Es erinnerte in seinen Grundzügen an das 8:0 gegen Saudi-Arabien 2002 in Sapporo (interessante Parallele: auch das ein geschlossenes Stadion wie in Houston).
Torwart Manuel Neuer rief aber dazu auf, die sich anbietende Referenz auf das berühmteste deutsche 7:1 zu unterlassen: „Es war kein 7:1 gegen Brasilien in einem Halbfinale, sondern ein 7:1 in einem ersten Vorrundenspiel.“ Vollkommen richtig: Es war aber auch kein 0:1 gegen Mexiko oder 1:2 gegen Japan. Die WM 2026 wird für Deutschland länger dauern. Mindestens um ein Spiel.
Deutschland mit Torspektakel beim WM-Auftaktsieg: Die Noten der DFB-Elf gegen Curacao




Was schon mal gut war: Dass viele Spieler Anteil hatten an diesem Sieg. Die sieben Tore verteilten sich auf sechs Schützen (Kai Havertz 2, Felix Nmecha, Nico Schlotterbeck, Jamal Musiala, Nathaniel Brown, Deniz Undav), Trainer Julian Nagelsmann zog zudem alle fünf Wechseloptionen, allein Musiala muckte leicht auf, als er heruntermusste („Er hat sich freundlich und liebevoll beschwert“). Was vielleicht gar nicht schlecht war: Deutschland erfuhr Widerstand, das zwischenzeitliche 1:1 war schon ein Test für die Wettkampfhärte.
„Man hat da zehn Minuten bei uns eine Ungeduld gespürt, doch wir haben gezeigt, dass wir als Mannschaft gewachsen sind“, befand Kai Havertz. In die Phase der Verunsicherung fiel die Trinkpause der ersten Spielhälfte – sie wurde genutzt, um ein paar Dinge taktisch geradezurücken. Havertz: „Da ging es darum, wie wir den Gegner pressen und ihn zustellen können.“ Aleksandar Pavlovic räumte ein: „Anfangs hatte uns die Orientierung zu den Gegenspielern gefehlt.“
Wie stabil die deutsche Mannschaft sein wird, wenn sie unter Druck gerät, das konnte dieses erste Spiel nicht zeigen. In einigen Momenten war zu erahnen, dass das Duo Nico Schlotterbeck/Jonathan Tah nicht das „Toptoptop-Innenverteidigerduo“ ist, das Schlotterbeck anpreist. Auch wurde Manuel Neuer nicht wirklich getestet.
Neuer wirkt noch nicht voll integriert – Nagelsmann wagt Hypothese nach Gegentor
Zum Gegentor meinte Julian Nagelsmann: „Hält er, wenn der Ball nicht abgefälscht wird.“ Ist Hypothese; zumindest traute sich Livano Comenencia zu schießen – was das Konzept, das würden die Gegner schon aus Ehrfurcht nicht tun, widerlegt. Voll integriert wirkt Neuer noch nicht. „Ich muss“, räumt er ein, „die anderen auf dem Platz noch besser kennenlernen.“
Im Training kann er das ab Mittwoch tun. Am Montag, dem Tag nach dem Spiel, ging es um die Belastung der Reservisten, für Dienstag gab Julian Nagelsmann frei. Bei vielen Spielern sind die Familien da, es wird Bilder vom Pool-Landschaften und vom Golfen, von Wanderwegen oder der NASCAR Hall of Fame geben. Ein Moment Urlaubsfeeling, weil ein Stück Pflicht erledigt ist – wie früher.
Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa
