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Ex-Meistertrainer mit harscher Kritik
Matthias Sammer: „Identität und Stärke verloren“ – Abrechnung mit deutschem Fußball
Matthias Sammer kritisiert den deutschen Fußball scharf. Der Funktionär bemängelt fehlende Stärke und Identität, seine Bilanz fällt ernüchternd aus.
Dortmund — Matthias Sammer hat als Spieler alles gewonnen, war Meister-Coach des BVB und Sportvorstand in den erfolgreichsten Zeiten des FC Bayern. Auch an individuellen Auszeichnungen mangelte es ihm nie. Jetzt hat sich der Fußball-Fachmann zum aktuellen Standing des deutschen Fußballs geäußert — sein Fazit kommt einer Abrechnung gleich.
Sammers Abrechnung kommt nicht aus dem Nichts
Der deutsche Fußball wird von Sammer mit einer Maschine verglichen, zumindest auf frühere Zeiten bezogen. „Wir Deutschen sind, wie man an unserer Fußballgeschichte sieht, immer mannschaftlich geschlossen, robust und kompakt aufgetreten,“ so der 57-Jährige, der heute externer Berater des BVB ist.
Einzelspieler mit außergewöhnlichen Stärken, so Sammer im Interview mit dem Kicker, hätte es früher auch gegeben, das große Plus aber sei das Kollektiv gewesen. Genau das sieht der Meister-Coach von 2002 heute nicht mehr. „Wir waren eine Maschine. Heute sind wir noch maximal ein Maschinchen.“
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Das größte Problem laut Sammer: Der deutsche Fußball hätte seine Identität sowie seine Stärke verloren. „Die Balance zwischen Innovation und Tradition, um unsere Identität zu bewahren, ist uns nicht geglückt. Bewusst provokativ stelle ich mir, wenn ich den deutschen Fußball gerade sehe, die Frage: Wofür steht der deutsche Fußball heute eigentlich? Ich kann es nicht erkennen.“
Die Heim-EM im vergangenen Jahr sorgte für viel Euphorie, Deutschland flog höchst unglücklich im Viertelfinale gegen Spanien raus. Das entscheidende Gegentor fiel quasi mit dem Abpfiff der Verlängerung. Was Sammer stört: Nach dem Turnier ging man nicht kritisch genug mit dem Ergebnis um.
„Übertrieben positiv“ nennt Sammer die Analyse zum Heim-Turnier. „Es fehlte der Mut, bei unserem Maßstab zu sagen: Entschuldigung, wir sind im eigenen Land im Viertelfinale ausgeschieden, egal gegen wen.“ Bei aller Kritik wollte Sammer aber auch nicht alles am deutschen Fußball schlechtreden.
„Wir müssen unseren Fußball nur neu justieren und Schwerpunkte definieren. Wir brauchen keine flachen Hierarchien mehr.“ (is)