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Neuzugang bei Niko Kovač perfekt aufgehoben
„Kein Superstar“: Jobe Bellingham grenzt sich beim BVB von Bruder Jude ab
Ein Bellingham ist zurück beim BVB! Neuzugang Jobe plant jedoch, einiges anders zu machen als Bruder Jude, der intern auch für Reibung sorgte.
Dortmund/Saalfelden – Als bislang einziger prominenter Neuzugang zieht Jobe Bellingham bei Borussia Dortmund besondere Aufmerksamkeit auf sich. Und natürlich deshalb, weil sein Bruder Jude beim BVB zum Star reifte, für über 100 Millionen Euro an Real Madrid verkauft wurde und heute zu den besten Fußballern der Welt gezählt wird. Der ständige Vergleich hätte beinahe den BVB-Wechsel verhindert.
Dabei grenzt sich der Neuzugang vom Premier-League-Aufsteiger AFC Sunderland durchaus von seinem Bruder ab. Sie mögen sich aus dem Gesicht geschnitten sein, doch Jobe ist physisch eine weitaus imposantere Erscheinung, als es Jude zu Anfangszeiten als 17-Jähriger beim BVB war. Und auch in seinen Aussagen wird deutlich, dass Jobe mehr als eine Kopie von Jude ist.
Jude Bellingham wurde beim BVB Selbstdarstellung vorgeworfen
Der war schließlich beim BVB schnell vom Talent zum Star gereift und liebte das Spiel mit den Fans. Dass sich Jude Bellingham am Ende seiner Zeit in Dortmund manchmal alleine vor die Südtribüne stellte, um das Bad vor der Menge zu genießen, dass er Mitspieler anblaffte, wenn ein Pass nicht genau genug kam – in der Kabine eckte der heutige Real-Profi durchaus an.
Mancher Teamkollege soll glücklich gewesen sein, als sich der ältere Bellingham verabschiedete, dem eine One-Man-Show vorgeworfen wurde. Der jüngere Bellingham läuft, jedenfalls gemessen an seinem Auftritt bei einer Medienrunde im Trainingslager von Saalfelden (Österreich), nicht in Gefahr, dass bald auch über ihn derartig gesprochen wird.
„Ich will kein großes Aufsehen erregen neben dem Platz, weshalb ich immer etwas nervös bin, wenn ich Interviews gebe“, gestand der Jungprofi ehrlich. „Dortmund ist kein Klub, zu dem man kommt, um ein Superstar zu sein“, sagte er weiter. „Ich möchte kein Superstar sein, sondern wie eine Maschine, wenn ich auf dem Platz stehe.“ Leistungskultur statt Personenkult, so ließe sich das vielleicht herunterbrechen.
Wohlgemerkt, die Leistung stimmte auch bei Jude Bellingham. Nur deshalb rückte der Mittelfeldmann beim BVB so stark in den individuellen Fokus. Sein jüngerer Bruder scheint solche Aufmerksamkeit zumindest nicht aktiv zu suchen. Zunächst geht es ohnehin darum, anzukommen. „Ich versuche, mich mit Leuten zu umgeben, von denen ich lernen kann, besonders von Pascal“, erklärte er seine Herangehensweise.
Dass er mit Pascal Groß den stillen Leader des BVB als ersten Mentor nennt, spricht Bände. Die Aussagen von Jobe Bellingham lassen auch erahnen, welchen Einfluss Cheftrainer Niko Kovač auf seine Entscheidung hatte, trotz der Gefahr des ständigen Bruder-Vergleichs nach Dortmund zu gehen.
„Er möchte intensiven Fußball spielen, auch im Training, und das passt zu dem, woran ich glaube und wie ich mich sehe. Er ist streng, leidenschaftlich und versteht das Spiel so gut, weil er so viel Erfahrung hat. Ich hatte das Gefühl, dass er die beste Person ist, um ihm meine Zukunft anzuvertrauen“, sagte Bellingham.
Bemerkenswert ist auch sein Umgang mit der Erwartungshaltung beim BVB. Statt sich hinter Floskeln zu verstecken, spricht er Klartext: „Ich denke, Titel sollten das Ziel jedes Spielers sein, der zu einem Verein mit so viel Fanliebe kommt. Warum sollte man nicht zu einem Verein wie diesem kommen und große Dinge erreichen wollen?“, so seine rhetorische Frage.
In dieser Hinsicht hilft, dass Jobe den Klub aus nächster Nähe erlebt hat, als Jude in Dortmund spielte. „Es ist ein Verein, der in den letzten Jahren von dem großen Moment, den er verdient, beraubt wurde – sei es in der Champions League oder beim Unentschieden gegen Mainz. Ich war im Stadion und weiß, was die Fans denken und fühlen.“
Dass ein 19-Jähriger dieses Thema gleichzeitig selbstbewusst und doch feinfühlig einordnen kann, ist gewiss bemerkenswert. Es zeigt, wie professionell die Familie Bellingham den talentierten Spross vorbereitet hat. „Ich möchte einer der besten Mittelfeldspieler in Europa werden“, sagte Jobe Bellingham, nicht mit lautem Getöse, sondern dem Brustton der Überzeugung. „Ich möchte mein gesamtes Spiel verbessern, meine Stärken zu Super-Stärken machen.“