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Sportdirektor Christoph Freund berichtete am Tag vor dem Heimspiel an diesem Samstag um 15.30 Uhr (alle TV-Informationen) gegen Heidenheim von „guten Gesprächen“. Es sei aber gleichzeitig „nicht der Fall“, dass „schon alles durch und alles unterschrieben ist“, ergänzte er. Die Knackpunkte sind klar: Es geht ums Geld und um Einsatzzeiten. Sind 20 Millionen Euro geschätztes Grundgehalt auch im letzten Karrierejahr zu rechtfertigen, wenn die Einsatzzeiten sich zugunsten von Jonas Urbig (steht auch gegen Heidenheim im Tor) verschieben?
Oder reichen 13 Meister-, zwei Champions-League-Titel sowie die Rolle als Führungsspieler als Argumente, ein Top-Verdiener zu bleiben? Darüber berät man – und ganz so unkompliziert wie seit Monaten prognostiziert ist es nicht. Freund sagt zwar: „Es wird sich nicht mehr endlos ziehen.“ Beinander aber ist man bisher nicht.
Die Zeit drängt langsam, auch weil Neuer sich ganz bewusst Zeit gelassen hat. So gab es bis Mitte April hartnäckige Gerüchte über die Tendenz, die Torwarthandschuhe an den Nagel zu hängen. Intern hätte kaum einer Wetten auf eine Fortsetzung der Karriere abgeschlossen, auch Neuer-Vertraute nicht. Die vergangenen Tage ohne Wehwehchen aber haben zur Entscheidung geführt. Nun soll schnell Vollzug gemeldet werden.
Pro Verlängerung: Manuel Neuer hat sich ein weiteres Jahr verdient
Welcher Torwart ist im Gesamtpaket besser als der 40-jährige Manuel Neuer? Eine Frage, auf die offenbar auch die Bayern-Bosse keine Antwort haben. Ja, der Kapitän patzte in dieser Saison das ein oder andere Mal. Gegen Real sah der Torwart im Rückspiel zweimal nicht gut aus, auch in der Ligaphase gegen Arsenal patzte er zweimal. In ihm stecken aber auch noch überragende Leistungen, wie gegen Real im Hinspiel. Was man zudem im Hinterkopf haben sollte: Im Falle eines Ausfalls von Jonas Urbig hätte der FCB ohne Neuer künftig keine halbwegs gleichwertige Alternative im Kader.
Bayern sollte mit dem Kapitän noch einmal verlängern. Sofern der Lehrmeister bereit ist, in der kommenden Saison auch die Kracher-Spiele an seinen Nachfolger Urbig abzugeben. Denn nur mit unwichtigen Partien wird der 22-Jährige nicht zum neuen Neuer reifen. Wenn aber ein Modell gefunden wird, mit dem Neuer und Urbig zufrieden sind, könnte der Altmeister die kommende Saison nutzen, das Torwarttalent Urbig weiter auszubilden, bis es die Weltklasse erreicht – so wie sie Neuer seit Jahren verkörpert. Philipp Kessler
Contra Verlängerung: Eine weitere Neuer-Saison wäre nur ein verschobener Umbruch
Manuel Neuer ist immer noch einer der besten zehn Torhüter weltweit, wahrscheinlich ist er sogar der beste Torwart jemals. Aber selbst er wird mit den Jahren nicht besser, und diese Saison schoss seine Fehlerquote nochmals in die Höhe. Das fiel häufig nicht auf, weil der FC Bayern schlicht gut genug ist, um die Patzer zu kaschieren. Neben Aussetzern wie gegen Arsenal schlichen sich dieses Jahr aber immer mehr ungewohnte Wackler im Passspiel ein.
In England gibt es den Satz: „The best ability is availability“ (Deutsch: Die beste Fähigkeit ist Verfügbarkeit). Neuer ist jedoch immer häufiger verletzt, verpasste dieses und letztes Frühjahr entscheidende Saisonphasen. Daher stellt sich die Frage, wie viel der FC Bayern Neuer in einem neuen Vertrag zahlen soll, wenn unsicher ist, wie regelmäßig er überhaupt spielen kann. Erfahrung an Urbig weiterzugeben, ist sicher hilfreich.
Der junge Torwart muss aber eine „richtige“ Saison spielen, in der er im Drei-Tage-Rhythmus und gegen die Topgegner gefordert wird, damit der FCB beurteilen kann, ob er oder ein externer Transfer Neuers Nachfolge antritt. Nun wird diese Entscheidung um ein weiteres Jahr verschoben. Vinzent Tschirpke