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Freude und Sorge gleichzeitig

Bayern-Talent beim Nationalteam: Droht derselbe Fehler wie bei Aznou?

Bestätigung für die gute Jugendarbeit des FC Bayern. Felipe Chávez bekam eine Berufung für Perus A-Nationalmannschaft. In die Freude mischt sich auch ein bisschen Sorge.

München – Der 18-jährige Felipe Chápez, geboren in Aichach nordöstlich von Augsburg, kam vor sechs Jahren an den Campus des FC Bayern, dort durchlief er alle Jugendmannschaften und nun läuft er seit einem Jahr für die Bayern Amateure in der viertklassigen Regionalliga Bayern auf (19 Spiele, 4 Tore). Für einen Pflichtspiel-Einsatz bei Vincent Kompanys Profis reichte es aber bislang noch nicht.

FCB-Trainingsgelände an der Säbener Straße: Aleksandar Pavlović, Thomas Müller, Felipe Chávez.

Aktuell gibt es für ihn einen besonderen Grund zur Freude: Für das Freundschaftsspiel gegen Chile (11. Oktober, 1:00 MEZ) wurde das große Mittelfeld-Talent erstmals in Perus A-Nationalmannschaft berufen. Somit steht er als einer von sechs Mittelfeldspielern im 25er-Kader von Interims-Trainer Manuel Barreto vor seinem Länderspiel-Debüt, ohne zuvor ein Profi-Spiel absolviert zu haben.

International ins Rampenlicht über UEFA Youth League

Nachdem es zuvor heftige Wechselgerüchte um ihn gegeben hatte, unterschrieb Chávez am 30. Juni einen „langfristigen“ Vertrag beim Rekordmeister. Er trainiert seitdem regelmäßig bei Kompanys Profis mit und kam in den Sommervorbereitungs-Spielen zum Einsatz, bei Grashopper Zürich sogar in der Startformation. Mitte September stach er im Auftakt-Spiel der UEFA Youth League trotz der 2:3-Niederlage der U19 des FC Bayern gegen den FC Chelsea mit einem Doppelpack hervor.

Der 18-Jährige ist in Deutschland aufgewachsen, sein peruanischer Vater ermöglicht ihm aber die Nationalmannschafts-Berufung für Peru. Für das südamerikanische Land ist er bereits für die U17 und U20 aufgelaufen. Die Einladung für das A-Team ist nun natürlich ein erster großer Karrierehöhepunkt, auf welchen er sich extrem freut.

Vergleichbare Situation einst bei Aznou

Beim FC Bayern dürfte das Szenario dagegen mulmige Erinnerungen an Adam Aznou wachrufen. Der Marokkaner aus dem Nachwuchszentrum des FC Bayern war im September 2024 ebenfalls ohne einen einzigen Profi-Einsatz für seine Länderauswahl einberufen worden, konnte dort gleich beim Einstand überzeugen und schwebte auf Wolke sieben, als er bis Weihnachten auch seine (Kurz-)Debüts für die FCB-Profis in der Bundesliga und Champions League geben durfte.

Aznous großes Ziel war damals, sich in der Rückrunde 2024/25 nachhaltig in Kompanys Team durchzusetzen, um sich nicht zuletzt auch für das Team des WM-Vierten Marokko für das Turnier 2026 in den USA, Kanada und México zu qualifizieren. Das Vorhaben scheiterte bekanntermaßen: Bereits in der Winterpause wurde er zu Real Valladolid in LaLiga verliehen, wo er mit einer fürchterlichen Chaos-Truppe krachend abgestiegen ist.

Als er im Juni 2025 zum Rekordmeister zurückkehrte, zeigte er in der Vorbereitung zum und beim Klub-WM-Turnier in den USA – wie man mittlerweile weiß – eine ernüchternde, lustlose Trainingseinstellung, bekam von Kompany beim 10:0 gegen Auckland City dennoch eine kurze Einsatzzeit. Seine Ungeduld wuchs weiterhin an, obwohl er aufgrund der langfristigen Ausfälle von Alphonso Davies und Hiroki Ito durchaus Chancen auf vermehrte Einsatzzeiten bekommen hätte sollen, was man ihm an der Säbener Straße so auch klipp und klar vermittelte.

Aufgrund seines großen Wunsches, 2026 bei der Weltmeisterschaft für Marokko auflaufen zu können, wechselte der 19-Jährige dennoch Ende Juli voller Hoffnungen zum Premier League Verein FC Evertonseine bislang ernüchternde Bilanz beim Lokalrivalen des FC Liverpool: Null(!) Einsatzminuten für die Profis, die WM 2026 scheint derzeit Lichtjahre für ihn entfernt zu sein.

Aznou oder Vereinslegende Pizarro?

Wahrscheinlich kamen die ersten Länderspiel-Einberufungen 2024 (er steht bei insgesamt drei Länderspielen) vor allem mental zu früh für Aznou, sie vernebelten ihm den Blick auf die eigene Leistungsstärke. An der Säbener Straße könnten nun bei Chávez ähnliche Befürchtungen aufkommen. Allerdings gibt es beim jungen Peruaner keinen WM-Druck: Sein Land ist definitiv nicht qualifiziert. Sicherlich ist er emotional auch tiefer in Bayern verwurzelt, während Aznou erst 2022 vom FC Barcelona nach München wechselte.

Geduld ist eine Tugend, die gerade der Jugend (nicht nur im Fußball) in ihrem Vorwärtsstreben schwer fallen dürfte. Folgt Chávez nicht dem Beispiel Aznou, könnte er in seiner Nationalmannschaft den früheren FCB-Spielern Claudio Pizarro und Paolo Guerrero nachfolgen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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