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Gegen Zidane & Co.
Legendär: Kaiserliche Bayern holen den „Cup der Verlierer“
Mit Interimscoach Franz Beckenbauer holte der FC Bayern 1996 zum einzigen Mal in seiner Vereinsgeschichte den UEFA-Pokal. Der Kaiser hatte diesen Titel jahrelang verspottet.
Bordeaux / München - Mit einem 2:0-Sieg aus dem Hinspiel in München angereist lassen sich am 15. Mai 1996 Oliver Kahn, Jürgen Klinsmann, Lothar Matthäus, Mehmet Scholl & Co. in Bordeaux die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und holen vor 36.000 Zuschauer im ausverkauften Parc de Lescure mit einem 3:1-Auswärtssieg bei Girondins den UEFA-Pokal.
Ausgerechnet Beckenbauer holt als FCB-Coach den „Verlierercup“
Trainer der Bayern war damals Franz Beckenbauer, der kurz zuvor den in der Meisterschaft glücklosen Otto Rehhagel abgelöst hatte. Ironie des Schicksals: Der Kaiser hatte den UEFA-Cup jahr(zehnt)elang als „Cup der Verlierer“ verspottet und ausgerechnet er war dann der Coach des Rekordmeisters, der diesen Wettbewerb zum einzigen Mal in der Vereinsgeschichte holte. Andere Zeiten: Interimstrainer Beckenbauer war zu dem Zeitpunkt auch der Präsident des FC Bayern - insgesamt hatte er dieses Amt von 1994 bis 2009 inne.
Bayern mit dem Triumph in erlauchtem Kreis
Mit dem damaligen Sieg im „Verlierercup“ zählt der FC Bayern übrigens zum erlesenen Kreis von nur fünf europäischen Topvereinen, die in ihrer Historie sowohl die Königsklasse, den Europapokal der Pokalsieger als auch den UEFA-Cup (heute Europa League) gewinnen konnten. Die anderen Vier sind Juventus Turin, Ajax Amsterdam, FC Chelsea und Manchester United.
Auch konnte sich der Kaiser nicht darüber beschweren, dass der Endspielgegner nicht prominent besetzt gewesen wäre: Mit Zinedine Zidane, Christophe Dugarry und Bixente Lizarazu (ab 1997 bei Bayern) liefen drei Spieler auf, die zwei Jahre später bei der Heim-WM 1998 mit Frankreich Weltmeister wurden.
Nach torloser erster Halbzeit erzielten Mehmet Scholl, Emil Kostadinov und Jürgen Klinsmann die Tore zum 3:1-Sieg der Bayern. Zu diesem leistete auch Oliver Kahn mit großartigen Paraden einen großen Beitrag, obwohl er beim 1:2 durch Daniel Dutuel mächtig patzte.
Klinsmann wurde mit 15 Toren (in 12 Spielen) Torschützenkönig des Wettbewerbs. Diese 15 Treffer bedeuteten damals einen neuen Rekord im UEFA-Cup der erst 2010/11 von Falcao mit 17 Toren in der Europa League, in welcher einige Spiele mehr absolviert wurden, gebrochen werden konnte.
Die Bayern starteten mit einer 0:1-Heimniederlage gegen Lokomotive Moskau wenig erfolgsversprechend in den Wettbewerb, gewannen dann aber alle sechs Auswärtsspiele: 5:0 in Moskau; 2:0 bei den Raith Rovers; 3:1 bei Benfica Lissabon; 5:1 bei Nottingham Forrest; 2:1 in Barcelona und das Finale.
Beginn einer Fanfreundschaft
Fans: Die staunenden FCB-Fans nahmen auch etwas mit aus Südfrankreich: Die Girondins-Fans organisierten eine für damalige Verhältnisse fantastische Ganzstadion-Choreografie. Diese beeindruckte die anwesende FCB-Fanszene derart, dass man sich in der Folgezeit an dieser orientierte und selbst vermehrt (meist Kurven-)Choreos organisierte. Die Schickeria München, die dominierende Ultra-Gruppierung des FC Bayern, pflegt seit langer Zeit eine Fanfreundschaft zur Ultraszene von Girondins.
Der Verein Girondins Bordeaux, für den unter anderen auch die deutschen Nationalspieler Klaus Allofs, Manfred Kaltz, Dieter Müller, sowie die Ex-Bayernspieler Jean-Pierre Papin und Gernot Rohr aufliefen, spielt mittlerweile nach vielen finanziellen Turbulenzen und Skandalen in der viertklassigen National 2 im französischen Amateurfußball.
Raumdeuter für die Ewigkeit: Die Trophäen von Thomas Müller
Der Bordeaux-Trainer hieß in jenen Partien Gernot Rohr, der von 1972 bis 1974 als junger Teamkollege von Beckenbauer für den FC Bayern gespielt hatte und - meist als Ersatzspieler - zweimal Deutscher Meister wurde und zum Aufgebot der legendären Europapokalsieger 1974 gehörte. Gernot ist wiederum der Großneffe von „Ossi“ Rohr, der 1932 den FCB als 20-Jähriger per Elfmeter (der in der berühmten Staubwolke) im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft in Nürnberg gegen Eintracht Frankfurt auf die Siegerstraße gebracht hatte (2:0). Der erste und lange Zeit einzige große Titel der FCB-Historie.