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Planänderung beim Rekordmeister?

Was bedeutet die Verletzung von Manuel Neuer für den FC Bayern?

Der FC Bayern hat nach dem Mainz-Spiel überraschend den verletzungsbedingten Ausfall von Manuel Neuer verkündet. Aktuell wohl verkraftbar, dennoch ein Alarmsignal. Ein Kommentar.

München – Nach dem 2:2-Unentschieden im Bundesligaspiel gegen Mainz 05, welches FCB-Kapitän Manuel Neuer aufgrund des einseitigen Spielgeschehens mehr irgendwo auf dem Spielfeld als in eigenen Strafraum verbracht hatte, verkündete der Verein auf seiner Homepage durchaus überraschend eine weitere Verletzung des fünffachen Welttorhüters: Muskelfaserriss, rechte Oberschenkelrückseite, Ausfalldauer unbekannt.

Manuel Neuer im BL-Spiel gegen Mainz 05 meist als elfter Feldspieler des FC Bayern unterwegs.

Vor dem letzten Pflichtspiel des Kalenderjahres in Heidenheim erscheint diese Meldung eigentlich eher wie eine Randnotiz, müsste doch eine Rückkehr ins Münchner Tor beim ersten Pflichtspiel in 2026 am 11. Januar gegen den VfL Wolfsburg angesichts der offensichtlich nicht gravierenden Blessur möglich sein. Denn Neuer konnte bis zum Schlusspfiff in der Mainz-Partie ohne erkennbare Behinderung als elfter Feldspieler des Rekordmeisters agieren. Dennoch wirft die erneute Verletzung grundsätzliche Fragen auf.

Neuer-Verletzungen bringen dem FC Bayern einen kuriosen CL-Rekord

Die Verletzungsanfälligkeit des Torwart-GOAT ist nach seiner einjährigen Zwangspause nach dem Anfang Dezember 2022 bei einer Skitour erlittenen komplizierten Unterschenkelbruch erheblich angestiegen. Unter anderem verschaffte sie dem FC Bayern in der vergangenen Spielzeit den kuriosen Rekord, innerhalb eines halben Jahres jeweils aufgrund von Neuer-Ausfällen insgesamt vier verschiedene Keeper in der Champions League eingesetzt zu haben.

Sven Ulreich wurde in Halbzeitpause gegen Dinamo Zagreb wegen seiner Oberschenkelprobleme eingewechselt, Daniel Peretz vertrat ihn nach seinem Rippenbruch gegen Donezk. Die traurige Krönung war der beim Torjubel gegen Bayer Leverkusen erlittene Muskelfaserriss in der Wade, der Neuer zu einer 2-monatigen Pause nötigte. Winter-Neuzugang Jonas Urbig spielte die Königsklassen-Saison für ihn zu Ende.

Nur Karl in Topform reicht nicht: Bayern-Einzelkritik gegen Mainz

Manuel Neuer: Wurde lange nicht gefordert und lenkte dann einen strammen Schuss von Leverkusens Tella stark am Tor vorbei (52.). War da, wenn man ihn brauchte. Note: 2
Manuel Neuer: Die auffälligste Aktion des Torhüters war ein Einwurf, den Neuer nach einer knappen Viertelstunde Spielzeit ausführte. Ansonsten hatte der 39-Jährige eher weniger zu tun und war bei den Gegentreffern ohne Chance. Note: 3 © IMAGO/Jerry Andre
Josip Stanisic: Hinterlief immer wieder Olise und schaffte so zusätzliche Anspielstationen. Blieb defensiv konzentriert. Note: 3
Josip Stanisic: Diesmal durfte der kroatische Nationalspieler als Rechtsverteidiger ran. Konrad Laimer bekam nämlich eine Verschnaufpause. Offensiv mit wenig Akzenten, in der Rückwärtsbewegung eigentlich diszipliniert. Allerdings war er beim zweiter Mainzer Treffer komplett orientierungslos, verschätzte sich bei einem langen Ball und ließ Torschütze Jae-Sung Lee in seinem Rücken entwischen. Note: 5 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
02.08.2025, Fussball Testspiel,  FC Bayern - Olympique Lyon
Minjae Kim: Gewohnt engagierter Auftritt des Südkoreaners. Sein Stellungsspiel ist allerdings nach wie vor ausbaufähig, beim Kopfball zum 1:1 von Kacper Potulski war Kim jedoch zu weit vom Torschützen entfernt. Note: 4 © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader.
Hiroki Ito: Zwar strahlt der Japaner noch nicht die nötige Sicherheit aus, doch sein Startelf-Comeback nach Monaten der Leidenszeit überstrahlte gegen Mainz alles. Seinen Job erledigte er ordentlich. Note: 3 © DeFodi/Imago
GER, FC Bayern Muenchen vs. Tottenham Hotspur, Fussball, Telekom Cup, Testspiel, Saison 2025/2026, 07.08.2025
Tom Bischof: Der Kapitän der deutschen U21-Nationalmannschaft durfte mal wieder als Linksverteidiger Spielerfahrung sammeln. Allerdings interpretierte er diese Rolle gegen Mainz nicht so offensiv, wie man es in den vergangenen Spielen gewohnt war. Note: 4 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
Joshua Kimmich: Verteilte die Bälle im Mittelfeld und hielt außerdem das Zentrum vor der Abwehr dicht. Note: 2
Joshua Kimmich: Diesmal schaffte es der Mittelfeldchef nicht, dem Bayern-Spiel mit klugen Pässen und präzisen Chip-Bällen seinen Stempel aufzudrücken. Dauerbrenner Kimmich ist langsam anzumerken, dass ihn die bisherige Saison Körner gekostet hat – auch wenn er das selbst wohl nie zugeben würde. Note: 4 © IMAGO/Noah Wedel
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Leon Goretzka: Gegen Mainz durfte sich der Mittelfeldspieler mal wieder für höhere Aufgaben empfehlen – mit mäßigem Erfolg. Beim Gegentor stimmten Absprache und Zuordnung mit Nebenmann Kim überhaupt nicht. Ansonsten trabte Goretzka uninspiriert im Zentrum umher. Note: 5 © IMAGO/Noah Wedel
Michael Olise: Zog immer wieder in die Mitte und suchte den Abschluss, war dabei aber oft zu eigensinnig. Blieb dadurch ineffektiver als zuletzt. Note: 4
Michael Olise: Das 1:0 von Lennart Karl leitete der Franzose mit einem sehenswerten Dribbling an der Außenlinie ein, bei dem er seinen Mainzer Gegenspieler auch noch tunnelte. Ansonsten blieb Olise eher blass und schaffte es nicht, die erhofften Akzente im bayerischen Offensivspiel zu setzen. Note: 4 © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Lennart Karl: Einwechslung in der 68. Minute, feierte somit sein Bundesligadebüt – ohne Bewertung.
Lennart Karl: Auch wenn sein Treffer zur 1:0-Führung weniger spektakulär war als seine bisherigen Tore, war die Aktion nicht weniger anspruchsvoll. Denn: Karl war bei besagtem Angriff hellwach und positionierte sich geschickt im Strafraum. Das Juwel macht mit seinem 17 Jahren weiter den Unterschied. Note: 2 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
Fussball Supercup Saison 2025/2026 VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen
Serge Gnabry: Ursprünglich sah es so aus, als würde die Überflieger-Form von Karl vor allem Gnabry schwächen. Denn der Offensivstar darf aktuell nicht mehr auf der Zehner-Position ran, sondern muss auf den Flügel weichen. Macht ihm aber augenscheinlich nichts: Der Routinier arbeitete gegen Mainz fleißig mit nach hinten und glänzte als Vorbereiter zum 1:0. Gnabry hätte noch mehrere Scorer-Punkte sammeln können, doch in den entscheidenden Aktionen war er zu unkonzentriert. Note: 3 © IMAGO/Markus Ulmer
Harry Kane: Scheiterte in der Anfangsphase noch per Lupfer, markierte dann aber nach 22 Minuten das wichtige 1:0 und schloss trocken ab. Hatte vor und nach der Pause sogar noch Chancen aufs 2:0, die er jedoch ausließ. Darüber hinaus fungierte Kane aber als wichtiger Taktgeber in der Offensive, weil er seine Stürmerrolle gewohnt mitspielend interpretierte. Note: 2
Harry Kane: Die Torabschlüsse des Engländers kamen nicht so präzise wie sonst. Sinnbildlich war sein Kopfball in der 20. Minute, als er aus drei Metern Entfernung lediglich den Mainzer Torhüter Daniel Batz anköpfte. Das ist für die Ansprüche von Kane zu wenig. Beim Elfmeter eiskalt. Note: 4 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader.
Alphonso Davies: Einwechslung in der 61. Minute. Keine Bewertung. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Konrad Laimer: Hatte auf der linken Seite viel Offensivdrang. Defensiv zudem tadellos. Note: 2
Konrad Laimer: Einwechslung in der 61. Minute. Keine Bewertung. © IMAGO/Ulrik Pedersen/DeFodi Images
Aleksandar Pavlovic: Schaltete sich häufig nach vorn ein und überzeugte mit Offensivläufen in den gegnerischen Strafraum. Note: 3
Aleksandar Pavlović: Einwechslung in der 61. Minute. Keine Bewertung. © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
Nicolas Jackson: Ohne Einsatz im Kader.
Nicolas Jackson: Einwechslung in der 73. Minute. Keine Bewertung. © IMAGO/Ulrich Wagner
Dayot Upamecano: Ließ zu Beginn die Chance aufs 1:0 liegen, verteidigte dafür fehlerfrei und gewann mit seinen aggressiven Tacklings zahlreiche Bälle. Note: 2
Dayot Upamecano: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Markus Fischer
Jonathan Tah: Entschied die wichtigen Duelle für sich und hielt Leverkusens Stürmer souverän in Schach. Note: 3
Jonathan Tah: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
CALCIO
Raphaël Guerreiro: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Jonas Urbig: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Revierfoto
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader.
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Luis Diaz: War zwar offiziell nicht am Führungstor beteiligt und hatte mit einem genialen Moment doch großen Anteil: Diaz ließ die Flanke gedankenschnell durch seine Beine und bewies damit seine Extraklasse. Ansonsten einer der Aktivposten im Angriff, ihm gelang das erlösende 2:0 in der Nachspielzeit. Note: 1
Luis Diaz: Nicht im Kader. © IMAGO/Noah Wedel
Franz Beckenbauer Supercup 2025 Supercup VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen 1 : 2 am 16.08.2025 in Stuttgart
Sacha Boey: Nicht im Kader. © IMAGO/Laci Perenyi
Jamal Musiala: Glänzte mit viel Spielfreude im Offensivzentrum, ließ sich immer wieder fallen und dribbelte von dort Löcher in Leverkusens Abwehr. Legte den Ball beim 1:0 präzise zurück, sodass Kane freistehend einschieben konnte. Bester Münchner Angreifer. Note: 1
Jamal Musiala: Nicht im Kader. © IMAGO/David Klein
Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, VfB Stuttgart - FC Bayern München; 16.08.2025
Sven Ulreich: Nicht im Kader. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader.
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Mladen Lackovic

Der 22-jährige Urbig, sein designierter Nachfolger, wird aller Voraussicht nach in Heidenheim im Tor stehen, sein fünfter Saisoneinsatz. Bislang blieb die große Zukunftshoffnung des Rekordmeisters für diese so eminent wichtige Position ohne Fehl und Tadel. Dennoch stehen die Verantwortlichen an der Säbener Straße vor einem Dilemma.

Der Vertrag des Weltmeisters von 2014 läuft im Sommer aus. Er selbst hat eine mögliche Verlängerung an seine Gesundheit geknüpft und betont, diese Entscheidung noch hinauszögern zu wollen. Das ist sein gutes Recht. Aber es ist auch eine Ansage, die der Verein nicht zuletzt aufgrund der neuerlichen Verletzung nicht ignorieren darf. Denn: Ein Weltklasse-Torwart, der seine Zukunft vom eigenen Körper abhängig macht, sendet ein Signal. Die Serie von (Muskel-)Verletzungen spricht eine eindeutige Sprache. Der Körper des 39-Jährigen regeneriert mittlerweile langsamer und reagiert empfindlicher auf die Belastungen des Profifußballs als in früheren Jahren. Völlig normal.

Verletzungsproblematik: Vertragsverlängerung von Neuer sinnvoll?

Der FC Bayern steht früher als erhofft vor einer delikaten Entscheidung: Verlängert man mit einem Kapitän, dessen Verfügbarkeit zum Risikofaktor geworden ist? Oder plant man den Umbruch, während Neuer noch da ist? Beides hat Vor- und Nachteile. Klar ist: Die Bayern können nicht sicher einplanen, dass der überragende Torwart der letzten Jahrzehnte in der entscheidenden Saisonphase zur Verfügung steht. Eine Wiederholung der Situation der vergangenen Spielzeit ist denkbar, für einen Verein mit den Ansprüchen des FC Bayern ist das eine gefährliche Ausgangslage.

Manuel Neuer wird von vielen Experten als der Torwart-GOAT gesehen, er hat das Recht auf einen würdigen Abgang. Aber mit Sentimentalitäten kommt man im harten Geschäft Profifußball nicht weit. Die Verantwortlichen an der Säbener Straße müssen nüchtern kalkulieren, was sie von ihrem Torwart erwarten können – und was nicht.

Neuers Muskelfaserriss vor Weihnachten ist alles andere als eine Katastrophe. Aber er ist eine Erinnerung, gar Mahnung, dass die Zeit auch für die Allergrößten irgendwann einmal vorbei ist. Manuel Neuer und der FC Bayern wissen das. Wie gehen beide Seiten nun mit diesem Wissen um?

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

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