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Legendäre FCB-Historie
Als Vereinslegende Müller Bayern zum ersten Titel-Hattrick schoss
Andere Fußballzeiten in den 70ern: Legendäre Bayern holen sich einen Bundesligarekord, der über vier Jahrzehnte hält – und das Stadion ist dabei fast gähnend leer.
Am 11. Mai 1974 konnten die Bayern mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier & Co. am 33. Bundesligaspieltag mit einem Heimsieg über Kickers Offenbach bei einer gleichzeitigen Niederlage des direkten Verfolgers Borussia Mönchengladbach bei Fortuna Düsseldorf die dritte Deutsche Meisterschaft in Folge perfekt machen.
Während die Allianz Arena seit fast 20 Jahren bei jedem einzelnen Bundesligaspiel ausverkauft war, hatten sich damals bei regnerischem Wetter im weiten Rund des Olympiastadions lediglich 22.000 Zuschauer verloren. Und das, obwohl der erste Titel-Hattrick der (bundes-)deutschen Fußballgeschichte an jenem Nachmittag möglich war, und die Münchner zudem nur vier Tage später im ersten Landesmeistercup-Finale der Vereinsgeschichte standen: Atlético Madrid wartete im Brüsseler Heyselstadion.
Zusätzliche Fakten zur damaligen Meisterschaft
Nachdem die Düsseldorfer Fortunen, damals eine BL-Spitzenmannschaft, frühzeitig in Führung gegangen waren und den 1:0-Sieg über die Zeit brachten, lag es an den Bayern selbst, den „Meisterschaftssack“ zuzuschnüren. Sie machten es ziemlich spannend – jedoch sorgte kein Geringerer als Gerd Müller mit seinem 1:0 in der 75. Minute zunächst für Erleichterung und nach Spielschluss für grenzenlosen Jubel, leider eben vor viel zu wenigen Fans …
Außer den Bayern selbst gibt es im deutschen Fußball bis heute erst einem einzigen Verein, dem dasselbe Kunststück, nämlich ein Titel-Hattrick, gelang. Direkt im Anschluss an die Bayern-Dominanz (1972–74) waren dies die Gladbacher (1975–77), welche an jenem Nachmittag vor 51 Jahren noch das Nachsehen hatten. Den Bayern gelang dies noch zweimal: erneut unter Udo Lattek (1985–1987) und dann unter Ottmar Hitzfeld (1999–2001). Erst in der Saison 2015/16 konnte dieser Rekord mit der vierten Meisterschaft in Serie gebrochen werden, den die Bayern anschließend auf sagenhafte elf Meisterschaften in Folge ausdehnten.
In der Spielzeit 1973/74 trug der FC Bayern erstmals alle 17 Bundesligaspiele im Olympiastadion aus. Zudem war es sicherlich auch eine der turbulentesten Bundesliga-Spielzeiten: Am Ende hatte der Meister ein Torverhältnis von 95:53 und der Vizemeister von 93:52. Die Bayern spielten 5:5 auf Schalke – hauptsächlich Gerd Müller war mit seinen vier Toren dafür verantwortlich, dass der FCB noch einen 2:5-Rückstand aufholen konnte. Dafür verloren die Münchner nach einer 3:0-Führung noch 4:7 (!) in Kaiserslautern. Zum Hinrundenfinale besiegten die Bayern Gladbach zu Hause mit 4:3. Es war ein Fußballfest und viele sprachen damals vom besten BL-Spiel aller Zeiten.
Spieler, Präsident, Legende – Uli Hoeneß: Ein Leben für den FC Bayern
Dieser vorzeitigen Meisterschaft folgte die vielleicht aufregendste Woche der FCB‑Vereinsgeschichte. Aus einem Europapokalendspiel (1:1 n. V. am 15. Mai) wurden zwei: Die Bayern gewannen nur zwei Tage später das Wiederholungsspiel mit einer Weltklasseleistung 4:0 gegen Atlético Madrid. Noch vollkommen alkoholisierte Bayern mussten nur einen halben Tag später zum BL-Finale in Gladbach antreten. Am Ende machten es die Borussen mit 5:0 sogar gnädig. Jupp Heynckes schloss dabei in der Torjägerliste mit zwei Toren zum Bomber auf und beide wurden mit jeweils 30 Toren Torschützenkönig. Noch heute stellt sich die Frage, welche Lösung der DFB mit der Spielansetzung getroffen hätte, wäre es an jenem letzten Spieltag tatsächlich noch um die Meisterschaft gegangen.
Zurück zu den Offenbachern: Diese revanchierten sich ein Vierteljahr später am 1. Spieltag der Saison 1974/75 fürchterlich: Die Bayern, die mit sechs Weltmeistern antraten, amtierender Deutscher Meister und Europapokalsieger waren, wirkten satt und wenig motiviert und mussten im Frankfurter Waldstadion eine 0:6-Klatsche hinnehmen. Die Offenbacher spielten damals die beste BL-Saison ihrer Vereinsgeschichte und gewannen auch das Rückspiel in München mit 3:2 (nach 0:2‑Rückstand). Damit waren jedoch die guten BL-Jahre der Kickers beendet. 1976 stieg man ab und in der bis heute letzten BL-Spielzeit 1983/84 rächten sich die Bayern ihrerseits fürchterlich: Karl-Heinz Rummenigge, der beim 0:6 seine BL-Premiere „feierte“, schoss fünf Tore beim 9:0-Heimsieg.
Apropos: Gute BL‑Jahrebeendet– auch die Bayern hatten nach jener am 11. Mai 1974 erzielten Meisterschaft eine sechsjährige nationale Titeldurststrecke.