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Vor 25 Jahren

Mit Vier-Minuten-Meister S04 – das verrückteste Saisonfinale des FC Bayern

Der FC Bayern hat die abgelaufene Bundesligasaison vom ersten Spieltag an dominiert. Das absolute Kontrastprogramm dazu hatte die Spielzeit 2000/01 geliefert.

Am 19. Mai 2001 erlebte die Bundesliga das dramatischste Finale ihrer Geschichte – am Ende jubelten die Bayern und Schalke versank in einem einzigen Tränenmeer. Dabei hatte man schon gedacht, dass am vorletzten Spieltag, welcher bereits an Dramatik kaum zu überbieten gewesen war, die (Vor-)Entscheidung gefallen wäre. Der Reihe nach …

Absolut Bayern – absolut hautnah! Unsere Reporter sind für euch hinter den Kulissen des Rekordmeisters unterwegs. Videos, Analysen, Interviews und viele weitere exklusive Inhalte bekommt ihr im Web, in der App und auf Social Media.

Rückblickend betrachtet war die Saison 2000/01 trotz des herausragenden Finales – Deutsche Meisterschaft und erster Königsklassen-Triumph nach 25 langen Jahren des Wartens – eine vor allem in der Bundesliga äußerst mäßige des FC Bayern. Am Ende gewann der deutsche Rekordmeister seine 17. Deutsche Meisterschaft mit lediglich 63 Punkten und 62:37 Toren.

Eine emotionale, verrückte, sportlich eher schwache FCB-Saison

19 Bundesligasiegen standen satte neun (!) Niederlagen gegenüber. Nur 1993/94 hatte man – umgerechnet in die 3-Punkte-Regelung – eine schwächere Bilanz als Bundesligameister. 32 Mal war man – zumeist ganz klar – besser. Zum anschaulichen Vergleich die gerade abgelaufene Spielzeit: Vincent Kompanys Bayern stehen bei 89 Punkten und sagenhaften 122:36 Toren. Sie haben damit fast genau doppelt so viele Tore wie vor 25 Jahren erzielt. Selbst die distanzierten Dortmunder (73 Punkte) und Leipziger (65) haben mehr Punkte als Hitzfelds CL-Sieger eingefahren.

Es war damals insgesamt eine FCB-Bundesligasaison mit vielen emotionalen Spielen, vielen Enttäuschungen. Das beste Spiel war wohl der grandiose 6:2-Heimspielsieg in der Vorrunde gegen den BVB, der lange Zeit auch um den Titel mitspielte und am Ende Dritter wurde.

Abwehrschlacht in Unterzahl im Westfalenstadion

Das Rückspiel in Dortmund, das Samstagabendspiel des 28. Spieltags am 7. April 2001, geriet zur Schlacht: Die Bayern führten früh durch Roque Santa Cruz (6.), Fredi Bobic glich kurz nach der Halbzeit aus. Es gab eine Unmenge an Gelben Karten, vor allem für Bayernspieler. Bixente Lizarazu musste bereits früh (35.) mit Gelb-Rot vom Platz, Stefan Effenberg folgte nicht so viel später (55.) mit glatt Rot.

FC Bayern knackt historischen Rekord: Die torgefährlichsten Top-Teams aller Zeiten

Platz 26: FC Bayern München 1971/72, 101 Tore. 
Als bisher torreichste Bundesliga-Mannschaft verfehlt der FC Bayern die Top 25 dieses Rankings um genau ein Tor. Die Meisterschaft gewinnen Gerd Müller (vorne) und Co. natürlich trotzdem.
Platz 2: FC Bayern München 1971/72, 101 Tore. Als bisher torreichste Bundesliga-Mannschaft verfehlt der FC Bayern die Top 25 dieses Rankings um genau ein Tor. Die Meisterschaft gewinnen Gerd Müller (vorne) und Co. natürlich trotzdem. © IMAGO
Platz 19: Real Madrid 2010/11, 102 Tore.
Der erste von insgesamt neun Auftritten in dieser Statistik. Die Mannschaft von Real Madrid ist in diesen Jahren ein Who-is-who des Weltfußballs.
Platz 20: Real Madrid 2010/11, 102 Tore. Der erste von insgesamt neun Auftritten in dieser Statistik. Die Mannschaft von Real Madrid ist in diesen Jahren ein Who-is-who des Weltfußballs. © IMAGO/sportfotodienst
Platz 19, Manchester City 2013/14, 102 Tore.
Angeführt von Torjäger Sergio Agüero (r.) holt Manchester City den Premier-League-Titel.
Platz 20: Manchester City 2013/14, 102 Tore. Angeführt von Torjäger Sergio Agüero (r.) holt Manchester City den Premier-League-Titel. © IMAGO/sportfotodienst
Platz 19: Manchester City 2019/20, 102 Tore.
Sechs Jahre später replizieren die „Citizens“ ihr Offensivfeuer. Dieses Mal reicht es allerdings nicht für den Titel. City schießt zwar 17 Tore mehr als Meister Liverpool, holt aber 18 Punkte weniger.
Platz 2: Manchester City 2019/20, 102 Tore. Sechs Jahre später replizieren die „Citizens“ ihr Offensivfeuer. Dieses Mal reicht es allerdings nicht für den Titel. City schießt zwar 17 Tore mehr als Meister Liverpool, holt aber 18 Punkte weniger. © IMAGO/Colorsport
Platz 19: FC Barcelona 1996/97, 102 Tore. Ronaldo (r.) wird Torschützenkönig, als Barcelona die spanische Meisterschaft gewinnt. Co-Trainer von Bobby Robson (m.) ist José Mourinho (li.).
Platz 20: FC Barcelona 1996/97, 102 Tore. Ronaldo (r.) wird Torschützenkönig, als Barcelona die spanische Meisterschaft gewinnt. Co-Trainer von Bobby Robson (m.) ist José Mourinho (li.).  © IMAGO/Colorsport
Platz 19: Paris-Saint Germain 2015/16, 102 Tore. Unter der Führung von Sturm-Ikone Zlatan Ibrahimovic knackt PSG zum ersten Mal die 100-Tore-Marke in der Ligue 1.
Platz 20: Paris-Saint Germain 2015/16, 102 Tore. Unter der Führung von Sturm-Ikone Zlatan Ibrahimovic knackt PSG zum ersten Mal die 100-Tore-Marke in der Ligue 1. © IMAGO/Panoramic by PsnewZ
Platz 19: FC Barcelona 2024/25, 102 Tore. Der FC Barcelona verweist Real Madrid im Meister-Rennen auf Platz zwei und schießt dabei deutlich mehr Tore als der ewige Erzrivale. 27 Treffer gehen auf Robert Lewandowski zurück.
Platz 20: FC Barcelona 2024/25, 102 Tore. Der FC Barcelona verweist Real Madrid im Meister-Rennen auf Platz zwei und schießt dabei deutlich mehr Tore als der ewige Erzrivale. 27 Treffer gehen auf Robert Lewandowski zurück. © IMAGO/Manu Reino/DeFodi Images
Platz 19: Real Madrid 2009/10, 102 Tore. Mit Neuzugang Cristiano Ronaldo wird Real zwar nur Zweiter, schießt aber vier Tore mehr als Meister FC Barcelona.
Platz 20: Real Madrid 2009/10, 102 Tore. Mit Neuzugang Cristiano Ronaldo wird Real zwar nur Zweiter, schießt aber vier Tore mehr als Meister FC Barcelona. © IMAGO/Cordon Press/Miguelez Sports
Platz 17: FC Chelsea 2009/10, 103 Tore. Die bisher torreichste Saison der „Blues“, für die neben Torjäger Didier Drogba (2. v. li.) auch Michael Ballack (2. v. re.) auf dem Platz steht.
Platz 18: FC Chelsea 2009/10, 103 Tore. Die bisher torreichste Saison der „Blues“, für die neben Torjäger Didier Drogba (2. v. li.) auch Michael Ballack (2. v. re.) auf dem Platz steht. © IMAGO/Sportimage
Platz 17: Real Madrid 2012/13, 103 Tore. Wieder stehen Cristiano Ronaldo und Real im Fokus. Hier jubeln die Mittelfeldregisseure Mesut Özil (li.), Michael Essien (2. v. li.) und Luka Modric (2. v. re.) mit dem Portugiesen.
Platz 18: Real Madrid 2012/13, 103 Tore. Wieder stehen Cristiano Ronaldo und Real im Fokus. Hier jubeln die Mittelfeldregisseure Mesut Özil (li.), Michael Essien (2. v. li.) und Luka Modric (2. v. re.) mit dem Portugiesen. © IMAGO/Alterphotos
Platz 16: Real Madrid 2013/14, 104 Tore. Nur ein Jahr später treffen die Königlichen sogar noch einmal mehr. In dieser Saison wird das legendäre BBC-Trio geboren: Cristiano Ronaldo (li.), Gareth Bale (m.) und Karim Benzema.
Platz 17: Real Madrid 2013/14, 104 Tore. Nur ein Jahr später treffen die Königlichen sogar noch einmal mehr. In dieser Saison wird das legendäre BBC-Trio geboren: Cristiano Ronaldo (li.), Gareth Bale (m.) und Karim Benzema. © IMAGO/Uwe Kraft
Platz 14: FC Barcelona 2008/09, 105 Tore. Lionel Messi hat seinen ersten Auftritt und Barca tritt in ein goldenes Zeitalter ein.
Platz 15: FC Barcelona 2008/09, 105 Tore. Lionel Messi hat seinen ersten Auftritt und Barca tritt in ein goldenes Zeitalter ein. © IMAGO/Action Pictures
Platz 14: Paris Saint-Germain 2018/19, 105 Tore. Neymar, Kylian Mbappé und Edinson Cavani – der Power-Sturm von PSG feuert in diesem Jahr aus allen Rohren.
Platz 15: Paris Saint-Germain 2018/19, 105 Tore. Neymar, Kylian Mbappé und Edinson Cavani – der Power-Sturm von PSG feuert in diesem Jahr aus allen Rohren. © IMAGO/Panoramic/Michael Baucher
Platz 12: Manchester City 2017/18, 106 Tore. Wieder deutsche Beteiligung: Leroy Sané (m.) ist Teil der City-Elf, die den Premier-League-Torerekord aufstellt.
Platz 15: Manchester City 2017/18, 106 Tore. Wieder deutsche Beteiligung: Leroy Sané (m.) ist Teil der City-Elf, die den Premier-League-Torerekord aufstellt. © IMAGO/Focus Images/Simon Moore
Platz 12: Real Madrid 2016/17, 106 Tore. Obwohl der große Konkurrent aus Barcelona sogar noch zehn Tore mehr erzielt, wird Real mit Toni Kroos (2. v. li.) Meister.
Platz 13: Real Madrid 2016/17, 106 Tore. Obwohl der große Konkurrent aus Barcelona sogar noch zehn Tore mehr erzielt, wird Real mit Toni Kroos (2. v. li.) Meister. © IMAGO/Aflosport
Platz 10: AS Monaco 2016-17, 107 Tore. Der vielleicht überraschendste Eintrag dieser Statistik. Angeführt von Top-Torjäger Radamel Falcao wird Monaco sensationell Meister der Ligue 1.
Platz 1: AS Monaco 2016/17, 107 Tore. Der vielleicht überraschendste Eintrag dieser Statistik. Angeführt von Top-Torjäger Radamel Falcao wird Monaco sensationell Meister der Ligue 1. © IMAGO/Panoramic/Philippe LECOEUR
Platz 10: Real Madrid 1989/90, 107 Tore. Einer der wenigen Einträge aus dem 20. Jahrhundert. Dieser schafft es sogar in die Top Ten. Bernd Schuster (li.) Wird mit Real in diesem Jahr mit großem Abstand Meister.
Platz 11: Real Madrid 1989/90, 107 Tore. Einer der wenigen Einträge aus dem 20. Jahrhundert. Dieser schafft es sogar in die Top Ten. Bernd Schuster (li.) wird mit Real in diesem Jahr mit großem Abstand Meister. © IMAGO/Miguelez Sports Foto
Platz 9: Paris Saint-Germain 2017/18, 108 Tore. Die bislang beste Saison eines nicht-spanischen Teams. PSG schreibt französische Fußball-Geschichte.
Platz 10: Paris Saint-Germain 2017/18, 108 Tore. Die bislang beste Saison eines nicht-spanischen Teams. PSG schreibt französische Fußball-Geschichte. © IMAGO/ Stephen Caillet / Panoramic
Platz 7: FC Barcelona 2014/15, 110 Tore. Es ist eine außergewöhnliche Saison, in der Lionel Messi nur in der Liga 43 Tore erzielt. Damit wird er allerdings nicht einmal Torschützenkönig ...
Platz 8: FC Barcelona 2014/15, 110 Tore. Es ist eine außergewöhnliche Saison, in der Lionel Messi allein in der Liga 43 Tore erzielt. Damit wird er allerdings nicht einmal Torschützenkönig. © IMAGO/Alterphotos
Platz 7: Real Madrid 2015/16, 110 Tore. Real spielt eine überragende Saison, wird hinter dem FC Barcelona aber trotzdem nur Zweiter.
Platz 8: Real Madrid 2015/16, 110 Tore. Real spielt eine überragende Saison, wird hinter dem FC Barcelona aber trotzdem nur Zweiter. © IMAGO/Alterphotos
Platz 6: FC Barcelona 2015/16, 112 Tore. Der Meistertitel geht in diesem Jahr nämlich mal wieder nach Katalonien. Messi und Co. treffen noch zwei Mal häufiger.
Platz : FC Barcelona 2015/16, 112 Tore. Der Meistertitel geht in diesem Jahr nämlich mal wieder nach Katalonien. Messi und Co. treffen noch zwei Mal häufiger. © IMAGO / Xinhua
Platz 5: FC Barcelona 2011/12, 114 Tore. Die spanische Liga erlebt in diesen Jahren ein wahrhaft besonderes Zeitalter. Dieses Mal spielt Barca offensiv unfassbar auf, um dann trotzdem nur Zweiter zu werden, weil Real eine Rekordsaison gelingt.
Platz 6: FC Barcelona 2011/12, 114 Tore. Die spanische Liga erlebt in diesen Jahren ein wahrhaft besonderes Zeitalter. Dieses Mal spielt Barca offensiv unfassbar auf, um dann trotzdem nur Zweiter zu werden, weil Real eine Rekordsaison gelingt. © IMAGO / Alterphotos
Platz 4: FC Barcelona 2012/13, 115 Tore. Ein Jahr später ist die La-Liga-Trophäe aber doch zurück in Barcelona. Auch, weil die Katalanen nochmal ein Tor mehr erzielen als im Vorjahr.
Platz 5: FC Barcelona 2012/13, 115 Tore. Ein Jahr später ist die La-Liga-Trophäe aber doch zurück in Barcelona. Auch, weil die Katalanen noch einmal ein Tor mehr erzielen als im Vorjahr. © IMAGO/CordonPress/MiguelezSports
Platz 3: FC Barcelona 2016/17, 116 Tore. Die Barca-Antwort auf Reals BBC heißt MSN: Lionel Messi (li.), Luis Suarez (m.) und Neymar sorgen für die torreichste Saison der Klubgeschichte.
Platz 4: FC Barcelona 2016/17, 116 Tore. Die Barca-Antwort auf Reals BBC heißt MSN: Lionel Messi (li.), Luis Suarez (m.) und Neymar sorgen für die torreichste Saison der Klubgeschichte. © IMAGO/Bagu Blanco
Platz 2: Real Madrid 2014/15, 118 Tore. Es ist das Jahr, in dem Lionel Messi 43 Tore erzielt. Ronaldo toppt das ganze allerdings um eine ganze Ecke und netzt in der Liga satte 48 Mal. Meister wird trotzdem Barcelona.
Platz 3: Real Madrid 2014/15, 118 Tore. Es ist das Jahr, in dem Lionel Messi 43 Tore erzielt. Ronaldo toppt das Ganze allerdings um eine ganze Ecke und netzt in der Liga satte 48 Mal. Meister wird trotzdem Barcelona. © IMAGO/Alterphotos
Platz 1: Real Madrid 2011/12, 121 Tore. Zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte der Top-5-Ligen knackt eine Mannschaft die 120-Tore-Marke.
Platz 2: Real Madrid 2011/12, 121 Tore. Zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte der Top-5-Ligen knackt eine Mannschaft die 120-Tore-Marke.  © IMAGO/Alterphotos
Der FC Bayern ist 2025/26 auf Kurs, Historisches zu schaffen. Können Kane, Olise und Co. den Real-Rekord brechen?
Platz 1: Mit 122 Treffern hat der FC Bayern in der Bundesligasaison 2025/26 den Torrekord gebrochen. Die Mannschaft um das Angriffs-Trio Kane, Olise und Co. stehen damit vor dem Rivalen Real Madrid. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Es war in der 2. Halbzeit eine Abwehrschlacht, bei einem Freistoß an den Innenpfosten kurz vor Spielende hatten die Bayern großes Glück, die anschließende Jubelgeste von Oliver Kahn mit dem vom Pfosten abgeprallten Ball in der Hand war wohl die Szene des Spiels. Das lange Zeit in doppelter Überzahl spielende Dortmund zeigte sich am Ende entnervt und deprimiert – so musste auch Evanilson kurz vor Spielende nach einer Tätlichkeit vom Platz.

Der FC Bayern bereits aus dem Meisterrennen?

Zwar als moralischer Sieger dieses 1:1-Unentschiedens, aber personell arg geschwächt, traten die Bayern eine Woche später gegen den Zweiten Schalke 04 an: Der Jubel im ausverkauften Olympiastadion über Carsten Janckers frühes 1:0 dauerte nur kurz an: Ebbe Sand erschoss die Bayern mit einem Hattrick fast im Alleingang: Diese 1:3-Heimniederlage schien die Vorentscheidung in der Meisterschaft zuungunsten des FCB zu sein.

Die nächsten drei Spiele gewannen die Bayern. Jedoch geriet die Bundesliga angesichts einer scheinbaren Fokussierung auf die Champions League etwas in den Hintergrund. Dass die Bayern am 32. Spieltag zwischen den beiden CL-Halbfinalspielen gegen Real Madrid (1:0; 2:1) durch ein spätes Santa-Cruz-Kopfball-Tor beim Tabellen-Vierten Leverkusen mit 1:0 gewannen, nahm man so lediglich wohlwollend zur Kenntnis.

Drama Teil 1 – 33. Spieltag

Vor dem 33. Spieltag war Schalke 04 in der besseren Ausgangssituation im Meisterschaftsrennen: Zwar punktgleich mit den Bayern, aber zum einen mit dem besseren Torverhältnis ausgestattet, zum anderen mit dem scheinbar leichteren Restprogramm: in Stuttgart und gegen Unterhaching, beide tief im Abstiegskampf.

Die Bayern trafen an jenem Spieltag auf den 1. FC Kaiserslautern. Die Pfälzer waren im vorderen Mittelfeld platziert, aber in München immer ein unangenehm zu bespielender, höchst motivierter Gegner. Das Spiel begann aus Bayernsicht katastrophal – 0:1 durch Lokvenc nach gerade einmal fünf Minuten. Mit diesem Spielstand ging es auch in die Halbzeitpause. In Stuttgart stand es zu dem Zeitpunkt zwischen dem VfB und S04 0:0.

Nach der Pause starteten die Bayern einen Sturmlauf – das 1:1 durch Jancker in der 56. Minute war die Belohnung. Trotz großer Überlegenheit verkrampften die Bayern im weiteren Spielverlauf deutlich sichtbar, das erlösende 2:1 wollte nicht fallen. Die Schalker schienen das in Stuttgart mitbekommen zu haben, und es gab im damaligen Neckarstadion wohl lange so etwas wie einen Nicht-Angriffs-Pakt. Die Gelsenkirchener wären bei diesen Spielständen als Tabellenführer in den letzten Spieltag gegangen.

Das Blatt wendet sich

In beiden Stadien brach die letzte Spielminute an – und plötzlich überschlugen sich die Ereignisse. Der unmittelbar zuvor eingewechselte Alexander Zickler brachte die Bayern mit einem fulminanten Volley-Nachschuss mit 2:1 in Führung. Legendär dabei sein Torjubel: Zuerst schien er nicht zu kapieren, was er gerade „angestellt“ hattedann „explodierte“ er förmlich.

Fast zeitgleich schoss in Stuttgart Krassimir Balakow die Schwaben gegen immer passiver werdende Schalker ebenfalls in Führung. Die frohe Kunde erreichte das Olympiastadion rasend schnell – die Arena glich sofort einem Tollhaus. Kurz darauf Schlusspfiff in beiden Arenen – die Bayern waren gefühlt bereits Deutscher Meister – lethargische Schalker am Boden.

Dass das alles noch einmal getoppt werden konnte, konnte an jenem strahlenden Nachmittag im Münchner Olympiastadion niemand erahnen …

Drama Teil 2 – drei Schauplätze

Wie es der Mannschaft in der folgenden Woche vor der finalen Partie in Hamburg ging, ist nicht bekannt, bei den Bayernfans ging auf alle Fälle das große Zittern los: Was ist, wenn man die Meisterschaft in Hamburg doch noch verspielt? Die Euphorie nach dem Lautern-Spiel verwandelte sich schrittweise in eine gewaltige Nervosität. Die Leistungen von Hitzfelds Team in der Bundesliga waren während der gesamten Saison zu schwankend, als dass man sich wirklich sicher sein konnte.

Dennoch schien die Meisterschaft an jenem 34. Spieltag der Saison 2000/01 frühzeitig zugunsten der Bayern entschieden zu sein – und die Bayern taten gar nichts dafür! Die SpVgg Unterhaching – unfassbar, nach 2000 (Leverkusen!) schon wieder die Münchner Vorstädter – ging auf Schalke sehr früh mit 2:0 in Führung.

Schalke musste nun schon drei Tore schießen, um bei einer gleichzeitig notwendigen Niederlage der Bayern noch Meister werden zu können. Die Hachinger hätten sich durch diesen Sieg noch vom 16. Platz lösen können, der damals – es gab keine Relegation – noch den direkten Abstieg bedeutete. Dafür durfte aber Energie Cottbus nicht in München bei den Löwen gewinnen.

Aber genau das passierte: Die Ostdeutschen gingen früh bei ziemlich uninspirierten Sechzigern in Führung. Nicht ausgeschlossen, dass dies damals nicht wenige Löwenanhänger sogar freute – mit einem Streich konnte man beide ungeliebten Lokalrivalen stark ärgern bzw. sogar ins Unglück stürzen…

Permanente Wendungen im Meisterschaftsfinale

Schalke glich kurz vor der Halbzeit per Doppelschlag gegen U´haching aus. In Hamburg stand es noch 0:0. Das Meisterschaftsrennen war wieder vollkommen offen. Jeweils ein Tor „auf der falschen Seite“ und Schalke wäre Deutscher Meister.

Aber die Spielvereinigung lebte noch und gab sich längst nicht auf: Abermalige Führung auf Schalke in der 69. Minute! Löwen und Bayern blieben zeitgleich passiv. Würden die Bayern denselben Fehler begehen wie Schalke eine Woche zuvor, nur auf das Ergebnis beim Titelkonkurrenten hoffen?

Dann traf ausgerechnet der Ex-Löwe Jörg Böhme mit einem weiteren Schalker Doppelschlag (73.; 74.) die Hachinger tief ins Herz – das Spiel war damit entschieden, Unterhaching auch ob der ausgebliebenen Schützenhilfe der Löwen demoralisiert und chancenlos. Dass einige Minuten zuvor Carsten Jancker in Hamburg zur 1:0-Führung der Bayern traf, welche aber – zu Unrecht – wegen einer angeblichen Abseitsstellung des Münchner Stürmers aberkannt wurde, ging schon damals unter und weiß heute fast niemand mehr.

Die Schlussphase: Drama pur

Das Drama nahm seinen Weg. Noch war Bayern Meister. Großes Zittern in Hamburg, Ebbe Sands 5:3 für S04 in der 89. Minute geriet zur Randnotiz.

Und dann köpfte Sergej Barbarez in der 90. Minute den HSV mit 1:0 in Führung. Der Jubel in Hamburg und auf Schalke war unendlich – es stellte sich die Frage, wer mit diesem Treffer eigentlich Deutscher Meister geworden wäre: der HSV oder S04?

Die Bayern am Boden – Oliver Kahns „Weiter, immer weiter!“ schien in diesem Moment nur eine hohle Phrase zu sein, sein aufmunternder Schubser für Sammy Kuffour eine wertlose Geste …

Schalke für vier Minuten, Bayern „auf ewig“ Meister

Während man in Gelsenkirchen fälschlicherweise den legendären „Vier-Minuten-Meister“ feierte, bahnte sich in Hamburg der letzte Teil des Meisterschaftsdramas seinen Weg. Die Bayern warfen noch einmal alles nach vorne – und dann kam ihnen tief in der Nachspielzeit ein Lapsus des HSV-Keepers zu Hilfe.

Schober (mit S04-Historie!) nahm einen Rückpass mit den Händen auf, anstelle ihn per Fuß auf die Tribüne zu jagen. Indirekter Freistoß im HSV-Strafraum, ungefähr zehn Meter vor dem Tor, halblinke Position. Die absolut letzte Hoffnung der Bayern, doch noch Meister zu werden.

Ganz Fußball-Deutschland hielt über eine Minute lang den Atem an. Denn so lange dauerte es, bis der Freistoß endlich ausgeführt werden konnte. Kahn wühlte sich durch den Hamburger Strafraum, musste von Willy Sagnol „gebändigt“ werden. Als dann Patrik Andersson den Ball tatsächlich zum 1:1 durch eine Vielzahl an Beinen hindurch ins kurze Eck schoss, war der „Vulkan“ schon wieder in seiner Hälfte – und feierte legendär mit der Eckfahne.

Tränen und grenzenloser Jubel

Dies war der passende Schlussakkord in einem verrückten Meisterschaftsrennen – der Jubel der Bayern kannte keine Grenzen. Die sich vier Minuten lang bereits als Meister feiernden Schalker versanken dagegen in einem Tränenmeer – und konsternierte Hamburger mussten frenetisch feiernden Bayern bei der Schalenübergabe zuschauen. Ein unfassbares Meisterschaftsfinale – heute vergisst man, dass es mehrere Akte hatte…

Rubriklistenbild: © IMAGO / WEREK

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