Hat Ex-Bayern-Boss recht?
Rummenigges Jammer-Vorwurf an die Stars: Das sagen die Zahlen
Der frühere Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge richtet einen Jammer-Vorwurf an die Stars. Hat er damit recht? Ein Blick auf die Zahlen.
München – Noch mehr Wettbewerbe und Spiele, die Belastung wird dadurch immer höher. So lautet zumindest der Vorwurf, der im Profifußball immer wieder geäußert wird. „Ich habe eine andere Meinung: Unsere Spieler sollen aufhören zu jammern“, so die deutlichen Worte von Karl-Heinz Rummenigge hinsichtlich der vermeintlichen Zusatzbelastung im Interview mit der Sport Bild.
Rummenigge: Geld muss aus Wettbewerben wie der Klub-WM kommen
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern und Ex-Profi erklärt: „Die ganzen Vertragsverhandlungen, die ich bei uns miterlebe, gehen immer nur in eine Richtung: immer höher, immer weiter, immer schneller. Irgendwo muss das viele Geld aber herkommen.“
Da seitens der Spielerparteien immer höhere Forderungen gestellt würden, müsse „das Geld eben aus anderen Wettbewerben wie der neuen Klub-WM im Sommer kommen“, so Rummenigge.
Die neue FIFA-Klub-Weltmeisterschaft wird vom 15. Juni bis 13. Juli 2025 erstmals mit 32 Mannschaften in den USA ausgetragen. Das Turnier findet alle vier Jahre statt. Der Confed Cup, der im Turnus von zwei und später vier Jahren bis 2017 mit acht Nationalmannschaften ausgetragen wurde, wurde dafür eingestampft.
FC Bayern und dem BVB winken hohe Einnahmen
„Dass die FIFA jetzt die neue Klub-WM einführt, kommt für mich einem Weltwunder gleich: Zum ersten Mal wurde ein Nationalmannschafts-Wettbewerb, nämlich der Confed Cup, zugunsten eines Klub-Wettbewerbs aufgegeben“, sagt Rummenigge. Bei der Klub-WM nehmen aus Deutschland nur zwei Vereine teil: der FC Bayern und Borussia Dortmund.
Laut dem kicker winken dem FC Bayern und dem BVB eine Antrittsprämie von jeweils 40 Millionen Euro. Im Falle einer Finalteilnahme soll sogar eine dreistellige Millionensumme möglich sein. Für die Teams, die das Endspiel bestreiten, sind es maximal sieben Spiele.
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke meinte bereits im vergangenen Jahr: „Wenn wir das mal von der rationalen Seite betrachten: Es sind nur zwei deutsche Klubs davon betroffen und das sind die beiden Klubs, die es wahrscheinlich auch am besten verkraften können.“
Rummenigges Jammer-Vorwurf an die Stars: Das sagen die Zahlen
Das Football Observatory, eine Forschungsgruppe des CIES, einem unabhängigen Institut in der Schweiz, hat die Belastung der Profis in 40 Top-Ligen der Welt analysiert. Aus einem im Sommer 2024 erschienen Report geht unter anderem hervor, dass der FC Bayern in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt 50 Pflichtspiele pro Saison absolvierte, es aber in den zehn Jahren zuvor im Schnitt 52 Partien waren. Der Höchstwert entstammt der Saison 2007/08 mit 57 Pflichtspielen. Tendenziell bleibt die Kurve jedoch konstant.
Die Höchstbelastungen von Top-Spielern stellen zudem keinen Trend dar. Manchester Citys Rodri bestritt zwar in der Saison 2023/24 auf Vereinsebene 50 Pflichtspiele, von September 2023 bis Juli 2024 für Europameister Spanien 13 Länderspiele und kam so auf insgesamt 63 Einsätze. Im Vergleich kam Philipp Lahm bereits in der Saison 2009/10 für den FC Bayern auf 53 Pflichtspiele, von September 2009 bis Juli 2010 auf 14 Länderspiele für Deutschland und somit auf insgesamt 67 Einsätze.
David Luiz hält mit insgesamt 6.258 gespielten Minuten, die er in der Saison 2012/2013 für den FC Chelsea und die brasilianische Nationalmannschaft auf dem Platz stand, den Saisonrekord aller Spieler, die in den vergangenen 25 Jahren in den acht höchsten Ligen Europas vertreten waren. Dieser Höchstwert liegt inzwischen knapp zwölf Jahre zurück und wurde bis dato nicht übertroffen.
Die nächsten beiden Profis mit der höchsten Arbeitsbelastung liegen sogar noch weiter zurück – nämlich in den Spielzeiten 2006/07 und 1999/00 mit Frank Lampard (Chelsea/England) und Roberto Carlos (Real Madrid/Brasilien).
„Gefühlte Wahrnehmung“ durch mehr Präsenz in den Medien?
Um der Belastung entgegenzuwirken, sind außerdem seit der Corona-Pandemie fünf statt zuvor drei Ein- beziehungsweise Auswechslungen erlaubt. Die UEFA erhöhte darüber hinaus für die Europameisterschaften 2021 und 2024 die Kadergröße der jeweiligen Teams von 23 auf 26 Spieler.
Der Vorwurf, die Belastung der Profis würde immer weiter steigen, ist wohl auch eine „gefühlte Wahrnehmung“, die nicht zuletzt durch die erhöhte Präsenz des Sports in den Medien hervorgerufen wird. Denn es gibt Zahlen, die gegen einen Trend der Mehrbelastung sprechen. Klar ist aber auch: Der Sport wird zunehmend professioneller und kompetitiver, das Niveau steigt immer weiter an, die damit einhergehenden Anforderungen an die Athleten werden immer größer.
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