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Nachvollziehbarer Zweckoptimismus

Real-Stars vom Weiterkommen gegen Bayern überzeugt: Die Geschichte widerspricht ihnen deutlich

Trotz der 1:2-Heimpleite im CL-Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern bleiben die Real-Stars vom Weiterkommen in München überzeugt. Die Europapokal-Historie sollte ihnen weniger Hoffnung geben.

Real Madrid hat das Hinspiel in seinem Lieblingswettbewerb zu Hause im Estadio Santiago Bernabéu mit 1:2 gegen den FC Bayern verloren, doch aufgegeben haben sich die Königlichen noch lange nicht. Stattdessen wird aus der spanischen Hauptstadt eine eindeutige Botschaft in Richtung Säbener Straße geschickt: Dieses Viertelfinal-Duell ist noch lange nicht entschieden.

Erschöpfte Bayern feiern den 2:1-Sieg im Bernabéu, später kommen die Kampfansagen des unterlegenen Gegners.

Dabei ist die Situation für die erfolgsverwöhnten Madrilenen durchaus prekär. National haben sie sich bereits aus den Titelrennen verabschiedet. In der Copa del Rey erfolgte das blamable Aus gegen den Zweitligisten Albacete, und in LaLiga ist der FC Barcelona nach der jüngsten Pleite bei RCD Mallorca bereits um sieben Punkte enteilt. Somit verbleibt nur noch die Champions League, um einen Titel zu holen.

„Wenn es ein Team schaffen kann, dann Real Madrid“ – stimmt das?

Umso größere Bedeutung kommt dem Rückspiel beim deutschen Rekordmeister zu. So bleibt dem 15-fachen Titelträger schlichtweg gar nichts anderes übrig, als nach der bitteren Heimniederlage im Bernabéu großen Optimismus zu versprühen. Die spanischen Medien berichten sogar, dass an der Concha Espina weiterhin ein großer Glaube an das Weiterkommen ins Halbfinale vorherrscht.

Vinicius Junior schildert dazu die Stimmungslage in Madrid schlicht mit: „Wir leben! Wir müssen daran glauben!“ Kapitän Federico Valverde zeigt sich betont optimistisch: „Wir sind überzeugt, dass wir das Ruder herumreißen werden.“ Linksverteidiger Álvaro Carreras, dem Michael Olise teilweise Knoten in die Beine gespielt hat, meint: „Die zweite Hälfte steht noch aus, und wir werden das Ruder herumreißen.“

Neuer und Kimmich führen die Bayern zum Sieg gegen Real und verdienen sich Bestnoten

Manuel Neuer: Wurde lange nicht gefordert und lenkte dann einen strammen Schuss von Leverkusens Tella stark am Tor vorbei (52.). War da, wenn man ihn brauchte. Note: 2
Manuel Neuer: Parierte mehrfach überragend und brachte Reals Mbappé und Vinicius Junior zum Verzweifeln. War dann beim Gegentor aber machtlos. ⇥Note: 1 © IMAGO/Jerry Andre
Josip Stanisic: Hinterlief immer wieder Olise und schaffte so zusätzliche Anspielstationen. Blieb defensiv konzentriert. Note: 3
Josip Stanisic: Der Defensivmann hatte die undankbare Aufgabe, Vini Jr. zu bändigen – was ihm auf beeindruckende Weise gelang. Stanisic ließ sich nicht provozieren und verteidigte konzentriert. Note: 2 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Dayot Upamecano: Ließ zu Beginn die Chance aufs 1:0 liegen, verteidigte dafür fehlerfrei und gewann mit seinen aggressiven Tacklings zahlreiche Bälle. Note: 2
Dayot Upamecano: Hatte die frühe Führung auf dem Fuß, traf den Ball aber volley nicht richtig, sodass Reals Carreras auf der Linie klären konnte. War mit seinem Tempo enorm wichtig, kam beim Anschlusstreffer aber nicht in den Zweikampf. ⇥Note: 3 © IMAGO/Markus Fischer
Jonathan Tah: Entschied die wichtigen Duelle für sich und hielt Leverkusens Stürmer souverän in Schach. Note: 3
Jonathan Tah: Verteidigte konzentriert. ⇥Note: 2 © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
Konrad Laimer: Hatte auf der linken Seite viel Offensivdrang. Defensiv zudem tadellos. Note: 2
Konrad Laimer: Hielt seine Seite dicht und zeigte eine starke Leistung gegen die schnellen Stürmer der Königlichen. ⇥Note: 2 © IMAGO/Ulrik Pedersen/DeFodi Images
Joshua Kimmich: Verteilte die Bälle im Mittelfeld und hielt außerdem das Zentrum vor der Abwehr dicht. Note: 2
Joshua Kimmich: Ging im Stile eines Mittelfeldchefs voran und bestritt jeden Zweikampf mit der gebotenen Intensität. Gab seiner Mannschaft zudem Sicherheit und bestimmte im Ballbesitz das Tempo. ⇥Note: 1 © IMAGO/Noah Wedel
Aleksandar Pavlovic: Schaltete sich häufig nach vorn ein und überzeugte mit Offensivläufen in den gegnerischen Strafraum. Note: 3
Aleksandar Pavlović: Wirkte zunächst etwas nervös, kam dann aber besser ins Spiel und hielt im Verbund mit Kimmich das Zentrum dicht.  © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
Michael Olise: Zog immer wieder in die Mitte und suchte den Abschluss, war dabei aber oft zu eigensinnig. Blieb dadurch ineffektiver als zuletzt. Note: 4
Michael Olise: Zog von der rechten Seite immer wieder nach innen und legte so das 2:0 für Kane auf. Zeigte eine überragende Leistung. ⇥Note: 1 © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Fussball Supercup Saison 2025/2026 VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen
Serge Gnabry: Hätte nach einem Fehler im Aufbauspiel zur Führung treffen müssen, nahm die Einladung aber nicht an und scheiterte an Torwart Lunin. Bereitete dann jedoch das 1:0 vor und steckte im richtigen Moment auf Diaz durch. Zeigte sich ansonsten umtriebig und sorgte mit seinen Tiefenläufen für Freiräume.⇥Note: 2 © IMAGO/Markus Ulmer
Luis Diaz: War zwar offiziell nicht am Führungstor beteiligt und hatte mit einem genialen Moment doch großen Anteil: Diaz ließ die Flanke gedankenschnell durch seine Beine und bewies damit seine Extraklasse. Ansonsten einer der Aktivposten im Angriff, ihm gelang das erlösende 2:0 in der Nachspielzeit. Note: 1
Luis Diaz: Brach den Bann und schob überlegt zur Führung ein (41.). Darüber hinaus gewohnt aggressiv gegen den Ball. Genau für diese Spiele wurde Diaz geholt – und der Kolumbianer lieferte.⇥Note: 2 © IMAGO/Noah Wedel
Harry Kane: Scheiterte in der Anfangsphase noch per Lupfer, markierte dann aber nach 22 Minuten das wichtige 1:0 und schloss trocken ab. Hatte vor und nach der Pause sogar noch Chancen aufs 2:0, die er jedoch ausließ. Darüber hinaus fungierte Kane aber als wichtiger Taktgeber in der Offensive, weil er seine Stürmerrolle gewohnt mitspielend interpretierte. Note: 2
Harry Kane: Wirkte zunächst nicht ganz fit und fiel mit Fehlpässen bei der Seitenverlagerung auf, die man sonst von Kane nicht kennt. Dann zeigte der Stürmer aber seine ganze Weltklasse in einer Aktion und traf mit einem überragenden Abschluss von der Strafraumgrenze zum 2:0.  ⇥Note: 2 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Jamal Musiala: Glänzte mit viel Spielfreude im Offensivzentrum, ließ sich immer wieder fallen und dribbelte von dort Löcher in Leverkusens Abwehr. Legte den Ball beim 1:0 präzise zurück, sodass Kane freistehend einschieben konnte. Bester Münchner Angreifer. Note: 1
Jamal Musiala: Kam in der 69. Minute für Gnabry. © IMAGO/David Klein
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader.
Alphonso Davies: Kam in der 69. Minute für Laimer. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Leon Goretzka: Kam in der Nachspielzeit für Pavlovic. © IMAGO/Noah Wedel
GER, FC Bayern Muenchen vs. Tottenham Hotspur, Fussball, Telekom Cup, Testspiel, Saison 2025/2026, 07.08.2025
Tom Bischof: Kam in der Nachspielzeit für Diaz. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
02.08.2025, Fussball Testspiel, FC Bayern - Olympique Lyon
Minjae Kim: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Nicolas Jackson: Ohne Einsatz im Kader.
Nicolas Jackson: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Ulrich Wagner
Lennart Karl: Einwechslung in der 68. Minute, feierte somit sein Bundesligadebüt – ohne Bewertung.
Lennart Karl: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
CALCIO
Raphaël Guerreiro: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Jonas Urbig: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Revierfoto
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader.
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader. © DeFodi/Imago
Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, VfB Stuttgart - FC Bayern München; 16.08.2025
Sven Ulreich: Fehlte im Kader. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader.
Wisdom Mike: Fehlte im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader.
Leon Klanac: Fehlte im Kader. © IMAGO/Mladen Lackovic

Auch der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger unterstreicht den Glauben ans Comeback: „Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Wir leben noch. Wir glauben an uns bis zum Schluss. Alles ist nach dem Tor von Mbappé offen. Ich finde, wir hatten Chancen für mehr Tore, aber am Ende ist es so.“

Trainer Álvaro Arbeloa sieht ebenfalls eine realistische Chance – und beruft sich dabei auf die großartige Vereinshistorie: „Es wird in München natürlich alles andere als einfach, aber wenn es ein Team schaffen kann, dann ist es Real Madrid.“ Und genau damit liegt der 43-Jährige, ebenso wie viele andere, die diese außergewöhnlichen Comeback-Fähigkeiten von Real hochloben oder beschwören, historisch gesehen ziemlich falsch.

In der Geschichte der Königsklasse verloren die Madrilenen in den K.-o.-Runden bislang fünfmal ein Hinspiel im eigenen Stadion, darunter das 0:1 gegen den FC Bayern im Halbfinale 2000/01, und schieden jedes Mal aus. Der deutsche Rekordmeister ist dagegen in seiner 60-jährigen Europapokalgeschichte erst ein einziges Mal nach einem Auswärtssieg im Hinspiel zu Hause ausgeschieden.

Keine Chance mehr für Real Madrid?

Das war im Achtelfinale 2010/11 gegen den CL-Titelverteidiger Inter Mailand: Nach einem 1:0-Erfolg im San Siro wurde das Rückspiel in der Allianz Arena mit 2:3 verloren. Die damalige Auswärtstorregel brachte das Ausscheiden aus dem Wettbewerb. Doch diese gibt es mittlerweile nicht mehr. Das bedeutet: Real Madrid muss für das Weiterkommen mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen – oder qualifiziert sich bei Gleichstand nach 120 Minuten über das Elfmeterschießen.

Im direkten Duell zwischen Real und dem FCB gab es bislang vier Auswärtssiege im Hinspiel. Nie konnte in der 50-jährigen gemeinsamen Europapokal-Historie der Kontrahenten anschließend das Ergebnis umgedreht werden. Der FC Bayern gewann 2000 nach dem 4:2 im Bernabéu auch das Rückspiel im Olympiastadion mit 4:1 – ein Jahr später gelang dasselbe Kunststück nach einem 1:0 mit 2:1. Real gewann 2017 und 2018 das Hinspiel in der Allianz Arena jeweils mit 2:1, musste einmal in die Verlängerung (4:2 nach einem 1:2 nach 90 Minuten) und einmal gelang ein 2:2.

Die Hoffnung auf die „Remontada“ besteht in Madrid weiterhin – die Statistiken sprechen allerdings klar gegen den königlichen Mythos, auch außerhalb des Bernabéu zu außergewöhnlichen Comebacks fähig zu sein. Dazu kommt die Münchner Heimstärke: Die bisherigen fünf CL-Heimspiele der laufenden Saison wurden ausnahmslos gewonnen – mit einem Gesamttorverhältnis von 16:3.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Cesar Cebolla / PRESSINPHOTO

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