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Ohne „Champagner-Fußball“

FC Bayern fährt nach Freiburg-Sieg mit maximal positivem Gefühl nach Madrid

Bis zur 80. Minute sahen die Bayern in Freiburg wie der Verlierer aus - um dann das Spiel so zu drehen, wie es aktuell nur sie selbst beherrschen.

Vor dem Europapokal-Klassiker im CL-Viertelfinale bei Real Madrid musste die Devise des FC Bayern für das Bundesliga-Spiel in Freiburg eigentlich heißen: nicht zu viele Kräfte verbrauchen, keine neuen Verletzungen. Für dieses Vorhaben waren die stets sehr körperlich auftretenden Breisgauer jedoch einer der ungeeignetsten Gegner im deutschen Fußball-Oberhaus.

Euphorischer FCB-Torjubel nach Lennart Karls Siegtreffer, der sich im Anschluss „textilfrei“ zeigte.

Ohne den angeschlagen geschonten Toptorjäger Harry Kane taten sich die Bayern in Halbzeit 1 trotz klarer Feldüberlegenheit schwer, klare Torchancen zu kreieren. Freiburg wirkte sogar etwas gefährlicher. Nach der Nullnummer zur Halbzeit überschlugen sich die Ereignisse im Europa-Park-Stadion nach der Pause.

FC Bayern erkämpft sich Arbeitssieg in Freiburg

Direkt nach Wiederanpfiff ging der Viertelfinalist der Europa League durch Johan Manzambi in Führung, und als Lucas Höler in der 71. Minute gegen dominante Münchner auf 2:0 erhöhte, schien das Spiel (vor)entschieden zu sein. Tom Bischof mit seinem ersten Doppelpack für den Rekordmeister mit zwei sehenswerten Weitschusstoren (81., 90.+2) und Lennart Karl fast mit dem Schlusspfiff (90.+9) drehten die Partie jedoch komplett. Ein Sieg der Mentalität, eine schier unglaubliche Willensleistung – trotz des in drei Tagen stattfindenden Duells in Madrid, wo euphorisierte Bayern nach den europäischen Sternen greifen wollen.

Sportvorstand Max Eberl

„Mehr positives Gefühl, um nach Madrid zu fahren, geht nicht. Wir wussten, dass es in Freiburg sehr, sehr schwierig wird. Freiburg führt verdient mit 2:0. Aber wie die Mannschaft dann weiterspielt und gewinnen will – das ist Moral. Deswegen war es ein sehr schöner Sieg heute. Man hat bis zur Tribüne hoch gemerkt, dass wir dieses Spiel nicht verlieren wollen.“

Bayerns Real-Generalprobe in Freiburg: Nur einer verdient die Note eins – dafür gibt‘s Fünfer

Manuel Neuer: Wurde lange nicht gefordert und lenkte dann einen strammen Schuss von Leverkusens Tella stark am Tor vorbei (52.). War da, wenn man ihn brauchte. Note: 2
Manuel Neuer: Da war er wieder – und zwar in seinem ersten Spiel als 40-Jähriger. Zwar hätte die erste Unsicherheit des „Oldies“ gegen Höler fast zum 0:1 geführt, dann aber agierte er wieder wie in seinen besten Jahren. Gegen Höler zur Stelle (28.), gegen Lienhart auch (34.), wenngleich auch beide Male der Abseitspfiff ertönte. Beim ersten Gegentreffer machtlos – aber mächtig sauer beim zweiten, vor dem er sich verschätzte und den Ball nicht weit genug klären konnte. Der Kapitän weiß, dass da am Dienstag mehr gehen muss. Note: 4 © IMAGO/Jerry Andre
Josip Stanisic: Hinterlief immer wieder Olise und schaffte so zusätzliche Anspielstationen. Blieb defensiv konzentriert. Note: 3
Josip Stanisic: Als „bester Stani aller Zeiten“ war er in die Länderspielpause geschickt worden. Startete aber nicht unbedingt als bester Stani aller Zeiten in die Partie. Einige Ungenauigkeiten schlichen sich ins Spiel des Rechtsverteidigers, vor dem 1:0 spielte er einen ungenauen Pass auf Karl. Viel Luft nach oben für Dienstag. Note: 4 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
02.08.2025, Fussball Testspiel,  FC Bayern - Olympique Lyon
Minjae Kim: Hatte in der intensiven Freiburger Anfangsphase hinten viel zu tun – und besprach sich mehrfach mit Kompany. War gefühlt überall auf dem Platz unterwegs, wie viele andere Bayern auch. Das Positionsspiel war diesmal flexibel ausgelegt, Kim bekam für seinen Anteil den einen oder anderen Sonderapplaus vom Trainer. Machte nicht alles richtig, aber doch mehr als so mancher Mitspieler. Unglücklich, dass der Ball vor dem 0:2 von ihm abprallte. Note: 4 © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Jonathan Tah: Entschied die wichtigen Duelle für sich und hielt Leverkusens Stürmer souverän in Schach. Note: 3
Jonathan Tah: War in der Abwehr der Ruhepol, weil er nicht so weit nach vorne rückte wie der Rest. Und musste trotzdem auch mal dazwischen gehen. Sah daher früh Gelb – und machte früh Platz für Laimer. Note: 4 © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
GER, FC Bayern Muenchen vs. Tottenham Hotspur, Fussball, Telekom Cup, Testspiel, Saison 2025/2026, 07.08.2025
Tom Bischof: Erster Bundesliga-Startelf-Einsatz seit Anfang März – und erster Torschuss für die Bayern in Freiburg (6.). Wurde im Laufe der ersten Halbzeit immer aktiver und hatte kurz vor dem Seitenwechsel die Chance aufs 1:0 (43.). Wollte aber wohl erst in der zweiten Halbzeit zuschlagen - und wie! Das 1:2 gelang nach schöner Einzelaktion, der Ausgleich in der Nachspielzeit genauso herrlich aus der Distanz. Der Münchner des Tages. Note: 1 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
Joshua Kimmich: Verteilte die Bälle im Mittelfeld und hielt außerdem das Zentrum vor der Abwehr dicht. Note: 2
Joshua Kimmich: Hatte beim DFB-Elf keine Pause bekommen und bekam sie natürlich auch diesmal nicht. Dafür gab es gleich mal mächtig auf die Socken. Kimmich krümmte sich, konnte aber weiter spielen. Wollte diese Partie gerne an sich reißen, es gelang ihm aber diesmal zu lange nicht. Immerhin hinten raus drehte er mehr auf und hob sich etwas ab. Note: 3 © IMAGO/Noah Wedel
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Leon Goretzka: Wurde bei der Bus-Ankunft mit lauten „GORETZKAAAAA“-Rufen empfangen. Auf dem Platz aber wurde er teilweise schwindelig gespielt. Konnte offensiv viel zu wenige Akzente setzen und sich vor Freiburgs Führungstreffer nur zur Seite ducken. Frühe Auswechslung. Note: 5 © IMAGO/Noah Wedel
Lennart Karl: Einwechslung in der 68. Minute, feierte somit sein Bundesligadebüt – ohne Bewertung.
Lennart Karl: Das vierte Bundesliga-Spiel hintereinander stand Karl in der Startelf – gleichermaßen stark wie ein Indiz, dass am Dienstag in Madrid wohl eher die Bank warten dürfte. Gab Vollgas, agierte dabei aber nicht immer nur glücklich. Besonders unglücklich, als er sich vor dem 1:0 den Ball abluchsen ließ. Ein Spiel zum Vergessen - bis zur 9. Minute der Nachspielzeit. Da traf er plötzlich zum SIeg - und ließ sich feiern. Note: 2 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
CALCIO
Raphaël Guerreiro: Unter Woche war verkündet worden, dass er den FC Bayern im Sommer verlässt – also warum nicht noch ein paar Spielchen spielen? Nominell als Zehner, in Wahrheit überall war Guerreiro zu finden. Mal mit guten Ideen und Pässen (wie auf Gnabry), mal mit unglücklichen (wie einem von ihm geblockten Schuss durch Stanisic). Hintenraus wurde er schwächer und schwächer, daher früher Feierabend. Note: 5 © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Luis Diaz: War zwar offiziell nicht am Führungstor beteiligt und hatte mit einem genialen Moment doch großen Anteil: Diaz ließ die Flanke gedankenschnell durch seine Beine und bewies damit seine Extraklasse. Ansonsten einer der Aktivposten im Angriff, ihm gelang das erlösende 2:0 in der Nachspielzeit. Note: 1
Luis Diaz: Weiter, immer weiter – Michael Olise bekam eine Pause, Luis Diaz nicht. Ohne seinen kongenialen Partner aber fehlte ihm mehrfach Ideen wie Anspielstationen. Wäre dieser herrliche Seitfallzieher kurz vor dem Seitenwechsel reingegangen, wäre er der Held gewesen. Ging er aber nicht. Nach vorne etwas besser, als Olise kam. Und an der Wende beteiligt. Note: 3 © IMAGO/Noah Wedel
Fussball Supercup Saison 2025/2026 VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen
Serge Gnabry: Ein Treffer in Freiburg wäre der 100. seiner Bundesliga-Saison gewesen. In der 10. Minute hatte Atubolu etwas dagegen, als Gnabry frei auf der SC-Keeper zulief. Wurde von Guerreiro immer wieder gesucht, das Glück aber war nicht auf seiner Seite. Versuchte viel, wenig gelang. Sinnbildlich: eine Flanke, die er nach einer guten Stunde einfach ins Aus abgab. Note: 5 © IMAGO/Markus Ulmer
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Jonas Urbig: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Revierfoto
Aleksandar Pavlovic: Schaltete sich häufig nach vorn ein und überzeugte mit Offensivläufen in den gegnerischen Strafraum. Note: 3
Aleksandar Pavlović (ab 56. für Goretzka): Die Hüftprobleme sind auskuriert. Versuchte, die Partie zu beruhigen und mit seiner Körperlichkeit Zeichen zu setzen. Das gelang. Note: 3 © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
Michael Olise: Zog immer wieder in die Mitte und suchte den Abschluss, war dabei aber oft zu eigensinnig. Blieb dadurch ineffektiver als zuletzt. Note: 4
Michael Olise (ab 56. für Guerreiro): Hatte mit seiner ersten Aktion die Chance zum Ausgleich. Belebte die Partie sichtlich. Note: 2 © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Konrad Laimer: Hatte auf der linken Seite viel Offensivdrang. Defensiv zudem tadellos. Note: 2
Konrad Laimer (ab. 56. für Tah): Brachte den gewohnten Schwung und war am Ende auch am Aufdrehen der Bayern beteiligt. Note: 3 © IMAGO/Ulrik Pedersen/DeFodi Images
Jamal Musiala: Glänzte mit viel Spielfreude im Offensivzentrum, ließ sich immer wieder fallen und dribbelte von dort Löcher in Leverkusens Abwehr. Legte den Ball beim 1:0 präzise zurück, sodass Kane freistehend einschieben konnte. Bester Münchner Angreifer. Note: 1
Jamal Musiala (1b 65. für Gnabry): Ohne Bewertung. © IMAGO/David Klein
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader.
Alphonso Davies (ab 87. für Kim): Ohne Bewertung. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Dayot Upamecano: Ließ zu Beginn die Chance aufs 1:0 liegen, verteidigte dafür fehlerfrei und gewann mit seinen aggressiven Tacklings zahlreiche Bälle. Note: 2
Dayot Upamecano: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Markus Fischer
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader.
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader. © DeFodi/Imago
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader.
Leon Klanac: Nicht im Kader. © IMAGO/Mladen Lackovic
Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, VfB Stuttgart - FC Bayern München; 16.08.2025
Sven Ulreich: Nicht im Kader. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader.
Wisdom Mike: Nicht im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Nicolas Jackson: Ohne Einsatz im Kader.
Nicolas Jackson: Nicht im Kader. © IMAGO/Ulrich Wagner
Harry Kane: Scheiterte in der Anfangsphase noch per Lupfer, markierte dann aber nach 22 Minuten das wichtige 1:0 und schloss trocken ab. Hatte vor und nach der Pause sogar noch Chancen aufs 2:0, die er jedoch ausließ. Darüber hinaus fungierte Kane aber als wichtiger Taktgeber in der Offensive, weil er seine Stürmerrolle gewohnt mitspielend interpretierte. Note: 2
Harry Kane: Nicht im Kader. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank

Chefcoach Vincent Kompany

„Wir haben eigentlich gut angefangen, im ersten Teil der ersten Halbzeit haben wir manchmal gute Räume gefunden, aber nicht so den Abschluss gehabt. Danach muss man auch Respekt für den Gegner haben. Sie haben Vollgas gegeben. Vielleicht ist es am Ende auch deswegen zu uns gedreht, weil sie so viel Energie verbraucht haben.

Das gehört dann zum Fußball: Nicht jeder Sieg ist Champagner-Fußball und 3:0, 4:0 gewinnen. Es gibt keine Saison, wo man erfolgreich ist, ohne diese Emotionserlebnisse. Ich bin sehr gut gelaunt mit diesen drei Punkten, weil ich wusste, wie schwierig es werden würde.“

Doppeltorschütze Tom Bischof

„Die erste Halbzeit war brutal. Wir wussten, dass sie uns verfolgen werden. Sie spielen ähnlich wie wir, Mann gegen Mann. Sie sind uns über den ganzen Platz gefolgt, das war sehr intensiv. In der zweiten Hälfte haben sie dann die beiden Tore gemacht. Wir wären aber nicht Bayern, wenn wir nicht immer an uns glauben würden. Es war auch ein bisschen Glück, aber auch nach dem 2:2 wollten wir unbedingt – das war geil.

So ein Spiel ist das perfekte Spiel für das kommende Spiel gegen Real. Wir merken, was wir für ein Team sind. Wir halten zusammen, das schweißt uns brutal zusammen. Es ist klar, dass es ein anderes Spiel wird. Real ist ein anderes Level, wir müssen noch eine Schippe drauflegen. Es ist ein Traum von mir solch ein Spiel zu spielen, ich freue mich brutal drauf. Es ist ein Knallerspiel, es wird intensiv und ich hoffe, dass wir das Ding holen.“

Siegtorschütze Lennart Karl

„Mein rechter Fuß hat zum Glück funktioniert, dann war es ein unbeschreibliches Gefühl. Ich hatte die ganze Zeit schon im Gefühl, dass ich noch ein Tor mache. Dass es wirklich geklappt hat, das war natürlich unglaublich! Das gibt uns großes Vertrauen, wir können jeden schlagen!

Das war ein enorm wichtiger Sieg, etwas sehr, sehr Besonderes – das haben wir auch in der Kabine gerade gesagt. Die Woche ist für mich sehr besonders mit dem ersten Spiel für die Nationalmannschaft, dann hier noch getroffen und ein Tor vorbereitet zu haben.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Anke Waelischmiller/Sven Simon

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