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Erinnerungen an 2023

Kahns heftige Aussagen über Sané bestätigen seine Unfähigkeit als Bayernboss

Ob Leroy Sané seinen Wechsel nach Istanbul längst bereut, ist unbekannt. Sein Ex-FCB-Boss kritisiert ihn nicht nur dafür scharf, müsste es aber besser wissen. Ein Kommentar.

München – Nach einem schier unendlichen Vertragspoker mit den Verantwortlichen des FC Bayern mit vielen überraschenden Wendungen ist Leroy Sané im Sommer mit dem wohl großen Wunsch nach mehr öffentlicher Anerkennung und Wertschätzung in die Süper Lig zu Galatasaray Istanbul gewechselt. Aber auch beim türkischen Meister holen den gleichfalls hochtalentierten wie hochsensiblen deutschen Nationalspieler dieselben Probleme ein, die ihn in München streckenweise belasteten, aber im letzten Halbjahr überwunden schienen.

Ex-FCB-Boss Oliver Kahn am Sky-Mikrofon.

Körpersprache und Mimik des 70-fachen Nationalspielers könnten oberflächlich betrachtet auf eine gewisse Launenhaftigkeit und Lustlosigkeit hindeuten. Seine sämtlichen Ex-Trainer beim FC Bayern haben dieser Version stets heftig widersprochen. Er sei eine Kampfmaschine, die mit großer Leidenschaft, großem Einsatzwillen und Laufbereitschaft, nicht zuletzt im Defensivbereich, alles für die Mannschaft geben würde. Dies ist deckungsgleich mit den Meinungen seiner ehemaligen Teamkollegen und auch Ilkay Gündogan verteidigte ihn zuletzt in Istanbul auf diese Weise.

Ex-FCB-Boss liefert Sané-Pöblern Argumente

Beim FC Bayern ist Sané nach wie vor beliebt, beim Oktoberfest-Familienausflug wurde er zusammen mit Coach Vincent Kompany und seinen FCB-Kumpels gesehen – und sogleich von pöbelnden angeblichen Anhängern des Rekordmeisters auf bittere Weise daran erinnert, warum er wohl in die Türkei „geflüchtet“ ist. Ausgerechnet sein Ex-FCB-Boss, der frühere Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn, liefert bei Sky den Pöblern nun Argumente, indem er den 29-Jährigen abfällig beschreibt: „Komm ich heut nicht, komm ich morgen – das ist halt so sein Charakter, oft auch mit seiner ganzen Körpersprache“.

So ist für den früheren Weltklassetorhüter Sanés Krise auch unverständlich, weil er „alles, wirklich alles hat, was du brauchst, um ein wirklich absoluter Topspieler zu werden“. Kahn bemängelt, dass Sané seine Qualitäten – wie Geschwindigkeit, Dribblings und Torabschluss – zu selten auf dem Platz zeige. Der Wechsel vom FC Bayern zu Galatasaray sei ein deutlicher Rückschritt gewesen: „Wenn Sané in diese absolut oberste Kategorie nicht will, dann ist es seine Entscheidung. Dann verläuft die Karriere eben ein bisschen anders“.

Oberflächlich betrachtet hat der 56-Jährige natürlich mit vielen Argumenten recht, nur demonstriert seine öffentlich zur Schau getragene Meinung mehr als deutlich, was ihm einst als FCB-Führungskraft eindeutig gefehlt hat: Menschlichkeit, Empathie. Dass er zusätzlich die in den letzten Jahren beim FCB gezeigte sportliche Leistung von Sané, speziell seine überragende Bereitschaft in der Defensive, nicht sieht und würdigt, wirft allerdings auch Fragen auf.

Kahns großes Manko als Führungskraft

Kahn selbst war als Torhüter absolute Weltklasse, hat in seinem verbissenen Ehrgeiz aber auch zahlreiche Regeln mit absurden Aktionen gebrochen und letztendlich Deutschland auch den WM-Titel 2002 gekostet, obwohl er in Japan und Südkorea der definitiv beste Turnierspieler war: In der zweiten Halbzeit des Endspiels gegen Brasilien ignorierte er eine Fingerverletzung, konnte damit nicht mehr richtig zupacken: Fatal beim vorentscheidenden 1:0 der Samba-Kicker.

Die Körpersprache des ehemaligen VulKahns konnte man ohne Zweifel als kämpferisch bis aggressiv bezeichnen, kein Wunder, dass er Sanés Auftreten als „oft teilnahmslos wirkend“ einstuft bzw. missinterpretiert. Damit ist der Ex-FCB-Kapitän natürlich nicht allein, es verrät aber auch, warum er 2021 bis 2023 als CEO völlig fehl am Platz war.

Lange bevor Uli Hoeneß Kahns kalten Umgang mit den Angestellten an der Säbener Straße kritisierte, war dies bereits ein offenes Geheimnis gewesen, die ebenso unnötige wie völlig empathielose Entlassung von Julian Nagelsmann dabei ein trauriger Höhepunkt, den der CL-Sieger 2001 dann am letzten Spieltag 2022/23 als Bumerang selbst auch erleiden musste. Nicht die Art und Weise, aber der Vollzug der fristlosen Trennung war damals die einzig richtige Konsequenz von Uli Hoeneß & Co.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kirchner/David Inderlied

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