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Bayern-Trainer im Vergleich

Ist Vincent Kompany der ideale „Anti-Tuchel“ beim FC Bayern?

Karl-Heinz Rummenigge kartet gegen Ex-Coach Thomas Tuchel nach. Was macht Vincent Kompany beim FC Bayern nun besser? Der Trainer-Vergleich.

München – Thomas Tuchel trainierte den FC Bayern zwischen Frühjahr 2023 und Sommer 2024. Einzig die Meisterschaft 2023 hat Tuchel in letzter Sekunde gesichert, ansonsten lassen die Verantwortlichen in München kein gutes Haar an der Zusammenarbeit mit dem eigenwilligen Coach. Karl-Heinz Rummenigge nutzte nun einen Auftritt bei der BR-Sendung Blickpunkt Sport, um gegen Tuchel nachzutreten.

Vincent Kompany (r.) hat das Amt als Trainer des FC Bayern von Thomas Tuchel (l.) im Sommer 2024 übernommen.

„Der Teamspirit ist zurückgekehrt. Der ist bei Thomas Tuchel ein bisschen verloren gegangen“, sagte Rummenigge und legte nach: „Da ist, was Empathie betrifft, nicht sehr gut und ausreichend gearbeitet worden.“ Einige Monate zuvor hatte der 70-Jährige, der von 2002 bis 2021 Vorstandsvorsitzender des FC Bayern war, auch den Umgang von Tuchel mit Mittelfeld-Akteur Leon Goretzka kritisiert.

Der Teamgeist erreicht ein neues Level beim FC Bayern

Absolut Fussball, das Fußball-Portal vom Home of Sports, macht deshalb den Tuchel-Kompany-Vergleich. Haben die Münchner nach über einem Jahr nun endgültig alle Tuchel-Laster abgelegt? In Sachen Teamgeist hat Rummenigge mit seinem TV-Auftritt klargestellt, dass unter Tuchel die Menschenführung und der Teamspirit gelitten haben.

Trainer Vincent Kompany hat diese zwei Makel beseitigt. Alle Beteiligten schwärmen von der sozialen Kompetenz des belgischen Coaches und dem Teamspirit, der in der Mannschaft vorherrscht. Tatsächlich unternehmen auch viele Spieler privat etwas miteinander, zwei spontane Wiesn-Besuche sprechen für die gute Stimmung in München.

Bayern-Noten gegen Bremen: Rekordmann bekommt die 2 – ein Star fällt ab

Manuel Neuer: Wurde lange nicht gefordert und lenkte dann einen strammen Schuss von Leverkusens Tella stark am Tor vorbei (52.). War da, wenn man ihn brauchte. Note: 2
Manuel Neuer: Abgesehen von einem „Klärungs-Kopfball“ weit außerhalb des Strafraums hatte der Keeper einen ruhigen Abend. Note: 3 © IMAGO/Jerry Andre
Franz Beckenbauer Supercup 2025
Supercup VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen 1 : 2
am 16.08.2025 in Stuttgart
Sacha Boey: Disziplinierter Auftritt des Rechtsverteidigers, dem gegen Bremen keine gröberen Schnitzer unterliefen. Note: 3 © IMAGO/Laci Perenyi
Dayot Upamecano: Ließ zu Beginn die Chance aufs 1:0 liegen, verteidigte dafür fehlerfrei und gewann mit seinen aggressiven Tacklings zahlreiche Bälle. Note: 2
Dayot Upamecano: Gewohnt zweikampfstark und im Gegenpressing der Münchner ein nicht unerheblicher Faktor auf Höhe der Mittellinie – und darüber hinaus. Note: 3 © IMAGO/Markus Fischer
Jonathan Tah: Entschied die wichtigen Duelle für sich und hielt Leverkusens Stürmer souverän in Schach. Note: 3
Jonathan Tah: In der Defensive gegen harmlose Bremer weniger gefordert, darum tauchte Tah auch regelmäßig im gegnerischen Sechzehner auf – wie bei seiner Hackenvorlage zum 1:0. Note: 2 © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
Konrad Laimer: Hatte auf der linken Seite viel Offensivdrang. Defensiv zudem tadellos. Note: 2
Konrad Laimer: Der Österreicher musste gegen Werder erneut auf der linken Abwehrseite ran. Das Zusammenspiel mit Vordermann Diaz klappte gut und Laimer startete immer wieder Flankenläufe. Traf in 88. zum 4:0. Note: 2 © IMAGO/Ulrik Pedersen/DeFodi Images
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Leon Goretzka: Nebenmann Bischof stahl dem Routinier die Show im Mittelfeldzentrum. Goretzka hatte einige Fehlpässe und Ballverluste im Spiel. Note: 4 © IMAGO/Noah Wedel
GER, FC Bayern Muenchen vs. Tottenham Hotspur, Fussball, Telekom Cup, Testspiel, Saison 2025/2026, 07.08.2025
Tom Bischof: Der blutjunge Neuzugang aus Hoffenheim feierte gegen Bremen seine Bundesliga-Startelf-Premiere – und dribbelte mit gerade einmal 20 Jahren abgezockt wie ein alter Hase auf: Bischof hat Blick und Gespür für die gefährlichen Räume in der gegnerischen Hälfte und scheut sich nicht davor, mutig Bälle dorthin zu spielen. Note: 2 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
Michael Olise: Zog immer wieder in die Mitte und suchte den Abschluss, war dabei aber oft zu eigensinnig. Blieb dadurch ineffektiver als zuletzt. Note: 4
Michael Olise: Die Hacken-Vorlage von Abwehrmann Tah leitete Olise mit einer scharfen Hereingabe ein. Ansonsten hatte der Franzose Lust auf „Hacke, Spitze, Eins, Zwei, Drei“. Das gefiel den Fans. Note: 3 © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Fussball Supercup Saison 2025/2026 VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen
Serge Gnabry: Erneut ein ordentlicher Auftritt des Offensivspielers, der früh die Gelbe Karte sah und hatte Glück, dass er kurz vor der Pause nicht Gelb-Rot sah. Daher musste er nach knapp eine Stunde raus. Note: 3 © IMAGO/Markus Ulmer
Luis Diaz: War zwar offiziell nicht am Führungstor beteiligt und hatte mit einem genialen Moment doch großen Anteil: Diaz ließ die Flanke gedankenschnell durch seine Beine und bewies damit seine Extraklasse. Ansonsten einer der Aktivposten im Angriff, ihm gelang das erlösende 2:0 in der Nachspielzeit. Note: 1
Luis Diaz: Verspielt, aber vorm Tor diesmal nicht verträumt: Diaz gelang der Türöffner-Treffer zum 1:0. Allerdings wurde der Kolumbianer angeschossen. Bereitete den zweiten Kane-Treffer vor. Note: 3 © IMAGO/Noah Wedel
Harry Kane: Scheiterte in der Anfangsphase noch per Lupfer, markierte dann aber nach 22 Minuten das wichtige 1:0 und schloss trocken ab. Hatte vor und nach der Pause sogar noch Chancen aufs 2:0, die er jedoch ausließ. Darüber hinaus fungierte Kane aber als wichtiger Taktgeber in der Offensive, weil er seine Stürmerrolle gewohnt mitspielend interpretierte. Note: 2
Harry Kane: Nach ungewohnten Anlaufschwierigkeiten im Torabschluss führte ein Strafstoß zum Torjubel. Der Engländer verwandelte den Elfmeter eiskalt und traf später aus dem Spiel heraus zum Doppelpack. Note: 2 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Joshua Kimmich: Verteilte die Bälle im Mittelfeld und hielt außerdem das Zentrum vor der Abwehr dicht. Note: 2
Joshua Kimmich (ab 61. für Goretzka): Feierte sein 300. Bundesligaspiel als Joker, o.B.) © IMAGO/Noah Wedel
CALCIO
Raphaël Guerreiro (ab 61. für Serge Gnabry): Kam als Zehner zum Einsatz, o.B. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Lennart Karl: Einwechslung in der 68. Minute, feierte somit sein Bundesligadebüt – ohne Bewertung.
Lennart Karl (ab 77. für Olise): Der Youngster durfte auch noch für ein paar Minuten mitmischen, o.B. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
Nicolas Jackson: Ohne Einsatz im Kader.
Nicolas Jackson (ab 77. für Kane): Kam in der Schlussphase, vergab das 4:0 kurz vor Schluss o.B. © IMAGO/Ulrich Wagner
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader.
Wisdom Mike (ab 84. für Luis Diaz): Der Zahnspangen-Zauberer feierte zwei Tage nach seinem 17. Geburtstag sein Profidebüt, o.B. © IMAGO/Markus Ulmer
Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, VfB Stuttgart - FC Bayern München; 16.08.2025
Sven Ulreich: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader.
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Mladen Lackovic
02.08.2025, Fussball Testspiel, FC Bayern - Olympique Lyon
Minjae Kim: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Aleksandar Pavlovic: Schaltete sich häufig nach vorn ein und überzeugte mit Offensivläufen in den gegnerischen Strafraum. Note: 3
Aleksandar Pavlović: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
Josip Stanisic: Hinterlief immer wieder Olise und schaffte so zusätzliche Anspielstationen. Blieb defensiv konzentriert. Note: 3
Josip Stanisic: Verletzt nicht im Kader. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Jonas Urbig: Verletzt nicht im Kader. © IMAGO/Revierfoto
Jamal Musiala: Glänzte mit viel Spielfreude im Offensivzentrum, ließ sich immer wieder fallen und dribbelte von dort Löcher in Leverkusens Abwehr. Legte den Ball beim 1:0 präzise zurück, sodass Kane freistehend einschieben konnte. Bester Münchner Angreifer. Note: 1
Jamal Musiala: Verletzt nicht im Kader. © IMAGO/David Klein
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader.
Alphonso Davies: Verletzt nicht im Kader. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader.
Hiroki Ito: Verletzt nicht im Kader. © DeFodi/Imago

Sportlich nahm Thomas Tuchel einst eine wesentliche Änderung im zentralen Mittelfeld vor. Für ihn war Joshua Kimmich kein idealer Sechser. Er versetzte ihn auf die rechte Abwehrseite. Kompany nahm diese Entscheidung zurück und ließ Kimmich im Mittelfeld spielen. Unter Experten bleibt umstritten, ob Kimmich ein Sechser auf Top-Niveau ist. Man denke an seinen „Schlafmützen-Moment“ gegen Inter.

Die Konsequenz in der Personalie Kimmich hatte zur Folge, dass Thomas Tuchel einen defensiver ausgerichteten Sechser verpflichten wollte. Der Transfer von João Palhinha platzte in letzter Sekunde. Der Portugiese wurde aber ausgerechnet im Sommer 2024 im zweiten Anlauf geholt, da war Tuchel allerdings schon entlassen.

Kompany konnte in der vergangenen Saison wenig mit dem Tuchel-Erbe eines defensiven Sechsers anfangen. Palhinha kam kaum zum Einsatz, mittlerweile er auf Leihbasis für Tottenham Hotspur und blüht auf. So gilt es als wahrscheinlich, dass die Londoner ihre Kaufoption wahrnehmen. Der FC Bayern wäre dann ein weiteres unpassendes Tuchel-Erbe los.

Auch taktisch geht Kompany die Spiele anders an, was teamintern gut ankommen soll. Kompany setzt in großen Teilen des Spiels auf hohes Pressing und einen offensiven Spielstil. Abzulesen ist dies zum Beispiel an der Laufleistung: Unter Kompany sind die Bayern eine der lauffreudigsten Mannschaften in Europa, unter Tuchel waren sie eine der lauffaulsten Teams in der Bundesliga.

Allerdings hat jede Ausrichtung ihre Berechtigung: Tuchel ging es es darum, die Defensive zu stabilisieren. Angesichts eines für seine Vorstellungen kleinen Kaders, wollte er zudem mit einer kontrollierten Spielweise Kräfte sparen. Festzuhalten ist: Kompany sorgt mit seiner Spielphilosophie für mehr Spektakel und hat die Spieler dafür hinter sich.

Zuletzt hat sich Kompany auch eine komplett andere PR- und Kommunikationsstrategie in der Öffentlichkeit zugelegt. Er kritisiert keine einzelnen Spieler, selbst wenn sie Fehler begehen. Er dreht nahezu jedes Thema ins Positive oder sagt eben nichts dazu, um keine Angriffsfläche zu bieten. Tuchel setzte dagegen auch mal darauf, mit einer „Stunk-PK“ Spieler zu reizen und zu besseren Leistungen zu motivieren.

Tuchel und Kompany tun sich schwer mit Talentförderung beim FC Bayern

Zuletzt geht es noch um die Talentförderung beim FC Bayern. Auf den ersten Blick ähneln sich beide Coaches in ihrem Vorgehen: Für den Erfolg lassen sie die besten Spieler auflaufen, rotieren und wechseln dafür einen Tick zu wenig, was zumindest als Mit-Ursache für jeweils einen schwachen Saisonendspurt mit verletzten und energielosen Spielern gelten kann.

Tuchel baute Talent Aleksandar Pavlović in die Mannschaft ein, was allerdings notgedrungen geschah, weil er zu viele verletzte Spieler zu beklagen hatte. Kompany hat in seiner ersten Saison gar keine Talente gefördert, wird aber nun intern und öffentlich massiv dazu gedrängt, weshalb in der zweiten Saison vor allem Talent Lennart Karl seine Spielzeiten erhält.

Fazit: Kompany macht in wesentlichen Bereichen vieles deutlich anders als sein Vorgänger Thomas Tuchel, der jetzt die englische Nationalmannschaft trainiert. Doch erst die für Trainer verfluchte zweite Bayern-Saison wird zeigen, ob die „Anti-Tuchel-Methoden“ von Kompany sportlich mehr Erfolg erbringen.

Rubriklistenbild: © Imago, Ulrich Wagner / Imago, MIS / Collage: Canva

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