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Bayerns Sportvorstand im Interview

Max Eberl im Exklusiv-Interview mit Absolut Bayern über Real: „Da rollt eine Bestie auf uns zu“

Max Eberl steht mit dem FC Bayern vor der entscheidenden Saisonphase. Im Exklusiv-Interview mit Absolut Bayern blickt er auf den Kracher gegen Real Madrid und die Kaderplanung beim Rekordmeister.

Herr Eberl, wie bange haben Sie diese Länderspielwochen verfolgt?
Wir haben schon sehr genau hingeschaut, was passiert, weil die März-Abstellperiode 2025 für uns heftig war. Leider kann ich bei Ihnen in der Zeitung nicht auf Holz klopfen, aber das würde ich gerne. Wir sind froh, dass fast alle gesund zurück sind. Bei Harry müssen wir jetzt noch etwas abwarten, aber da denken wir eher an Tage.
Max Eberl hat als Sportvorstand maßgeblichen Anteil am Erfolg des FC Bayern München.
Sie haben mal gesagt: „Im Fußball ist höchstens 80 Prozent planbar.“ Hat man diese 80 Prozent nun also in der Vorbereitung auf den Real-Kracher erreicht?
Wir glauben, denken und fühlen, dass wir von den 80 Prozent viel geschafft haben. Dass wir uns in diese wunderbare Situation gebracht haben, uns auf die Crunchtime freuen zu können. Wir gehen Real mit der gebotenen Demut an, aber unser Selbstvertrauen ist groß nach den letzten sieben Monaten.

Max Eberl legt den Fokus trotz Real-Duell auf die Bundesliga

Wie viel Freiburg, wie viel Real ist in den Köpfen?
Unser Fokus liegt auf Freiburg. Wir wollen Meister werden, wir wollen die Punkte einfahren, um den Titel möglichst schnell fix zu machen. Insofern: Nur Freiburg, ab Samstagabend dann Real.
Jamal Musiala fehlt noch, Bundestrainer Julian Nagelsmann sagte auch mit Blick auf die WM: „Er hat nicht mehr viel Zeit.“ Macht man ihm unnötig Druck?
Wichtig ist, dass Jamal selber an die 100 Prozent kommen möchte. Das Kribbeln steigt auch bei ihm, er macht sich da selbst ja am meisten Druck. Er will seine Leistung bringen, seine Fähigkeiten zeigen – um zuerst uns und dann dem deutschen Fußball bei der WM helfen zu können. Dafür hat er genug Zeit.

Guardiola, De Bruyne, Neuer: Die wichtigsten Weggefährten von Bayern-Trainer Vincent Kompany

Vercauteren war einer der ersten Trainer, der Kompany volles Vertrauen schenkte und ihn schon als Teenager als Abwehrchef einsetzte. Das Verhältnis war geprägt von Respekt und gegenseitigem Verständnis.
Vercauteren war einer der ersten Trainer, der Kompany volles Vertrauen schenkte und ihn schon als Teenager als Abwehrchef einsetzte. Das Verhältnis war geprägt von Respekt und gegenseitigem Verständnis. © ETIENNE ANSOTTE
Kompany und Vanden Borre galten als die größten belgischen Talente ihrer Generation. Beide spielten gemeinsam in der Anderlecht-Jugend und debütierten früh in der ersten Mannschaft, verbunden durch eine enge Jugendfreundschaft.
Kompany und Vanden Borre galten als die größten belgischen Talente ihrer Generation. Beide spielten gemeinsam in der Anderlecht-Jugend und debütierten früh in der ersten Mannschaft, verbunden durch eine enge Jugendfreundschaft. © VINCENT VAN DOORNICK
Huub Stevens war Kompanys Trainer in seiner Zeit beim HSV und vermittelte ihm die Bedeutung taktischer Disziplin und defensiver Organisation. Das Verhältnis war von Respekt geprägt, auch wenn Kompanys Verletzungen verhinderten, dass sich ihre Zusammenarbeit langfristig entfalten konnte.
Huub Stevens war Kompanys Trainer in seiner Zeit beim HSV und vermittelte ihm die Bedeutung taktischer Disziplin und defensiver Organisation. Das Verhältnis war von Respekt geprägt, auch wenn Kompanys Verletzungen verhinderten, dass sich ihre Zusammenarbeit langfristig entfalten konnte. © IMAGO / pmk
Beim HSV war Van der Vaart Mannschaftskapitän und ein Leitbild für den jungen Kompany. Der Belgier lernte von ihm, wie man auf und neben dem Platz Verantwortung übernimmt.
Beim HSV war Van der Vaart Mannschaftskapitän und ein Leitbild für den jungen Kompany. Der Belgier lernte von ihm, wie man auf und neben dem Platz Verantwortung übernimmt. © IMAGO / Norbert Schmidt
De Jong und Kompany verband eine enge Freundschaft, die über ihre gemeinsame Zeit in Hamburg hinausging. Beide wechselten später in die Premier League und blieben in Kontakt.
De Jong und Kompany verband eine enge Freundschaft, die über ihre gemeinsame Zeit in Hamburg hinausging. Beide wechselten später in die Premier League und blieben in Kontakt. © IMAGO / Thorge Huter
Joe Hart war über Jahre hinweg einer von Kompanys engsten Teamkollegen und Führungspartnern bei Manchester City. Beide verkörperten als Kapitän und Torhüter das Rückgrat der Mannschaft, teilten den Anspruch auf Professionalität und prägten die Siegermentalität, die Citys Aufstieg ermöglichte.
Joe Hart war über Jahre hinweg einer von Kompanys engsten Teamkollegen und Führungspartnern bei Manchester City. Beide verkörperten als Kapitän und Torhüter das Rückgrat der Mannschaft, teilten den Anspruch auf Professionalität und prägten die Siegermentalität, die Citys Aufstieg ermöglichte. © IMAGO/Simon Bellis
Mancini machte Kompany 2011 zum Kapitän von Manchester City und vertraute ihm als Abwehrchef. Gemeinsam gewannen sie 2012 den ersten Premier-League-Titel für City seit 44 Jahren.
Mancini machte Kompany 2011 zum Kapitän von Manchester City und vertraute ihm als Abwehrchef. Gemeinsam gewannen sie 2012 den ersten Premier-League-Titel für City seit 44 Jahren. © Back Page Images/Shutterstock via www.imago-images.de
Unter Pellegrini blieb Kompany der Abwehrchef und Kapitän von Manchester City. Beide verband gegenseitiger Respekt – Pellegrini schätzte besonders Kompanys Führungsstärke und Professionalität.
Unter Pellegrini blieb Kompany der Abwehrchef und Kapitän von Manchester City. Beide verband gegenseitiger Respekt – Pellegrini schätzte besonders Kompanys Führungsstärke und Professionalität. © IMAGO/Philip Oldham
Kompany und Benteke spielten jahrelang gemeinsam für Belgien. Ihr Verhältnis war kollegial und respektvoll, beide galten als zentrale Figuren der „goldenen Generation“.
Kompany und Benteke spielten jahrelang gemeinsam für Belgien. Ihr Verhältnis war kollegial und respektvoll, beide galten als zentrale Figuren der „goldenen Generation“. © IMAGO/Nico Vereecken
Kompany und Touré bildeten das Rückgrat des City-Teams unter Mancini und Pellegrini. Sie respektierten sich als Führungsspieler mit ähnlichem Siegeswillen.
Kompany und Touré bildeten das Rückgrat des City-Teams unter Mancini und Pellegrini. Sie respektierten sich als Führungsspieler mit ähnlichem Siegeswillen. © Kieran Mcmanus/BPI/Shutterstock via www.imago-images.de
Kompany und Touré bildeten das Rückgrat des City-Teams unter Mancini und Pellegrini. Kompany übernahm auch die Geschenk-Übergabe bei Toures Verabschiedung.
Kompany und Touré feierten beide große Erfolge mit ManCity. Kompany übernahm auch die Geschenk-Übergabe bei Toures Verabschiedung. © Matt McNulty/Jmp/Shutterstock via www.imago-images.de
Arteta war Assistenztrainer, während Kompany als Kapitän spielte. Beide arbeiteten eng zusammen, und Kompany schätzte Artetas analytische Herangehensweise und seine ruhige, detailorientierte Art auf dem Trainingsplatz
Arteta war Assistenztrainer, während Kompany als Kapitän spielte. Beide arbeiteten eng zusammen, und Kompany schätzte Artetas analytische Herangehensweise und seine ruhige, detailorientierte Art auf dem Trainingsplatz. © Javier Garcia/BPI/Shutterstock via www.imago-images.de
Arteta war während Kompanys letzter Jahre bei City Assistenztrainer unter Guardiola. Außerdem trafen die beiden anschließend auch als Trainer aufeinander.
Arteta war während Kompanys letzter Jahre bei City Assistenztrainer unter Guardiola. Außerdem trafen die beiden anschließend auch als Trainer aufeinander. © IMAGO/Steven Paston
Silva war Citys kreativer Kopf, während Kompany der defensive Anker war – beide führten das Team über Jahre als stille, aber bestimmende Persönlichkeiten. Ihr Verhältnis war von professioneller Harmonie geprägt.
Silva war Citys kreativer Kopf, während Kompany der defensive Anker war – beide führten das Team über Jahre als stille, aber bestimmende Persönlichkeiten. Ihr Verhältnis war von professioneller Harmonie geprägt. © "Schalke 04 v Manchester City"
Kompany und Agüero standen für Citys goldene Ära: Der eine sicherte hinten, der andere entschied Spiele vorne. Sie verband großer gegenseitiger Respekt und gemeinsame Titel.
Kompany und Agüero standen für Citys goldene Ära: Der eine sicherte hinten, der andere entschied Spiele vorne. Sie verband großer gegenseitiger Respekt und gemeinsame Titel. © Kieran Mcmanus/BPI/Shutterstock via www.imago-images.de
Unter Guardiola entwickelte sich Kompany taktisch enorm weiter. Guardiola sah in ihm schon früh einen künftigen Trainer und nannte ihn „einen Coach, der noch spielt“.
Unter Guardiola entwickelte sich Kompany taktisch enorm weiter. Guardiola sah in ihm schon früh einen künftigen Trainer und nannte ihn „einen Coach, der noch spielt“. © Martin Rickett
Als Trainer verbindet beide ein enges, respektvolles Verhältnis. Guardiola gilt als Kompanys größter Mentor, während Kompany bei Burnley viele seiner Ideen – Ballbesitz, Struktur, Pressing – in eigener Form umsetzt; beide stehen für modernen, mutigen Fußball mit klarer Spielphilosophie.
Als Trainer verbindet beide ein enges, respektvolles Verhältnis. Guardiola gilt als Kompanys größter Mentor, während Kompany bei Burnley viele seiner Ideen – Ballbesitz, Struktur, Pressing – in eigener Form umsetzt; beide stehen für modernen, mutigen Fußball mit klarer Spielphilosophie. © IMAGO/Mark Cosgrove/News Images
Kompany und Sané spielten gemeinsam bei City, wo Sané als junger Flügelspieler aufblühte. Kompany unterstützte ihn als Kapitän und half ihm, sich taktisch und mental in der Premier League zu entwickeln.
Kompany und Sané spielten gemeinsam bei City, wo Sané als junger Flügelspieler aufblühte. Kompany unterstützte ihn als Kapitän und half ihm, sich taktisch und mental in der Premier League zu entwickeln. © Paul Currie/BPI/Shutterstock via www.imago-images.de
Sané spielt bei Bayern, während Kompany als Trainer tätig ist. Kompany fördert Sané taktisch und strategisch, wobei er seine Erfahrung als Führungsspieler nutzt, um Sanés Spielintelligenz und Rolle im Team zu stärken.
Sané spielt bei Bayern, während Kompany als Trainer tätig ist. Kompany fördert Sané taktisch und strategisch, wobei er seine Erfahrung als Führungsspieler nutzt, um Sanés Spielintelligenz und Rolle im Team zu stärken. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
De Bruyne und Kompany standen über Jahre gemeinsam für Belgien auf dem Platz. Kompany war Kapitän und Mentor, während De Bruyne als kreativer Spielmacher aufblühte; beide verband ein kollegiales, respektvolles Verhältnis.
De Bruyne und Kompany standen über Jahre gemeinsam für Belgien auf dem Platz. Kompany war Kapitän und Mentor, während De Bruyne als kreativer Spielmacher aufblühte; beide verband ein kollegiales, respektvolles Verhältnis. © IMAGO / Pro Shots
Bei City spielten sie eng zusammen, wobei Kompany als Kapitän die Abwehr führte und De Bruyne das Offensivspiel orchestrierte. Die beiden freundeten sich in erfolgreichen Titeljahren an.
Bei City spielten sie eng zusammen, wobei Kompany als Kapitän die Abwehr führte und De Bruyne das Offensivspiel orchestrierte. Die beiden freundeten sich in erfolgreichen Titeljahren an. © BPI/Shutterstock via www.imago-images.de
Bellamy wurde Kompanys wichtigster Coaching-Partner, zunächst bei Anderlecht, dann bei Burnley. Beide teilen dieselbe Leidenschaft für intensive, moderne Fußballphilosophie.
Bellamy wurde Kompanys wichtigster Coaching-Partner, zunächst bei Anderlecht, dann bei Burnley. Beide teilen dieselbe Leidenschaft für intensive, moderne Fußballphilosophie. © IMAGO/Jimmy Bolcina
Kompany förderte Lokonga als Trainer bei Anderlecht und machte ihn zum Kapitän. Der junge Belgier bezeichnete Kompany später als seinen wichtigsten Mentor. Ebenfalls wichtiger Spieler im Team: Felix Nmecha.
Kompany förderte Lokonga als Trainer bei Anderlecht und machte ihn zum Kapitän. Der junge Belgier bezeichnete Kompany später als seinen wichtigsten Mentor. Ebenfalls wichtiger Spieler im Team: Felix Nmecha. © IMAGO/Vincent Van Doornick
Kompany machte Josh Brownhill, Nathan Tella und Anass Zaroury zu zentralen Figuren seines Systems. Beim FC Burnley waren diese Spieler eine wichtige Stütze für Kompany.
Kompany machte Josh Brownhill, Nathan Tella und Anass Zaroury zu zentralen Figuren seines Systems. Beim FC Burnley waren diese Spieler eine wichtige Stütze für Kompany. © IMAGO/Neal Simpson/Shutterstock
Bei Bayern arbeiten Kompany als Trainer und Neuer als Kapitän eng zusammen. Kompany vertraut auf Neuers Erfahrung und Führungsqualitäten, während Neuer Kompanys taktische Vorgaben auf dem Platz umsetzt und als verlängerter Arm des Trainers agiert.
Bei Bayern arbeiten Kompany als Trainer und Neuer als Kapitän eng zusammen. Kompany vertraut auf Neuers Erfahrung und Führungsqualitäten, während Neuer Kompanys taktische Vorgaben auf dem Platz umsetzt und als verlängerter Arm des Trainers agiert. © IMAGO
Eigentlich wollte er jetzt schon wieder topfit sein.
Das war eine wirklich schwere Verletzung, ein extremer Einschlag. Das macht etwas mit Dir als Fußballer. Uns war klar, dass der Prozess der Rückkehr dauern wird. Es bedarf dieser Zeit, physisch wie psychisch, auch wenn sie gefühlt höllenlang ist. Der kleine Rückschlag gegen Bergamo – das geht in Wellen auf und ab. Wir geben ihm Ruhe und Vertrauen, signalisieren ihm Gelassenheit, damit er im Kopf frei sein kann. Und wenn er demnächst dann wieder einen goldenen Moment kreiert, sobald er ins Spiel kommt, ist die Verletzung mit einem Wimpernschlag vergessen.
Womit wir beim Thema wären: Viertelfinale gegen Real, das Pokalfinale in Berlin zum Greifen nahe, Vincent Kompany verzückt: Wie viel Spaß macht es aktuell, Sportvorstand des FC Bayern zu sein?
Es ist deutlich angenehmer, wenn du beim FC Bayern Ergebnisse bringst und eine sehr stabile sportliche Situation hast. Einen Perspektivkader, eine gute Chemie in der Mannschaft, einen herausragenden Trainer, ein vergleichsweise ruhiges Umfeld – und die Spiele der Spiele vor der Brust. Man darf das genießen, sich aber nicht zurücklehnen.
Max Eberl im Exklusiv-Interview mit den Absolut-Bayern-Reportern Manuel Bonke und Hanna Raif.
Man merkt die Euphorie in der Arena. Uli Hoeneß sagt, die Stimmung sei „neuerdings außergewöhnlich“, auch Karl-Heinz Rummenigge geht wieder „gerne ins Stadion“.
In den vergangenen 18 Monaten haben wir einiges bis vieles umgesetzt. Nicht nur bei der Mannschaft und dem Trainer, sondern vor allem bei der Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen. Wir spüren, dass die Zuschauer sich freuen. Weil wir Lust haben – das überträgt sich. Diese Energie ist unsere neue Qualität.
Dann beamen wir Sie mal auf den Arena-Sitz: 15. April, 21 Uhr – Vorfreude oder Muffensausen?
Ich weiß ja jetzt noch nicht, wie das Hinspiel läuft (lacht). Aber ich glaube, dass ich im Rückspiel nicht entspannt im Sitz sitzen werde, sondern nervös. Auch wenn bei Real in dieser Saison eine Zeit lang nicht alles top war, rollt eine Bestie auf uns zu, die weiß, wann sie zubeißen muss. Und wir müssen genau dafür bereit sein.
Ist das Spiel 50:50 – oder schwingt das Pendel doch in Richtung Bayern aus?
Was wir uns erarbeitet haben, gibt uns ein gutes Gefühl. Aber Real ist nicht umsonst der Rekord-Champions-League-Sieger, der genau in solchen Momenten noch mal eine besondere Magie entwickeln kann. Wir sind trotzdem so selbstbewusst, dass wir sagen können, dass es ein 50:50-Spiel ist.

„Wir wissen um Reals Qualität – und wir wissen vor allem um unsere“

Max Eberl über die Marschroute gegen Real Madrid
Ist es auch das neue Selbstverständnis, bei Real das Bayern-Spiel durchzudrücken?
Zum Glück bin ich nicht der Trainer (lacht). Aber wir haben in dieser Saison auch schon gegen große Gegner gezeigt, dass wir uns treu bleiben. Wir wissen um Reals Qualität – und wir wissen vor allem um unsere.
Was macht es mit der Psyche, wenn man acht Mal hintereinander nicht gewinnen konnte?
Ich bin ein Statistik-Freund. So eine Statistik kommt nicht von ungefähr – und soll ja auch spürbar machen, wie kompliziert die Aufgabe ist. Die heutige Ausgangslage in Kombination mit der Statistik hält die Anspannung hoch. Auch wenn wir gerade eine gute Phase haben: Wir müssen hochachtsam sein, um dieses Duell für uns zu entscheiden.
Ist der Kompany-Faktor vor solch großen Spielen noch größer als ohnehin?
Wir spüren diesen Faktor jeden Tag. Vincent Kompany hat sich seit unserem ersten Gespräch nicht verändert, nur weiterentwickelt. Die Erfahrung, die er als Kapitän einer großen Mannschaft gemacht hat, überträgt er vor jedem Spiel. Diese Qualität ist großartig, seine Gelassenheit tut uns sehr gut.
Sagen Sie das nicht zu laut! Ganz Europa blickt auf ihn.
Das sollen sie ruhig, er hat bis 2029 Vertrag (schmunzelt). Auch wenn er erst 40 wird: Er gehört schon jetzt zur ganz großen Trainer-Gilde. Weil er ein sehr schlauer, intelligenter Mensch ist. Das Wort Mensch bitte unterstreichen! Die Leute hatten schon immer Respekt vor ihm. Aber er lässt diesen Respekt jeden Tag wachsen. Indem er einfach er selber ist.

„Das hat mir schon ein gutes Gefühl gegeben“

Max Eberl zum Ritterschlag von Uli Hoeneß
Hoeneß hat über den Moment gesprochen, in dem er Ihnen im ersten Gespräch mit Kompany den „Daumen hoch“ gezeigt hat. War das wie ein Ritterschlag für Sie?
In dem Moment habe ich gefühlt, dass der Rest der Gruppe sofort dasselbe von Vinnie dachte wie ich. Es gab dann den Schlag von Uli auf meinen Oberschenkel – Gott sei Dank nicht zu hart – und den Daumen nach oben. Das hat mir schon ein gutes Gefühl gegeben.
Ist er eigentlich schon mal so wütend geworden wie einst in Burnley?
Kurz und knapp: Ja! Weil er authentisch ist – und daher rauslässt, was er fühlt.
Und können Sie auch Feierbiest sein? Vielleicht bei einem Sieg gegen Real?
Ich bin ein kontrolliertes Feierbiest (lacht). Früher habe ich Erfolge zu wenig gefeiert, aber inzwischen gelernt, dass man das auch mal machen darf. Allerdings weiter auf meine Weise, als stiller Genießer. Mir gibt es Freude, wenn ich die strahlenden Menschen sehe. Dafür muss ich nicht auf dem Tisch tanzen oder Zigarre rauchen.

Max Eberl blickt mit Leidenschaft auf die Aufgabe der Kaderplanung

Was macht Sie stolzer: Leistungsträger in Topform – oder elf Debütanten vom Campus?
50:50. Aber man kann das eine auch nicht losgelöst vom anderen betrachten. Meine Aufgabe ist klar: Du sollst Kaderkosten reduzieren, Qualität haben, den Campus integrieren – das hört sich erstmal simpel an. Aber das zu schaffen, bedarf viel Arbeit, Ruhe und Klarheit. Gerade weil wir den Campus integrieren, werden Arrivierte noch schneller zu Leistungsträgern, weil sie noch mehr die Richtung vorgeben müssen. Wir haben Junge, die nach oben drücken – und „Alte“, die bereit sind, Führung zu übernehmen. Das ist Gold wert!
Mit Verlaub: simpel klingt Ihr Jobprofil nicht.
Es macht mir Spaß, den Kader zusammenzustellen. Aber ich gebe schon zu, dass die Aufgaben, die wir hatten und haben, groß sind. Trotzdem kann ich selbstbewusst sagen, dass wir schon viel geschafft haben. Bewusst machen wir die Arbeit parallel und nicht nacheinander: Bei der Forderung der Reduzierung der Kaderkosten die gleichzeitige Sicherung der sportlichen Stärke. Denn sonst wären wir heute nicht da, wo wir sind. Wir im Sport haben uns stets für alles eingesetzt, was wir für machbar halten.
…und die finanziellen Vorgaben hier und da ausgereizt.
Wir sind schon auch mal an der Kante gesegelt. Aber wir sind auf einem guten Weg, auch wenn er steinig ist. Einer, zu dem kontroverse Diskussionen übrigens dazugehören. Ich kann für mich sagen: Sie finden immer auf einer guten Ebene statt.

„Sie wollen das Beste für den Verein. Genau wie ich übrigens“

Max Eberl über die Diskussionen mit den Bayern-Granden
Mit wem diskutieren Sie denn am liebsten?
Zuerst mit Vinnie und Christoph über die Spieler, in den Gesprächen mit Jan (Dreesen), kommt dann außerdem noch der finanzielle Aspekt dazu. Des Weiteren mit dem Aufsichtsrat um Herbert Hainer, Uli und Kalle, die sowieso ins Spiel kommen, wenn die Summen größer werden. Diskussionen mit ihnen sind einfach „FC Bayern“. Sie wollen das Beste für den Verein. Genau wie ich übrigens.
Was war Ihr größter Lerneffekt in München?
Ein Stück weit das wegzudrängen, was von außen an dich herangetragen wird. Ich wurde in meiner ganzen Karriere immer mit Argusaugen beobachtet.
Inwiefern?
Als ich in Gladbach anfing, bin ich laut Berti Vogts zufällig mit dem Fahrrad vorbeigefahren und habe den Job nur deswegen bekommen. Das war ein Moment, in dem ich Uli Hoeneß angerufen habe und meinte: „Soll ich was sagen?“ Uli meinte damals: „Max, mach deinen Job! Und wenn du deinen Job gemacht hast, dann kannst du was sagen.“ Ich war nie damit gesegnet, dass alle gesagt haben: Gott sei Dank, der Max ist da. Es war eher immer: Der Eberl, was ist das für einer? Ich musste mir alles erarbeiten. Das war in Gladbach so – und ist auch hier so.
Selbst wenn der FC Bayern in der Champions League gegen Real und im Pokal gegen Leverkusen ausscheiden sollte, hat man den Eindruck, dass die gesamte sportliche Leitung fest im Sattel sitzt.
Klar, am Ende zählen für viele Pokale – aber ich finde, dass sich das, was wir in den vergangenen zwei Jahren gemacht haben, schon sehen lassen kann. Wir haben einen Trainer, der wächst. Wir haben einen Verein, der zusammensteht. Wir haben einen Kader, der immer noch Potenziale hat. Diesen Weg möchten wir weitergehen.
Trotzdem hat Uli Hoeneß letztens in einem Interview auf die Frage nach ihrer Vertragsverlängerung als Sportvorstand sehr defensiv reagiert. Wünschen Sie sich mehr Rückendeckung?
Das sind wir wieder beim Thema Lernen: Da habe ich gelernt, wie es bei Bayern läuft. Wenn ich meinen Job für den FC Bayern gut mache, werden die Menschen, mit denen ich häufig diskutiere und spreche, auch ihre Entscheidungen treffen.
Macht Sie das nicht nervös?
Früher hätte es mich sehr nervös gemacht. Heute sage ich mit meiner erlernten Gelassenheit: Hey, ich mach mein Ding – und dann wird man mir sagen, ob man zufrieden ist oder nicht. Das kann ich tun, alles andere kann ich nicht beeinflussen. Ich spüre in Gesprächen, die nicht in der Öffentlichkeit stattfinden, natürlich schon ein paar Dinge mehr. Wie gesagt: Ich bin ruhig und fokussiere mich auf das, was auf dem Platz passiert.

Max Eberl lobt Berater-Ansatz von Karl-Heinz Rummenigge

Wie stehen Sie zur aktuellen Berater-Kritik?
Ein komplexes Thema. Ich glaube, dass der Ansatz von Karl-Heinz Rummenigge der richtige ist: Dass ein Stück weit auch die Politik helfen oder einschreiten muss – vor allem in Europa. Es gibt aber auch viele vernünftige Berater. Natürlich hat der Fußball so viel Geld, dass jeder davon profitieren will. Wo wir aufpassen müssen: dass nicht zu viel Geld aus dem Markt raus geht, sondern im Markt bleibt – auch hier bin ich bei Kalle.
Verursachen vor allem Vertragsverlängerungen graue Haare?
Sagen wir so: Auch diese internen Transfers, wie ich sie nenne, können teuer sein. Gerade wenn ich über Topspieler spreche. Aber dann muss man immer Quervergleiche ziehen: Das habe ich mit dem jungen Jeremy Jaqucet im Zuge der Verlängerung mit Dayot Upamecano gemacht. Der kostet nach 19 Ligue-1-Spielen 70 Millionen Euro. Das ist der andere Weg.
Einen solchen Spieler kann man aber abschreiben.
Aber auch das kostet alles Geld. Es geht immer darum: Wie viel Schmerz bin ich im Sport bereit, meinem Aufsichtsrat oder Jan-Christian Dreesen als CEO auf den Tisch zu legen und zu sagen: Dafür würde ich es noch machen? Das ist dann genau die Diskussion, die entsteht. Wenn es dann heißt: Eberl gegen den Aufsichtsrat oder Dreesen gegen Eberl – das hat nichts mit „gegen“ zu tun.
Sondern?
Ich mache meinen Part, den man von mir erwartet und dann muss man mir sagen, ob man zustimmt – oder nicht. Zähneknirschend? Jubelnd? Das ist das Gespräch, das wir führen müssen. Und wenn man mir sagt: „Max, das ist zu teuer“, dann ist das kein Problem für mich. Dann müssen wir eben diesen anderen Weg gehen. Dann muss uns aber klar sein, dass wir einen anderen Spieler kaufen müssen – wenn wir die Qualität behalten wollen, der vielleicht 50, 60 oder 70 Millionen Euro kostet. Wohlwissend, dass der Spieler eventuell erst 19 oder 20 Jahre alt ist und noch nicht das europäische Top-Niveau hat.

Bayerns-Sportvorstand Max Eberl gibt Einblicke in Neuers Zukunft

Es stehen noch einige interne Transfers in nächster Zeit an: Manuel Neuer.
Er ist jetzt 40 geworden, wir haben ihn hochleben lassen. Wir haben in den vergangenen 14 Tagen nochmal gesprochen: Manu wird sich jetzt für die wichtigen Spiele im April vorbereiten und dann werden wir uns hinsetzen und reden.
Irgendwann muss man ja auch planen, wie es auf der Torwart-Position weitergeht.
Geduld ist keine Stärke von mir, ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Und trotzdem ist es ratsam, manchmal den einen Moment zu warten, statt etwas übers Knie zu brechen.
Ihr Wunsch-Szenario?
Wenn Manu Bock hat, sich entsprechend fühlt, bereit ist, und unsere Vorstellungen übereinander passen, kann ich mir eine Verlängerung gut vorstellen.

„Ich sehe ihn, ich spüre ihn. Er fühlt sich sauwohl“

Max Eberl über die Vertragssituation von Harry Kane
Und wie sieht es bei Harry Kane aus?
Mit ihm werden wir im Sommer sprechen.
Ihr Gefühl?
Ich sehe ihn, ich spüre ihn. Er fühlt sich – etwas salopp formuliert – sauwohl. Er holt Titel mit der Mannschaft, gewinnt zudem persönliche Auszeichnungen und bricht Rekorde en masse. Seine Wertschätzung ist seit seinem Wechsel zum FC Bayern sogar in seiner Heimat England noch einmal eine ganz andere geworden.
Die Wertschätzung ist für den FC Bayern auch eine ganz andere, wenn man sagen kann: Kane bleibt und Michael Olise ist unverkäuflich – komme, wer wolle und biete jeder, was er will.
Das ist etwas, weshalb ich mich besonders auf die Arbeit beim FC Bayern gefreut habe: Dass man hier sagen kann, ich verkaufe einen Spieler nicht. Das musste ich in Gladbach und auch in Leipzig.
Also steht das Basta bei Olise?
Er hat einen Vertrag bis 2029 – mehr muss ich dazu nicht sagen.

Interview: Hanna Raif und Manuel Bonke

Rubriklistenbild: © Imago

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