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Muskelbündelriss bei DFB-Juwel
Experte sieht im Karl-Drama Chance für die Nationalmannschaft bei der WM
Lennart Karl verpasst wegen einem Muskelbündelriss die WM. Trotzdem kann das Drama um den 18-Jährigen die Mannschaft beim Turnier beflügeln.
Nur wenige Stunden nach dem Verletzungsschock um Lennart Karl brachte es Lothar Matthäus trotz all der Tragik mal wieder auf den Punkt. „Er hat Gott sei Dank noch ein Alter, wo es wahrscheinlich nicht die letzte Weltmeisterschaft ist, sondern er hat noch drei, vier vor sich. Und da drücken wir die Daumen, aber jetzt erst mal dieser Schock, den muss er auch im Kopf verarbeiten“, sagte der Rekord-Nationalspieler bereits am Freitagabend bei der „DFB x Volkswagen Rooftop Night“ in Chicago und erklärte: „Ich glaube, er hat einfach so viel Spaß beim Fußball, dass er sagt: Okay, das ist eben dieser traurige Moment den ich jetzt mitnehme. Vielleicht macht ihn das noch stärker. Ich drücke ihm die Daumen, dass er schnellstmöglich wieder gesund wird.“
Bei der gleichen Veranstaltung verriet DFB-Präsident Bernd Neuendorf, dass die Verabschiedung von Karl äußerst emotional war: „Julian (Nagelsmann, Anm.d.Red.) war da, hat noch ein paar Worte gesagt, die ganze Mannschaft war da. Er hat auch noch ein paar Worte gefunden, obwohl ihm das schwergefallen ist. Er war extrem traurig. Es sind auch, glaube ich, schon ein paar Tränen geflossen.“ Für den 18-Jährigen ist es wichtig, dass er nach dem geplatzten WM-Traum nicht in ein mentales Loch fällt. Dabei helfen ihm der FC Bayern, seine Eltern Caro und Steffen sowie Freundin Zoe Käppele.
„Aus mentaler Sicht steht jetzt etwas anderes im Mittelpunkt: Lennart Karl erlebt nicht nur eine Verletzung, sondern den plötzlichen Verlust eines großen sportlichen Traums. Für einen jungen Spieler, der kurz vor seiner ersten Weltmeisterschaft steht, ist das ein enormer emotionaler Einschnitt“, erläutert Andreas Bosch, Vorsitzender des Deutschen Bundesverbandes Sportmentaltraining, gegenüber Absolut Fußball und analysiert: „Die größte Herausforderung besteht nun darin, die Enttäuschung zuzulassen, ohne sich von ihr definieren zu lassen. Mentale Stärke bedeutet in solchen Situationen nicht, stark wirken zu müssen. Mentale Stärke bedeutet, den Rückschlag anzunehmen und den Fokus Schritt für Schritt auf die eigene Entwicklung und den Rehaprozess zu richten.“
WM-Generalprobe mühsam geglückt: Die Einzelkritik der DFB-Elf gegen die USA
Der Mental-Experte sieht im Drama um Karl sogar eine Chance für die deutsche Nationalelf: „Auch für die Mannschaft ist ein solcher Ausfall spürbar. Wenn ein Mitspieler kurz vor einem Großereignis ausfällt, entsteht zunächst Betroffenheit. Gleichzeitig können solche Ereignisse den Zusammenhalt einer Gruppe stärken. Häufig entwickelt sich daraus eine zusätzliche Motivation, als Team noch enger zusammenzurücken.“ Was diese These untermauert: Beim 2:1 gegen die USA sorgte Karl-Ersatz Leroy Sané für den Siegtreffer.
Für Karl sei es laut Bosch entscheidend, die Verletzung nicht als Endpunkt einer Geschichte zu betrachten, sondern als Teil seiner Entwicklung: „Viele erfolgreiche Karrieren werden nicht durch die Höhepunkte geprägt, sondern durch die Art und Weise, wie mit Rückschlägen umgegangen wird.“