Fußball-WM
Elefanten gegen die deutsche Mauer
Deutschlands nächster Gegner Elfenbeinküste stärkt Selbstvertrauen. Nicht nur Diomande kann Spiele entscheiden, wie der Auftakt gegen Ecuador zeigt.
Die dunklen Wolken hatten sich schon am Abend bei der schwülwarmen Witterung über dem Lincoln Financial Field in Philadelphia zusammengebraut. Nur gut, dass sich das gewaltige Gewitter über diesem Teil von Pennsylvania erst nach Abpfiff des Gruppenspiels zwischen der Elfenbeinküste und Ecuador (1:0) entlud.
Mehr als 50.000 Anhänger der Ecuadorianer in der voll besetzten Heimspielstätte des zweifachen Super-Bowl-Champions Philadelphia Eagles wären sonst pitschnass geworden – aber hatten sie sich nicht ohnehin wie begossene Pudel auf den Heimweg gemacht? Eine Last-Minute-Niederlage bringt „La Tri“ vermutlich im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland (25. Juni) unter Zugzwang.
Deutschland gegen Elfenbeinküste: Elefanten gegen die deutsche Mauer
Hingegen hat der Afrikameister von 2004 seine Brust vor dem Aufeinandertreffen mit der DFB-Auswahl fünf Tage zuvor in Toronto (Samstag 22 Uhr MESZ/ZDF und Magenta) gestärkt. Nationaltrainer Emerse Faé will nun auch dem vierfachen Weltmeister die Stirn bieten. „Es wird ein schwieriges Spiel. Sie haben wahnsinnig viel Erfahrung und enorme Offensivkraft. Aber wir werden alles geben, um unsere Qualitäten durchzubringen und die deutsche Mauer einzureißen.“ Eine Ansage, des ansonsten nicht für markige Worte bekannten 42-Jährigen.
Nach dem Einreiseverbot für die eigenen Fans konnte wenigstens die kleine Gruppe in orangefarbenen Klamotten hinter der Trainerbank mit der Aufschrift „Côte d‘Ivoire“ tanzen, singen und lachen. Diese Schar aus der ivorischen Diaspora – in Europa und Nordamerika leben mehr als eine Million ivorische Menschen – feierte das Erweckungserlebnis der „Elefanten“ ausgelassen. Gelingt es den Erben eines Didier Drogba, beim vierten Anlauf erstmals in der Geschichte eine WM-Vorrunde zu überstehen?
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„Wir sind nicht nur hier, um teilzunehmen. Wir wollen Geschichte schreiben“, versprach Jungstar Yan Diomande, der zu Recht die Auszeichnung zum „Spieler des Spiels“ einheimste. Der Rechtsaußen von RB Leipzig vereine Tempo, Talent und Lernwille, wie Faé schwärmte: „Er ist ein Killer, er hat den Teamspirit – und er hört dem Trainerstab zu.“
Dem 19-Jährigen würden in diesem Sommer bereits alle Türen offenstehen – er solle die „beste Entscheidung“ treffen. Die Bundesliga ist das offenbar nicht mehr. Wenn es Nathaniel Brown gelingt, den Unterschiedsspieler mit der Nummer elf in Schach zu halten, wäre gegen den Fifa-Weltranglisten-33. schon viel gewonnen.
Doch der Diomande-Hype darf nicht darüber hinwegtäuschen: Dieses westafrikanische Ensemble ist nicht allein von einem Individualisten abhängig. Die letzte entscheidende überfallartige Attacke bereitete der aufgerückte Rechtsverteidiger Wilfried Singo vor und Joker Amad Diallo vollendete gekonnt (90.). Wie schon im WM-Test gegen Frankreich hatte der 23-Jährige von Manchester United auch in diesem intensiven, temporeichen und spannenden WM-Gruppenspiel spät zugeschlagen.
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Zuvor hatte der erst kürzlich eingebürgerte Elye Wahi, von Eintracht Frankfurt zuletzt nach Nizza verliehen, zwar im Abschluss weniger glücklich gewirkt, aber auch nicht enttäuscht. Interessant: Die ehemaligen Bundesligaprofis mit dem Ex-Frankfurter Evan Ndicka und dem früheren Leverkusener Odilon Kossounou saßen wegen Muskelbeschwerden zur Schonung draußen. Der Kader der Elfenbeinküste vereint genügend Qualität auch auf der Bank – und ohnehin eine beeindruckende Körperlichkeit.
Wer sich gegen diese Athleten nicht wehrt, hat schon verloren. Den Auftrag fürs zweite Spiel hat Nationalcoach Faé klar formuliert: „Wir treten an, um zu gewinnen und uns schon im zweiten Spiel für die K.o.-Phase zu qualifizieren.“ Was braut sich da für die Deutschen zusammen?
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