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Emotionales Aus
Eintracht und Toppmöller schaffen eine würdige Trennung
Pressemitteilungen sagen viel aus nach Entlassungen. Eintracht Frankfurt trifft bei Dino Toppmöller den richtigen Ton, meint Christopher Michel.
Frankfurt – Ein langes und emotionales Statement eines Trainers in einer Pressemitteilung, in der die Entlassung verkündet wird? Das ist selten. Eintracht Frankfurt hat Dino Toppmöller diesen Raum gelassen. Acht Sätze des Coaches, der am Sonntagvormittag freigestellt wurde, geben tiefen Einblick in dessen Gefühlswelt.
Toppmöller hätte „sehr gerne mit dieser Mannschaft weitergearbeitet“ und sich den Herausforderungen der Zukunft gestellt. Die von Sportvorstand Markus Krösche getroffene Entscheidung akzeptiere er. Toppmöller sei jeden Tag mit „großer Leidenschaft und Freude zur Eintracht gegangen“ und sei stolz auf das, „was wir gemeinsam in den vergangenen zweieinhalb Jahren erreicht haben“.
Emotionaler Toppmöller-Abschied bei der Eintracht
Danksagungen blieben nicht aus, es sei ihm „eine Ehre“ gewesen, für seinen Herzensklub zu arbeiten: „Ich wünsche der Eintracht ruhigere und vor allem erfolgreiche Zeiten.“ Es hat seine Gründe, weshalb am Samstag trotz aller Ungeduld im Umfeld keine schnelle Entscheidung getroffen wurde. Man nahm sich alle Zeit der Welt und kommunizierte dabei auch eng mit Toppmöller. Er traf den richtigen Ton, große Teile der Fans in den sozialen Netzwerken zeigen sich bewegt und berührt.
Am Ende steht der Verein über allem, es ist ein Abwägungsprozess und eine Frage der Argumente. Toppmöller hat es im Fan-Umfeld als Nachfolger von Oliver Glasner nie leicht gehabt. Obwohl ihm der Verein am Herzen lag, stand er in den zweieinhalb Jahren immer wieder in der Kritik. Selbst der dritte Rang und die damit verbundene Qualifikation für die Champions League steigerte nicht überall in der Öffentlichkeit den Kredit.
Toppmöllers Achterbahnfahrt bei Eintracht Frankfurt: Tor-Galas, CL-Ruhm und Defensiv-Horror
Intern hingegen war die Arbeit von Toppmöller stets sehr hoch angesehen. Statt ihn 2024 nach der ruckeligen ersten Saison zu entlassen, zog man die richtigen Schritte und stellte das Team um ihn herum neu auf. Toppmöllers größte Leistung war, wie er den Abgang von Omar Marmoush im Januar 2025 kompensierte und Hugo Ekitiké zum richtigen Zeitpunkt zu dessen Höhepunkt führte.
Doch im Sommer verlor sich Toppmöller etwas. Nachdem das Team in den Testspielen schon einen Zwei-Gegentore-Schnitt hatte, schrillten bereits in der Vorbereitung die ersten Alarmglocken. Der starke Start mit Siegen gegen Bremen (4:1), Hoffenheim (3:1) und in der Königsklasse gegen Galatasaray Istanbul (5:1) überdeckte die Probleme. Als diese dann offenkundig wurden, fand Toppmöller nicht mehr den richtigen Schlüssel.
Als Jovan Milosevic am vergangenen Freitagabend im Weserstadion von Bremen das zwischenzeitliche 3:2 für die Gastgeber erzielte, war das Ende von Toppmöller gekommen. Selbst der Last-Minute-Ausgleich von Ansgar Knauff, ein Zeichen der Moral des Teams, konnte den Coach nicht mehr retten. Zu krass waren die Fehler, die zu Gegentoren führten.
Ob ruhende Bälle, Pässe in die Tiefe, Flanken von den Außenbahnen, Konter oder individuelle Patzer – die Eintracht wackelte häufig und fiel nach Rückschlägen in sich zusammen. Krösche sprach nach der Pleite in Stuttgart (2:3) von C-Jugend-Fehlern. Die Eintracht drohte, ihre Ziele zu verfehlen. Platz sieben mit 27 Punkten ist zu wenig.
Das lag nicht nur an Toppmöller, aber auch er hatte seinen Anteil daran. Die Abwehr stand sehr hoch und ließ zu viel Raum hinter sich. Die Entscheidungen auf der Torhüterposition zwischen Michael Zetterer und Kaua Santos sorgten für Unsicherheit. Im zentralen Mittelfeld fand Toppmöller trotz vieler verschiedener Kombinationen kein gefestigtes Duo. Hier litt er auch unter der Kaderplanung, ein Wellenbrecher auf der Sechs fehlte.
Eintracht hat zu viele Gegentore kassiert
Dennoch gab es mit Hugo Larsson, Ellyes Skhiri, Oscar Höjlund, Farès Chaibi und Mahmoud Dahoud genügend Personal für eine stabilere Achse. Sie fanden nur selten, wie auch die Abwehrreihe Robin Koch, Arthur Theate, Nnamdi Collins und Rasmus Kristensen, ihre Topform. Dem Spiel der Eintracht fehlten dadurch Balance und Konstanz.
Krösche fand in der Pressemitteilung daher neben lobenden auch deutliche Worte: „Unserem Anspruch, als Eintracht Frankfurt für einen dynamischen, aggressiven und kompakten Fußball zu stehen, sind wir in dieser Saison bislang nur unzureichend gerecht geworden.“ Doch das ist kein Nachtreten, sondern eine fachlich richtige und nachvollziehbare Erläuterung.
Final ist der Trainer das schwächste Glied in der Kette. Aber wenn 38 erzielte Tore aufgrund von 39 (!) Gegentoren (so viele kassierte sonst nur Heidenheim) nicht für mehr reichen in der Bundesliga, dann ist das Ziehen der Reißleine folgerichtig. Wenn es dann aber so gelingt, dass sich alle Parteien weiter in die Augen schauen können, dann wurde eine schwierige Situation verhältnismäßig gut gemeistert.
Es war die erste Entlassung eines Trainers innerhalb der Saison seit März 2016. Damals ersetzte Niko Kovac Armin Veh. Zehn Jahre später sah Krösche keine andere Wahl mehr. Der Blick richtet sich ab sofort aber nach vorn. Dennis Schmitt von der U21 und Fußballgott Alex Meier von der U19 übernehmen interimsweise für das Duell in der Champions League in Baku. Am kommenden Spieltag soll gegen die TSG Hoffenheim schon ein neuer Trainer auf der Bank Platz nehmen. Marco Rose ist ein heißer Kandidat. Es ist ein schweres Erbe.