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Nach Debakel in Madrid

Eintracht Frankfurt spielt bei zwei Merkmalen eines Top-Teams mit dem Feuer

Eintracht Frankfurt bekommt bei Atlético Madrid seine Grenzen aufgezeigt. Die Klub-Philosophie der Hessen birgt zwei große Probleme.

Frankfurt – In den vergangenen Monaten kam man bei Eintracht Frankfurt aus dem Jubeln kaum mehr heraus. Die finanziellen Erfolge auf dem Transfermarkt waren eindrucksvoll, die erstmalige Qualifikation für die Champions League über den gewöhnlichen Bundesliga-Weg bestätigten den sportlichen Fortschritt.

Atlético Madrid besiegte am Dienstagabend Eintracht Frankfurt mit 5:1.

In dieser Saison bot die Eintracht-Offensive bislang ein Tor-Festival nach dem anderen und legte auch mit einem 5:1-Sieg über die abgezockte Truppe von Galatasaray Istanbul in der Champions League ein ordentliches Debüt hin. Kleinere Dämpfer wie Niederlagen bei Bayer 04 Leverkusen (1:3) oder gegen Union Berlin (3:4) schien die Eintracht nicht groß zu beeinträchtigen.

Atlético hätte noch mehr Tore gegen Eintracht erzielen können

Doch am Dienstagabend verloren die Frankfurter in der Königsklasse bei Atlético Madrid mit 1:5. Die Niederlage hätte noch deutlich höher ausfallen können. Manche Eintracht-Spieler wirkten völlig neben der Spur und überfordert mit der Situation. Auch Kapitän Robin Koch konnte nicht als Vorbild vorangehen und ließ sich mehrfach von den Madrid-Stars austanzen.

Frankfurt-Coach Dino Toppmöller sagte nach dem Spiel, dass eine Mannschaft wie Atlético, das um den Champions-League-Titel mitspiele, noch eine Nummer zu groß für die Eintracht sei. Sein Team, so versicherte er, werde aber die Lehren aus diesem Spiel ziehen und sich entwickeln. Es sei nur eine „temporäre Grenze“, die Atlético seinen Spielern gesetzt habe.

Leider muss man Toppmöller entgegenhalten, dass Atlético Madrid nicht als europäische Top-Mannschaft im engeren Sinne gelten kann. Atlético hat (nahezu) keine Chance auf Titel. Seit der Saison 2021/22 hat Atlético in der spanischen Liga nichts mehr mit dem Titelkampf zu tun, aktuell ist der Verein nur Tabellen-Siebter in der Primera Division.

In der Champions League kann Atlético froh sein, wenn es mal über das Achtelfinale hinausgeht. 2024 war das Erreichen des Viertelfinales das höchste der Gefühle in diesem Zeitraum. Im UEFA Klub-Ranking belegen die Spanier Platz zehn. Toppmöller hat die Qualität von Atlético deutlich stärker dargestellt, als sie der Realität entspricht, um die Niederlage seiner Mannschaft nicht als Katastrophe zu werten.

Denn es wird immer deutlicher, dass auf Eintracht Frankfurt in dieser Saison Probleme zukommen. Im Kern geht es darum: Der Verein will Philosophie und Methoden, die ihm die vergangenen Jahre große Erfolge beschert haben, beibehalten. Das wird aber mit dem neuen Anspruchsdenken im Frankfurter Umfeld und mit dem ambitionierten Denken im Leistungssport aller Voraussicht nach kollidieren.

Das Erfolgsmodell von Eintracht Frankfurt lautete bislang vor allem, mit jungen, extrem talentierten Spielern sportliche und finanzielle Erfolge zu erzielen. Für ihre Entwicklung brauchten die jungen Spieler meist sechs bis zwölf Monate Zeit. Gepaart mit dem Saisonziel, sich für die Europa League oder Conference League zu qualifizieren, war dies ein konsequentes Konzept. Es brachte Erfolg.

Doch mit Platz drei in der Bundesliga-Saison 2024/25 steigen die Erwartungen an die Hessen. Die Eintracht ist nun national ein Top-Team – und die Erwartung im Leistungssport ist es, den Status zu halten und zu verbessern. Doch es kommen dabei neue Herausforderungen hinzu. Der Klub muss nun die Dreifach-Belastung aus Liga, Pokal und Champions League meistern.

Teilweise geht es sogar um eine Vierfach-Belastung, da immer mehr Profis zur Nationalmannschaft eingeladen werden. Um diese Aufgaben konstant zu bestehen, braucht es in einer Mannschaft auch einen erheblichen Teil an erfahrenen Spielern mit hoher Qualität. Diese Spieler kosten jedoch meist hohe Ablösen und/oder hohe Gehälter.

Vereinzelt haben die Hessen über die Jahre dieses Element in ihre Mannschaft hinzugeholt, aber Kevin Trapp wurde nun zum Pariser FC abgegeben und Mario Götze ist nur noch Ergänzungsspieler. In diesem Sommer verzichtete die Eintracht darauf, Spieler mit großer internationaler Qualität zu holen und dafür entsprechend Geld auszugeben. Das machte sie ganz bewusst.

So wird die Saison aber zum Drahtseilakt. Die Klub-Philosophie ist auf die eines klassischen Europa-League-Teilnehmers ausgerichtet, doch der Verein hat sich eigentlich zu einem ernstzunehmenden Champions-League-Starter und nationalen Titel-Herausforderer hochgearbeitet. In den kommenden Wochen wird sich diese Problematik noch mehr herauskristallisieren.

Rutscht die Eintracht in ein erstes Formtief ab?

Es ist in Ordnung und nachvollziehbar, wenn der Verein bewusst nichts überstürzen will und an Altbewährtem festhält. Wichtig ist dann allerdings eine noch deutlichere Kommunikation in der Öffentlichkeit. ‚Jugend forscht‘ und ein vergleichsweise günstiger Spieler-Etat haben die höhere Wahrscheinlichkeit zur Folge, einige Klatschen in der Champions League einzustecken und in der Bundesliga einige Formtiefs zu durchleben.

Die heimliche Hoffnung in Frankfurt ist natürlich, dass die Mannschaft wie in der vergangenen Saison überperformt und von den Schwächen der Top-Klubs wie RB Leipzig 2024/25 profitiert. Niederlagen wie in Madrid oder gegen Union Berlin deuten aber eher darauf hin, dass es für Eintracht Frankfurt eine Wellen-förmige Saison wird. Es fehlen eben Erfahrung und Qualität für höchste Ansprüche.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Acero/AlterPhotos/ABACA

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