Humoristisch treffsicher
DFB-Nachrücker Ouedraogo als Müller-Ersatz bei der WM?
Assan Ouedraogo macht Hoffnung, dass es beim DFB auch ohne Thomas Müller lustig bleibt. Direkt auf seiner ersten Pressekonferenz sorgte er für einige Lacher.
Es ist seit 2008, seit achtzehn Jahren also, das erste Turnier ohne Thomas Müller. Er war schon bei seiner ersten WM, 2010 in Südafrika (Gruß in die Kamera: „Hallo Oma, Opa“), einer für die Momente, in denen die ganze Nation auflachte. Das blieb so bis zur EM 2024, als er über die Neuerung staunte, dass man nach einem Spiel in der Interviewzone auf eine kleine Bühne gestellt wurde: „Das ist ja wie bei einer Pferdeauktion.“
Müller nun weg, Lukas Podolski, der manchmal unfreiwillige Humorist, schon vier Turniere länger – und Niclas Füllkrug wurde nicht nominiert für die WM 2026. Er war einer der großen Erzähler im deutschen Team, hatte das Gespür für die große Geschichte. Zum Beispiel die einer Fahrt mit Schülern im ICE, als er zur Nationalmannschaft einrückte. Höchst amüsant.
Assan Ouedraogo übernimmt Humorjob von Müller, Füllkrug und Co.
Ohne Müller, ohne Füllkrug – wer ist da noch, dem man gerne zuhört? Manche Spieler sind Kommunikationsmuffel, manche tendenziell schüchtern, manche freundlich, aber spröde und gefangen in unverbindlichen Phrasen. Doch ausgerechnet mit einer Nachnominierung ist Bundestrainer Julian Nagelsmann eine Verstärkung im Segment Unterhaltung geglückt. Assan Ouedraogo (20) von RB Leipzig, eigentlich aber ein Schalker Junge, hat ein Talent für Comedy. Wobei: Er versucht gar nicht, witzig zu wirken. Er ist einfach noch jung und ehrlich.
Seine Geschichte ist die: Er wurde nachnominiert, war bereits im Urlaub in Marbella, als Julian Nagelsmann ihn fragte, ob er nicht doch zur WM nach Amerika kommen wolle. „Ich lag auf der Liege und war unfassbar am Chillen“, erzählt er. Angesichts seines Freudenausbruchs sei er vom Bundestrainer gefragt worden, „ob ich betrunken bin“. An wen er dann die frohe Botschaft seiner WM-Berufung weitergab? „Der erste Anruf war bei meiner Mutter – die ging nicht ran. Zweiter Anruf war bei meinem Vater – ihn habe ich auch nicht erreicht. So hat es meine große Schwester als Erste erfahren. Und die Hotelgäste.“ Weil er aufschrie.
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Wenn das mit der WM nichts geworden wäre, dann hätte Assan Ouedraogo weiter schwer gechillt – und fanmäßig WM geguckt, wohl die Mehrzahl der 104 Spiele. „Ich bin ein Mensch, der viel Fußball schaut. Erste Liga sowieso, aber auch zweite, dritte. Ich bin relativ viel zu Hause, da hat man Zeit, und ich vertreibe sie mir mit Fußball.“ Es ist ein hübscher Kontrast zwischen der frischen Optik, die ein 20-Jähriger bietet, und dem Bekenntnis zum Sofa-Sport, wie es auch alte weiße Männer formulieren.
Zur WM darf Ouedraogo, der U17-Europa- und Weltmeister war, weil sich der Münchner Lennart Karl in Chicago verletzt hat. Zu einem Austausch zwischen ihnen kam es nicht, denn, Überraschung: „Wir sind uns noch nie über den Weg gelaufen, wir kennen uns eigentlich gar nicht.“ Die beiden Jungstars der Nationalmannschaft – komplette Fremde? Ja, so ist das. War der eine bei der A-Mannschaft, dann der andere bei der U21 – und umgekehrt.
War es bereits Ouedraogos letzter Auftritt?
Offensivkraft Ouedraogo wird mit bisher einem Länderspieleinsatz und nach einer nicht einfachen Saison mit vielen Ausfällen wegen Verletzungen sportlich keine große Rolle spielen im DFB-Team, vielleicht war seine Runde mit der Presse schon die letzte bei dieser WM. Dann müssen doch die lustig sein, die öfter spielen – worauf sein Leipziger Teamkollege David Raum bessere Chancen hat. Der überraschte bei der EM vor zwei Jahren mit einem witzigen Auftritt an der Seite von Joshua Kimmich.
Außenverteidiger Raum beherrscht das Spiel mit den Medien, das zeigte er zuletzt als einer der Protagonisten in der WM-Doku von Tommi Schmitt. Und er hatte auch eine spontane Antwort auf die Ansage Nagelsmanns, sich im Fall des WM-Gewinns ein Tattoo stechen zu lassen. Raum, großflächig betintet, sagt: „Für Julian wäre es das erste, ich würde ihm das Händchen halten. Aber in der Bravo Sport gab es welche zum Aufkleben – er kann schon mal üben.“
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