Statt Pechvogel-Youngster
Im März von den Fans ausgepfiffen – jetzt scheint Sané alternativlos
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat auf rechts keine großen Optionen. Daher scheint die Wahl auf Leroy Sané zu fallen. Der Angreifer ist im Team beliebt.
Das hatte sich Julian Nagelsmann anders vorgestellt: Auf der rechten Offensivseite hoffte der Bundestrainer auf den jungen Lennart Karl, der ein unbekümmertes Element ins deutsche Offensivspiel bringen sollte: frisch, mit Rückenwind aus der Saison und vor allem ohne die Schwere der vergangenen DFB-Jahre sollte Karl auf der rechten Seite die Gegner aufmischen.
Daraus wird bei dieser WM allerdings nichts, der 18-jährige Münchner ist nach seinem Muskelbündelriss bereits nach München zurückgekehrt und wird die deutsche Mannschaft aus der Ferne anfeuern. Im deutschen Angriff rückt daher nun ein Spieler in den Fokus, den viele Fans noch nicht einmal im Turnier-Kader sehen wollten: Leroy Sané.
Pfiffe gegen Sané im Testspiel gegen Ghana
Die Reizfigur strahlt – traurigerweise – genau das Gegenteil aus von den Attributen, die Fußballdeutschland an Karl so schätzt. Obwohl der Profi zweifellos hochveranlagt ist, konnte er seine Stärken beim DFB irgendwie nie richtig auf den Platz bringen. Und wurde deshalb, gepaart mit Kritik an seiner teils lustlos wirkenden Körpersprache, für viele Anhänger zum Sinnbild für das schwache Abschneiden der Nationalelf bei vergangenen Turnieren.
Wenn man 100 Leute auf der Straße fragt, an wen sie bei Misserfolgen des DFB der letzten Jahre denken, würden wahrscheinlich 85 Leroy Sané unter den ersten drei Namen nennen. Und noch beim Testspiel gegen Ghana im März wurde der Flügelspieler von den eigenen Fans (!) im Stuttgarter Stadion ausgepfiffen.
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So richtig fair ist das aber nicht, was zumindest ein Blick auf die Zahlen zeigt: 28 Scorerpunkte in 76 Spielen sind in Ordnung, zumal Sané zuletzt in wichtigen Spielen traf. Mit seinem Doppelpack gegen die Slowakei im vergangenen November hatte er großen Anteil an der deutschen WM-Teilnahme, im letzten Test gegen die USA schoss er das entscheidende Tor zum 2:1-Sieg – der für die gesamte Stimmung im Team enorm wichtig ist.
Entsprechend stärkten ihm auch seine Mitspieler den Rücken: „An sich ist er nur bei den Fans umstritten, bei uns in der Mannschaft überhaupt nicht. Es ist immer wichtig, dass jeder von uns auf seine Momente brennt“, erklärte Joshua Kimmich nach der Partie. Jonathan Tah ergänzte: „Ich finde, er hat ein gutes Spiel gemacht. Er hat sich reingehauen, uns geholfen im Pressing, versucht, seine Aktionen zu bringen. Das ist die Basis, die wir brauchen – und das hat er abgeliefert.“
Bundestrainer Nagelsmann fehlen die Alternativen
Man könnte sich die Debatte um Sané aber ohnehin fast sparen – denn ein Startelfplatz von Sané bei der WM ist beinahe alternativlos. Nach den Verletzungen von Karl und zuvor bereits Serge Gnabry hat der Bundestrainer kaum Alternativen auf der rechten Seite. Jamie Leweling oder Nadiem Amiri wären angesichts ihrer geringen DFB-Erfahrungen extreme Überraschungen.
Kai Havertz könnte theoretisch noch dort auflaufen, ist aber fest im Sturmzentrum eingeplant. Außerdem lobte Nagelsmann Sané zuletzt immer wieder demonstrativ und betonte dessen Wert fürs Team. Man kann in diesem Zuge sicherlich die Kaderplanung des Bundestrainers kritisieren, ein Said El Mala könnte schließlich auf dem rechten Flügel Druck machen.
Nagelsmann betonte zuletzt allerdings, mit der Konkurrenzsituation auf dem rechten Flügel auch so zufrieden zu sein. Und so dürfte Sané aller Wahrscheinlichkeit nach auch im Jahr 2026 in der deutschen Startelf bei einem großen Turnier stehen – auch, wenn viele Fans darauf nicht gerade begeistert reagieren dürften.
Rubriklistenbild: © Federico Gambarini
