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Dortmund hat Millionen vergeudet
Bundesliga-Transfers des BVB: Mittelmaß-Falle sorgt für Qualitätsverlust
Der BVB als Bundesliga-Einkäufer Nummer eins: Die Resultate fallen oft ernüchternd aus. Die Kaderqualität schwächelt merklich.
Dortmund – Der FC Bayern steht seit Jahrzehnten im Verdacht, die Bundesliga-Konkurrenz systematisch kaputtzukaufen. Viele Fans wissen aber längst, dass die Fakten Borussia Dortmund als größten Einkäufer in der Liga entlarven. Durchschlagenden Erfolg hatte der BVB dabei eher unregelmäßig. Von kaputtkaufen konnte kaum die Rede sein. Eher von einem schwarzgelben Konjunkturprogramm für Mittelmaß?
Während die Münchner mit ihrer Strategie Titel en masse gesammelt haben, häufte Dortmund bisweilen teure Enttäuschungen und Verlustgeschäfte an. Der Fall Salih Özcan illustriert das Dilemma: 2022 vom 1. FC Köln geholt, fristet der Mittelfeldspieler ein Schattendasein. Laut Sport Bild will er den Verein trotz fehlender Perspektive nicht verlassen, weil er nirgends sonst so gut verdienen würde.
Der Markt der „High Potentials“ ist für den BVB schwieriger geworden
Dabei war der BVB einst Meister darin, Rohdiamanten zu schleifen und gewinnbringend zu verkaufen. Jude Bellingham, Ousmane Dembélé, Erling Haaland, Jadon Sancho, zuletzt Jamie Gittens: Die Liste der Top-Verkäufe vereint, dass Spieler aus dem Ausland geholt, entwickelt und mit erheblichen Gewinnen weiterverkauft wurden.
Bei innerdeutschen Transfers fallen hingegen vielen Fans Negativbeispiele ein. Bei André Schürrle (kam vom VfL Wolfsburg) und Nico Schulz (TSG Hoffenheim) wurden die Verträge sogar aufgelöst, Thomas Delaney (Werder Bremen), Thorgan Hazard (Borussia Mönchengladbach) oder Maximilian Philipp (SC Freiburg) brachten nur noch Bruchteile des Einkaufspreises ein.
Natürlich gibt es auch positive Beispiele, gerade mit Blick auf die vergangene Saison und die herausragenden Leistungen von Stürmer Serhou Guirassy (VfB Stuttgart). Doch das Verhältnis stimmt eher nicht. Das Problem ist dabei auch, dass der Markt bei den „High Potentials“, dem einstigen Steckenpferd des BVB, inzwischen extrem umkämpft ist.
„Andere Klubs schlafen nicht, einige haben neue Wege eingeschlagen. Auch Bayern München oder internationale Top-Vereine wie PSG oder Chelsea verfolgen inzwischen die Idee, junge Spieler früh zu verpflichten und zu entwickeln“, sagte Sportdirektor Sebastian Kehl im Frühjahr gegenüber den Ruhr Nachrichten.
„Wir müssen entweder noch früher dran sein oder wir gehen ein noch höheres Risiko ein“, erklärte Kehl. Der vermeintlich sichere Weg über den Bundesliga-Markt hat nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Geschäftsführer Lars Ricken räumte gegenüber dem kicker ein: „Wir haben in den letzten Jahren viele Millionen Euro in Spieler investiert, während der Saison leider immer wieder teure Korrekturen vornehmen müssen.“
Der neidische Blick vieler Fans richtet sich auf Eintracht Frankfurt, wo Sportvorstand Markus Krösche inzwischen als „Transfer-Gott“ gefeiert wird, nachdem er etwa bei Randal Kolo Muani, Omar Marmoush und Hugo Ekitiké einen Überschuss erzielte, mit dem andere Bundesliga-Vereine mehrere Jahre budgetieren. Die Hessen machen dem BVB längst auch auf dem Talente-Markt Konkurrenz.
Übrigens kam Marmoush aus Wolfsburg und womöglich holt Frankfurt diesen Sommer nach Jonathan Burkardt vom FSV Mainz 05 auch Ritsu Doan aus Freiburg und Ko Itakura von Gladbach. Krösche hat einen Vertrauensvorschuss, dass kein Eintracht-Fan auf die Idee käme, sich über Transfers innerhalb der Bundesliga zu ärgern. Im Gegenteil wird positiv aufgenommen, der Konkurrenz wichtige Spieler streitig machen zu können.
Dortmunds Mittelmaß-Falle ist eben auch immer eine Frage der Wahrnehmung. Das Thema ließe sich nämlich auch deutlich positiver besetzen: Mit Serhou Guirassy, Gregor Kobel, Julian Ryerson und Nico Schlotterbeck kamen die vier aktuell wohl größten Fan-Lieblinge unter den BVB-Profis aus der Bundesliga.