0:2-Rückstand? Kein Problem!
Spiel gedreht: Diese Szene hat den Starbulls den Overtime-Sieg im DEL2-Spitzenspiel beschert
Die Starbulls Rosenheim sind nach einem 0:2-Rückstand im DEL2-Spitzenspiel bei den Kassel Huskies fulminant zurückgekommen und haben zwei Punkte aus Hessen entführt. Diese Szene hat dem Spiel die entscheidende Wendung verliehen.
Kassel – Die Starbulls Rosenheim haben Nerven wie Drahtseile. Wieder sind die Eishockeyspieler von der Mangfall im DEL2-Punktspiel gegen die Kassel Huskies mit 0:2 im Rückstand gelegen – und erneut haben sie das Spiel gedreht. Im letzten Drittel gelang den Starbulls beim Favoriten der 2:2-Ausgleich, in der Verlängerung erzielte sie das Siegtor und nahmen – analog des ersten Aufeinandertreffens am 24. Oktober in Rosenheim – somit zwei Punkte mit.
Der Spielfilm: Die beste Auswärtsmannschaft der Liga hatte im ersten Drittel so ihre Probleme mit dem besten Heimteam. Die 2:0-Führung der Huskies war nicht unverdient, denn Rosenheim hatte nach vorne nicht viel zu melden. C.J. Stretch und Charlie Sarault wären in Tornähe mal gut an die Scheibe gekommen, konnten den Puck dann aber nicht kontrollieren. Bei den Gegentoren machten es die Starbulls den Gastgebern zu einfach, ein Top-Team nutzt so etwas aber auch eiskalt aus.
Lukas Laub macht das Siegtor
Anderes Bild dann im zweiten Durchgang, denn ab da waren die Rosenheimer auf Augenhöhe. Plötzlich wendete sich das Geschehen vor das Tor von Kassels Schlussmann Philipp Maurer, der in etlichen Szenen sein Können aufbieten musste, so gegen Fabian Dietz, Ville Järveläine oder Lukas Laub.
Im letzten Drittel dann der Eisbrecher für die Gäste: Järveläinen nutzte seinen Freiraum und traf mit einem platzierten Schuss ins Eck zum Anschluss. Dann parierte Christopher Kolarz für die Starbulls hervorragend, ehe Shane Hanna mit einem satten Kracher auf 2:2 stellte – Laub hatte Maurer vor dem Tor die Sicht versperrt. Nun war alles drin, vor allem, als Laub in Unterzahl alleine auf Maurer zufuhr, aber am langen Eck vorbeischoss. Das war 26 Sekunden vor Schluss, es ging also in die Verlängerung.
Dort hatten die Starbulls zunächst noch einen Mann weniger auf dem Eis. Die Unterzahl überstanden sie, und als Tim Bender bei Kassel auf die Strafbank musste, bekamen sie Oberwasser. Scott Feser passte auf Teemu Pulkkinen und den Abpraller verwertete Laub zum Siegtor – und machte damit die Forderung von Trainer Jari Pasanen wahr. Der meinte vor dem Spiel gegenüber der OVB-Sportredaktion: „In Kassel brauchen wir ein Überzahltor.“ Das hat dann auch gereicht.
Das ist herausragend, Starbulls!
Die Schlüsselszene: Das war die Riesenchance von Tristan Keck zum 3:1 für Kassel in der 48. Minute. Die Starbulls hatten gerade auf 1:2 verkürzt und drängten auf den Ausgleich, als ein Rückpass von Charlie Sarault beinahe zum Verhängnis wurde. Keck lief alleine auf Christopher Kolarz zu, aber der Rosenheimer Goalie parierte. Kurz darauf glichen die Starbulls aus.
Zum Lachen: Was für eine Moral der Grün-Weißen! Erneut ließen sie sich durch einen Zwei-Tore-Rückstand gegen den Favoriten nicht aus der Spur bringen und kamen eindrucksvoll zurück. Am Ende hatte man mit 35:26 sogar deutlich mehr Torschüsse zu verzeichnen. Das ist herausragend, Starbulls!
Zum Weinen: Das waren sicherlich die Slapstick-Einlagen bei den beiden Gegentreffern. Beim 0:1 war die Scheibe eigentlich schon bei den Starbulls, wurde aber dann nicht ordentlich geklärt. Und auch beim zweiten Gegentreffer hatten die Rosenheimer schon die Option, das Spielgerät aus dem eigenen Drittel hinaus zu befördern – vergeblich.
Hanna die Maschine, Kolarz der Comeback-Mann
Der Spieler des Spiels: Shane Hanna. Lag der kanadische Verteidiger beim 0:2 noch machtlos auf dem Hosenboden, war er dann der große Antreiber bei der Aufholjagd. Sein satter Schuss zum 2:2-Ausgleich kam deshalb nicht von ungefähr. In der Verlängerung war die Maschine im Starbulls-Team fast in Dauerschleife auf dem Eis.
Das war los mit: Christopher Kolarz. Der Starbulls-Goalie hatte etwas mehr als zwei Monate nicht mehr gespielt. Sein letztes Match hatte der 24-Jährige am 10. Oktober gegen die Lausitzer Füchse absolviert. Nun kehrte er aufs Eis zurück und lieferte eine starke Leistung ab. Eine Fangquote von 92,31 Prozent sagt viel aus.
Als Fan „hätte ich es genossen“
Das sagen die Trainer: Petteri Väkiparta, Kassel Huskies: „Wir waren im ersten Drittel druckvoll, haben viele Scheiben gewonnen und offensiv Präsenz gezeigt. Danach war es ein offener Schlagabtausch. Jetzt müssen wir die bittere Pille schlucken und wieder aufstehen.“
Jari Pasanen, Starbulls Rosenheim: „Anfangs war Kassel besser. Die haben wie Männer gespielt und wir hatten im Aufbau Probleme, die Scheibe sauber aus dem Drittel zu bringen. Dann haben wir unser System geändert. Wir wollten mehr Druck machen und dem Gegner Zeit und Raum nehmen. Das Spiel hätte auch anders ausgesehen können, es war aber ein sehr gutes Spiel. Wenn ich Fan gewesen wäre, dann hätte ich es genossen.“
Die Spielstatistik: Kassel Huskies – Starbulls Rosenheim 2:3 n.V. (2:0, 0:0, 0:2, 0:1). Starbulls: Kolarz (Röckl) – Hanna, Tiffels; Keussen, Kolb; Adam, Vollmayer; Beck – Laub, Stretch, Järveläinen; Feser, Sarault, Pulkkinen; Zwickl, Calce, Taupert; Dietz, Zerter-Gossage, Musin.
Tore: 1:0 (8.) Garlent/Daugavins, Benson, 2:0 (19.) Benson – PP1, 2:1 (47.) Järveläinen/Laub, Stretch, 2:2 (49.) Hanna/Vollmayer, Sarault, 2:3 (65.) Laub/Feser – PP1.
Schiedsrichter: Hoppe und Gawlik; Strafminuten: Kassel 8, Rosenheim 6; Zuschauer: 4292.
Das nächste Spiel: Die Starbulls haben am Sonntag um 17 Uhr ihr Heimspiel gegen den EC Bad Nauheim. Bereits am Samstag sind die Spieler unterwegs: Zunächst ab 13 Uhr bei Edeka Hildebrandt beim Kick-Off zum Nachwuchs-Sammelheft, ab 15.15 Uhr dann am Christkindlmarkt.
