FC-Bayern-Legende Klaus Augenthaler (68) war erstmals in seinem Leben im Rofa-Stadion. Ausgerechnet beim Kantersieg gegen Bietigheim. Sein größter Erfolg als Fußballer war die Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Im OVB-Interview spricht er über seine Karriere-Highlights – und was ihn mit dem Eishockeysport verbindet.
Rosenheim – Ein Fußball-Weltmeister bei einem Spiel der Starbulls Rosenheim kommt nicht alle Tage vor. Beim Heimspiel gegen Bietigheim war Klaus Augenthaler (68 Jahre), Weltmeister 1990 mit Deutschland und siebenfacher Deutscher Meister mit dem FC Bayern München, im Rofa-Stadion. Zusammen mit Ex-SBR-Spieler Markus Berwanger und auf Einladung von Peter Grubauer, Vater von NHL-Keeper Philipp Grubauer. Augenthaler brachte den Starbulls Glück – und Tore. Für Eishockey hat sich Klaus Augenthaler schon immer interessiert: „Ich bin ganz nahe an der Vils aufgewachsen und die war im Winter oft zugefroren. Dann haben wir Eishockey gespielt und im Sommer eben Fußball.“
Wie hat Ihnen das Spiel der Starbulls gegen Bietigheim gefallen?
Ich war das erste Mal im Rofa-Stadion. Die Stimmung war super, die Rosenheimer haben stark gespielt. Was die Starbulls da zwei Drittel aufs Eis gezaubert haben, hat mir gefallen. Von einer angeblichen Abschlussschwäche habe ich da nicht viel gesehen.
Haben die Starbulls jetzt einen neuen Fan gewonnen?
Als gebürtiger Niederbayer und aus früherer Verbundenheit zu Alois Schloder und Erich Kühnhackl stehe ich dem EV Landshut noch etwas näher, aber die Rosenheimer haben mir imponiert. Wenn es passt, komme ich gerne wieder.
FC Bayern-Legende Klaus Augenthaler zu Gast bei den Starbulls
Was gefällt Ihnen denn beim Eishockey im Vergleich zum Fußball besonders gut?
Eishockey ist schnell, hart und da kann man besser hinlangen. Da pfeifen die Schiedsrichter nicht so oft wie im Fußball (lacht).
Fußball ist das Stichwort. Sie sind mit dem FC Bayern siebenmal Deutscher Meister geworden. Welchen Erfolg, außer dem WM-Titel 90, war für Sie am schönsten?
Die Meisterschaft 1986, als wir am letzten Spieltag Meister wurden. Bremen verlor in Stuttgart und wir haben 6:0 gegen Gladbach gewonnen. Am Ende entschied die bessere Tordifferenz für uns.
Sie haben Libero gespielt, eine Position, die Franz Beckenbauer zelebriert hat. Haben Sie noch mit ihm zusammengespielt?
Ich habe mit ihm und gegen ihn gespielt, als er am Ende für Hamburg spielte. Dann sind unsere Wege ein bisschen auseinander gegangen, aber 1990 hat er mich mehr oder weniger überredet, zur WM nach Italien mitzufahren. Ich war ja 1986 auch schon dabei, als wir Vizeweltmeister wurden. Ich hatte dem Franz eigentlich ein- oder zweimal abgesagt, weil ich Probleme mit der Achillessehne hatte. Aber wenn der Kaiser anruft, dann sagt man nicht ab.
„Auge, was du da triffst, ist nicht der Ball, das sind meine Schienbeine.“
War er als Spieler ein Vorbild für Sie?
Eigentlich nicht, denn ich war Dortmund-Fan. Mein Vorbild war Sigi Held. Ich war ja Stürmer und so haben mich die Bayern auch verpflichtet. In einem Trainingsspiel habe ich in der B-Mannschaft in der Abwehr gespielt. Gegen Gerd Müller. Der Gerd hat immer zu mir gesagt: ,Auge, was du da triffst, ist nicht der Ball, das sind meine Schienbeine.‘ Aber dem Trainer hat es anscheinend gefallen und so wurde ich Abwehrspieler.
Hat es einen Trainer oder Spieler gegeben, der Sie in Ihrer Karriere besonders geprägt hat?
Pal Csernai war der Trainer, der in meinen Augen die meiste Ahnung gehabt hat. Er hat sehr schnell die Stärken und Schwächen der Spieler und der Mannschaft erkannt. Und er hat damals schon ein sehr modernes System spielen lassen. Auch Dettmar Cramer war ein toller Trainer. Er hat sich nicht nur auf dem Trainingsplatz um die Spieler gekümmert.
Welche Position würden Sie im heutigen Fußball spielen? Innenverteidiger oder auf der Sechs?
Ganz klar Innenverteidiger. Da muss man nicht so viel laufen.
Legendäre Pressekonferenz in Wolfsburg
Bei einem Gespräch mit Klaus Augenthaler dürfen ein paar Ereignisse nicht fehlen. Zum Beispiel das Tor des Jahrzehnts.
Ich glaube, ich habe es gemacht (lacht). Ja, genau. Im August 1989 gegen Eintracht Frankfurt. Unser Trainer hat damals schon im Training gesagt, dass Uli Stein immer weit vor dem Tor steht. Deshalb haben wir es im Training auch vorher geübt, im Spiel hat dann einfach alles gepasst und ich habe aus knapp 50 Metern getroffen.
Dann gab es noch ihre Trainerstation in Graz. Was war da mit Hape Kerkeling?
Darüber lacht die Welt, hat die Sendung geheißen. Da habe ich mich überreden lassen und nach meiner angeblichen Entlassung vor dem Derby gegen Sturm Graz schlüpfte Hape Kerkeling als mein Nachfolger in die Rolle des litauischen Fußballtrainers Albertas Klimawiszys. Danach kannte ganz Deutschland den Grazer AK. Das Derby gegen Sturm Graz haben wir dann Gott sei Dank gewonnen.
Pressekonferenz in Wolfsburg. Sie waren Trainer und haben sich vier Fragen selbst gestellt und beantwortet. Würden Sie das noch einmal so machen?
Nein, das würde ich nicht mehr so machen. Da habe ich einigen Leuten vor den Kopf gestoßen. Das war nicht in Ordnung.