Der Traum vom Profi-Fußball: Julian Bell schaffte den Sprung von einem Dorfverein aus der Region in die Regionalliga. Nun will der 22-Jährige den nächsten Schritt machen.
Bayreuth/Rosenheim – Vom Sportplatz beim TSV Hohenthann-Beyharting bis in die Regionalliga Bayern: Julian Bell hat das geschafft, wovon viele junge Fußballer aus der Region träumen. Der 22-Jährige ging früh seinen Weg, wechselte vom Dorfverein in Nachwuchsleistungszentren, trainierte mit Profis – und steht nun bei der SpVgg Bayreuth in der Fußball-Regionalliga Bayern vor dem nächsten großen Schritt seiner Karriere. Trotz wachsender Distanz zur Heimat ist der Bezug zu Rosenheim und Umgebung für ihn geblieben. Im Interview mit beinschuss.de spricht Bell offen über seinen Werdegang, neue Herausforderungen fernab der Heimat, den Rückhalt von Familie und Freunden – und über den Traum, sich dauerhaft im Profifußball zu etablieren.
Regionalliga: Julian Bell und der Traum vom Profi-Fußball in Bayreuth
Julian, du kommst aus der Region und bist hier sehr bekannt. Wie ist dein Weg im Fußball verlaufen?
Julian Bell: „Ich habe in der Jugend bei einem Heimatverein
TSV Hohenthann-Beyharting angefangen und bin dann relativ schnell zum
TSV 1860 Rosenheim gewechselt. Dort habe ich eine gute Ausbildung bekommen. 2014 bin ich dann zu den Löwen nach München gegangen. Da habe ich die komplette Jugend von der U12 bis zur U21 durchlaufen und durfte zwischendurch auch bei den Profis mittrainieren. Gespielt habe ich dann bei der zweiten Mannschaft, bevor ich zum
FC Augsburg II gewechselt bin. Dort war ich zwei Jahre und habe extrem viel gelernt. Seit dem 15. September spiele ich jetzt bei der
SpVgg Bayreuth.“
Wie war der Start für dich in Bayreuth?
Julian Bell: „Der Empfang war wirklich top. Die Teamkollegen und Trainer haben mich sehr gut aufgenommen, da kann ich nichts Negatives sagen. Natürlich war am Anfang vieles anders als ich es gewohnt war – vor allem die Struktur. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Aber mit der Zeit kommt man rein und mittlerweile gefällt es mir richtig gut dort. Das Team passt, und ich fühle mich inzwischen sehr wohl.“
Bayreuth ist deutlich weiter weg von deiner Heimat. Wie gehst du mit der Distanz um?
Julian Bell: „Wenn ich Zeit habe, fahre ich eigentlich immer nach Hause. Die Heimat, meine Familie und meine Freunde sind mir extrem wichtig. Das gibt mir viel Kraft. Die Entfernung ist zwar größer als vorher, aber noch gut machbar.“
Ist es etwas Besonderes für dich, wenn Freunde oder Familie zuschauen?
Julian Bell: „Auf jeden Fall. Wenn ich in der Nähe der Heimat spiele oder Freunde im Stadion sind, bin ich immer extra motiviert. Diese Unterstützung gibt mir noch einmal einen zusätzlichen Push. Das ist ein richtig gutes Gefühl.“
Verfolgst du den regionalen Fußball noch?
Julian Bell: „Ja, soweit es geht. Ich kann natürlich nicht jedes Spiel sehen, weil ich selbst spiele. Aber wenn mein Heimatverein, Rosenheim oder mein Bruder spielt, versuche ich schon, das zu verfolgen.“
(Anm.d.Red. Am vergangenen Wochenende verschaffte sich Bell bei den Vorrundengruppen 5 und 6 des Sparkassenpokals 2026 selbst einen Eindruck.) Viele junge Spieler aus der Region sehen dich als Vorbild. Was bedeutet dir das?
Julian Bell: „Das ist immer schwierig einzuschätzen, weil man selbst nicht mitbekommt, wie andere einen sehen. Wenn es wirklich so ist, dann ist das natürlich eine schöne Anerkennung. Man darf aber nicht vergessen, dass hinter diesem Weg sehr viel Arbeit steckt und auch Phasen, in denen es nicht vorwärtsgeht. Wenn junge Spieler sagen, dass sie meinen Weg cool finden, dann macht mich das schon stolz und gibt mir selbst auch wieder Motivation.“
Welche persönlichen Ziele hast du für die Zukunft?
Julian Bell: „Mein Ziel ist ganz klar, Profi zu werden und mich in der dritten oder zweiten Liga zu etablieren. Ich bin von meiner Qualität überzeugt und arbeite hart dafür. Natürlich gehört im Fußball auch Glück dazu, zum Beispiel gesehen zu werden. Aber alles, was meine Leistung angeht, kann ich selbst beeinflussen – und darauf liegt mein Fokus.“
Kannst du dir vorstellen, irgendwann wieder in der Heimat zu spielen?
Julian Bell: „Ja, auf jeden Fall – später in meiner Karriere. Ob das dann wirklich passiert, kann ich nicht sagen. Aber die Vorstellung, irgendwann noch einmal in der Heimat oder mit Freunden zu spielen, vielleicht am Ende der Karriere, finde ich sehr schön.“ (sb)