1860 Rosenheim Sportlicher Leiter im Exklusiv-Gespräch

Hans Kroneck im Interview: "Wir müssen alle vom hohen Ross runterkommen"

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Rosenheim - Im zweiten Teil des Beinschuss-Exklusiv-Interviews spricht Hans Kroneck, Sportlicher Leiter des TSV 1860 Rosenheim, über die möglichen weiteren Folgen der Corona-Krise, warum die Sechzger die Pandemie bislang gut überstanden haben und über die personelle Planung für den Re-Start.

Der TSV 1860 Rosenheim befindet sich mitten im Abstiegskampf in der Regionalliga Bayern, wo wie in allen anderen bayerischen Amateurligen ab dem 1. September die Saison fortgesetzt werden soll. Auch der TSV hat sich letztlich für eine Fortsetzung gestimmt. Im ersten Teil des Exklusiv-Interviews mit Hans Kroneck, Sportlicher Leiter des Regionalligsten, sprachen wir über den Entscheidungsprozess in der Regionalliga, den geplanten Ligapokal und welche Auswirkungen die Corona-Krise haben wird. Im zweiten Teil erzählt Kroneck, warum die Sechzger die Corona-Krise bislang gut überstanden haben und wie die personelle Lage derzeit aussieht. Zudem spricht der Sportliche Leiter über die möglichen Folgen der Corona-Krise und was der Amateurfußball daraus lernen könnte.


Solche ein Szenario hat der Fußball noch nie erlebt: Wie hoch schätzen Sie sind die finanziellen Auswirkungen auf den Amateurfußball?

Kroneck: “Ich glaube die Amateurvereine tun sich hier etwas leichter. Auf dem Dorf sind keine Sponsoren sondern vor allem, wie ich bezeichne, Gönner des Vereins. Sie haben Bezug zum Klub, kennen Spieler. Hier herrscht mehr das Gemeinschaftsgefühl. Im oberen Bereich ist beim Sponsoring mehr Gegenleistung gefordert. Aber ich denke, wenn uns allen der Fußball am Herzen liegt, dann müssen wir alle Vereine, egal welcher Liga, respektieren und sollten solidarisch sein. Es geht hier nicht nur um die Regionalligisten sondern um den Fußball im Allgemeinen. Es darf nicht passieren, dass ein Verein in die Insolvenz gehen muss oder er nicht mehr wirtschaftlich geführt werden kann. Dann müssen Freundschaftsspiele mit höherklassigen Vereinen ausgetragen werden.


Besteht Ihrer Meinung nach die Gefahr, dass Jugendtrainer oder Schiedsrichter aufhören und es dadurch personelle Probleme geben könnte?

Kroneck: “Diese Gefahr schätze ich als sehr hoch ein. Die Schiedsrichter und Jugendtrainer sind das größte Gut was wir im bayerischen Amateurfußball haben. Ohne sie könnten wir alle nicht Fußball spielen. Die Jugendtrainer kümmern sich Woche für Woche um die Kinder, bringen ihr bestes Wissen auf den Platz und müssen sogar für die Kinder Psychologe sein. Dazu kommt noch die große Verantwortung die sie tragen. Und das für keinen einzigen Cent, dieses Ehrenamt wird mit Füßen getreten. Der Dorfverein und deren Jugendtrainer tragen viel dazu bei, dass es uns oder Wacker Burghausen oder den FC Bayern überhaupt gibt, denn beinahe alle Spieler haben in kleinen Vereinen das Fußballspielen begonnen. Und auch bei Schiedsrichtern herrscht denke ich ein großes Problem. Viele sind bereits älter, pfeifen bereits seit 30 Jahren. Nun merken sie, dass es zu Hause auch schön ist und sie nicht jedes Wochenende auf den Fußballplätzen zum Teil aufs Übelste beschimpft werden. Und dann könnten viele aufhören”

Was sollte der Amateurfußball Ihrer Meinung nach aus der Corona-Krise lernen?

Kroneck: “Wir müssen uns bewusst sein, dass wir zwei Aufträge im Fußball habe: Sportlicher Wettkampf und die soziale Verantwortung.Und hier ist der C-Klassist genauso wichtig wie der Regionalligist. Wir brauchen die unterklassigen Vereine. Dort müssen die Kinder gut aufgehoben sein und dort werden sie auch für die höheren Vereinen ausbildet. Und das muss auch den höherklassigen Vereinen bewusst sein. Beim Ehrenamt als Jugendtrainer sollte von der Politik mehr unterstützt werden. Allgemein sollte die Werte Achtung und Respekt vor den kleinen Vereinen wachsen.

Bedeutet das dann aus Ihrer Sicht mehr Solidarität unter den Vereinen?

Kroneck: “Ja! Die höherklassigen Klubs müssen die unten stärken. Der FC Bayern ist ein Paradebeispiel dafür, der mit seiner Spende an die Regional-und Bayernligisten ein Zeichen gesetzt hat. Aber diese Unterstützung muss nicht immer rein monetär sein. Wenn ein kleiner Verein fragt, ob ein Regionalligist zu einem Freundschaftsspiel im Rahmen eines Jubiläums kommen will, dann sollten wir nicht mit der A-Jugend auflaufen sondern mit den regionalen Stars. Da müssen wir alle vom hohen Ross runterkommen und das als Ehre ansehen. Wir müssen alle zusammen sehen, dass wir den bayerischen Fußball über Wasser halten, denn auf der Basis baut sich das ganze System bis zur Spitze auf.”

Kommen wir nun zum TSV 1860 Rosenheim: Wie habt ihr die Corona-Krise und die Aussetzung des Spielbetriebs überstanden? Gab es eine Phase, in der Sie dachten: “Wie sollen das noch weitergehen bzw wie stemmen wir das als Verein noch?”

Kroneck: “Nein das gab es gar nicht. Wir bereits früh mit unseren Partnern gesprochen und diese haben uns früh gesagt, dass wir in dieser schwierigen Zeit zusammen halten. Sie haben uns immer wieder gesagt, dass sie zum Verein stehen, solange es wirtschaftlich möglich ist. Da dies so war, konnten wir die Löhne unserer Spieler weiter bezahlen. Zudem hat uns unser Kooperationspartner Unterhaching großartig unterstützt. Uns war klar, dass wir nicht das Mega-Problem bekommen. Allerdings ist nicht abzuschätzen, ob die mittleren und kleineren Sponsoren uns durch die Folgen von Corona noch erhalten bleiben. Aber wir danken allen unseren Partner und Sponsoren für die großartige Unterstützung, sodass wir nicht wirtschaftlich krank aus dieser Zeit herauskommen.”

Die Spieler haben auch durch eine Spende etwas zurückgegeben. Wie stolz bist du auf die Mannschaft?

Kroneck: “Diese Aktion spiegelt unseren jahrelangen Zusammenhalt wieder. Wir haben immer versucht mit den spielen ehrlich und offen zu sprechen. Zudem wollten wir die Verträge erfüllen, da wir uns als Familie sehen. Dass die Mannschaft dann im Gegenzug dem Verein etwas zurückgibt, macht mich sehr stolz. Diese Aktion spricht für den Charakter des Teams.”

Die Mannschaft ist mittlerweile zurück aus der Sommerpause. Wann und wie geht es weiter?

Kroneck: “Die Mannschaft trainiert jetzt drei Wochen an einem von den Trainer und unserem Partner Hans Friedel ausgearbeiteten Trainingsplan. Danach beginnen wir mit der ersten Vorbereitungsphase. Dabei werden wir zwei Trainingseinheiten und ein Athletiktraining haben. Dies wird dann in den kommenden Wochen gesteigert und dann hoffen wir bald Freundschaftsspiele bestreiten zu können. Wir müssen athletisch und körperlich top fit aus dieser lange Pausen zurückkommen. Dies wird für jeden Verein schwierig und jeder wird dabei seinen eigenen Weg gehen.

Wie sieht derzeit die personelle Planung für den Re-Start aus?

Kroneck: “Wir können bis dato noch keine Verlängerungen, keinen Neuzugang, aber auch keinen Abgang vermelden. Nur bei den vier Hachingern spielen, werden zwei uns sicher verlassen, einer ist schwer verletzt und bei einem laufen die Gespräche noch. Bei denen war aber sicher, dass sie uns zum 30. Juni verlassen. Wir sind mit unserem Partner Unterhaching ab jetzt im Austausch ob und welche Spieler zu uns stoßen könnten. Zudem laufen die Grundplanungen auf Hochtouren, auch was Verlängerungen betrifft. Danach werden wir sehen, ob wir noch externe Spieler brauchen oder nicht. Das alles wird sich in den nächsten ein bis zwei Wochen herauskristallisieren. Aber ich mache mir keine Sorgen, dass wir keinen guten Kader für den Re-Start haben.

Das Thema Sommer-Transfers wurde durch den Verband geregelt. Haben Sie die Sorge, dass Sie einige Vertragsamateure im Sommer verlassen?

Kroneck: “Nein wir sind da nicht in der Schwebe. Das Grundgerüst des Kaders hat noch einen Vertrag über den Sommer hinaus und bei 80 Prozent der Spieler stehen wir in besten Gesprächen. Hier ist es nur noch eine Frage der Zeit. Außerdem haben wir noch unseren Kooperationspartner, der uns Spieler abgeben kann. Wir sind dadurch nicht blockiert und müssen nicht nervös werden.”

Sie sind mit zahlreichen Jugendteams aufgestiegen oder haben den Klassenerhalt erreicht. Was bedeutet  dieser Erfolg für den Verein im Jugendbereich?

Kroneck: “Wir sind mit der U13 Meister geworden vor dem FC Bayern München. Das ist schon eine Hausnummer. Unsere Jugendarbeit ist uns allen sehr wichtig. Ich möchte ihr explizit Andreas Kubik danken, der seit nun drei Jahren bei uns ist. Er hat das hier super aufgebaut, das kann man besser nicht machen. Dass wir mit den Teams jetzt da stehen wo wir sind, ist ein riesen Verdienst von ihm. Wir können sehr stolz auf unsere Jugendabteilung sein und wollen diese noch mehr ausbauen.”

Danke Herr Kroneck für das Interview.

ma

Quelle: rosenheim24.de



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