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Das sieht man im Amateurfußball selten

„Feige und respektlos“: Trainer-Aus eines Bruckmühlers in Irschenberg sorgt für mächtig Wirbel

Mike Unrecht (mittig) damals bei der Bekanntgabe 2023 mit Abteilungsleiter Lorenz Juffinger (links).
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Mike Unrecht (mittig) damals voller Vorfreude bei der Bekanntgabe 2023 gemeinsam mit Abteilungsleiter Lorenz Juffinger (links).

Nach über zwei Jahren an der Seitenlinie ist Mike Unrecht nicht länger Trainer beim TSV Irschenberg. Der Bruckmühler Coach kritisiert das Vorgehen – und bringt damit die Amateurfußball-Szene ordentlich ins Gespräch.

Irschenberg/Bruckmühl – Im Amateurfußball geht es selten nur um Ergebnisse. Oft geht es um Vertrauen, Kommunikation und die Frage, wer im Verein tatsächlich entscheidet. Beim TSV Irschenberg ist daraus nun eine Geschichte geworden, die weit über Tabellenplätze hinausgeht – und deren Mittelpunkt ein Trainer aus Bruckmühl steht: Mike Unrecht.

Der A-Klassist und der erfahrene Coach gehen ab sofort getrennte Wege. Sportlich fällt die Bilanz nüchtern aus. Zwölf Punkte aus 13 Spielen, Rang acht zur Winterpause – kein Absturz, aber auch kein Aufbruch. Für die Vereinsführung offenbar zu wenig. Nach über zwei Jahren wollte der Hauptvorstand des Vereins offenbar die Konsequenz ziehen, aber Unrecht kam denen zuvor nachdem er von den Unstimmigkeiten Wind bekam. Vorsitzender Michael Radzynski begründete den Schritt damit, dass man für die kommenden Aufgaben „einen anderen Trainertyp“ benötige. Vor allem die Integration von Jugendspielern in den Herrenbereich solle künftig anders gestaltet werden.

Irschenberg: Trainer-Aus von Bruckmühler Mike Unrecht sorgt für Wirbel

Doch es ist nicht die Entscheidung allein, die für Unruhe sorgt. Es ist der Weg dorthin. Denn wie der „Miesbacher Merkur“ berichtet, wurde der zuständige Spartenleiter Lorenz Juffinger in die Entscheidung nicht eingebunden. Der Beschluss fiel über seinen Kopf hinweg – ein Vorgang, der selbst im emotionalen Amateurfußball selten öffentlich wird. Juffinger machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Mehr Offenheit hätte dem Verein gutgetan, erklärte er, und stellte klar, dass sich ein solcher Umgang nicht wiederholen dürfe. Ihm sei sogar nahegelegt worden, sein Amt abzugeben. Trotz allem kündigte er an, seinen Nachfolger zu unterstützen. Worte, die nach Pflichtgefühl klingen, aber auch nach einem Bruch im Innenleben des Vereins.

Im Zentrum dieser Entwicklung steht Mike Unrecht. Der Bruckmühler ist in unserem Fußball-Kreis Inn/Salzach kein Unbekannter. Stationen beim SV DJK Götting, beim SV Vagen und beim SV DJK Heufeld haben ihn zu einem Trainer gemacht, der den Amateurfußball aus verschiedenen Perspektiven kennt. Einer, der Mannschaften stabilisieren soll, Strukturen aufbaut und auf klare Kommunikation setzt. Genau diese vermisste er nun selbst. „Wie in Irschenberg im Hintergrund gearbeitet wird – ohne Kommunikation – ist nur feige und respektlos“, sagte Unrecht. Es sind deutliche Worte, ungewöhnlich offen für die sonst eher zurückhaltende Welt der A-Klassen. Unrecht betonte, dass für ihn ehrliche Kommunikation die Grundlage jeder Zusammenarbeit sei. Die Saison hätte er gerne zu Ende geführt, stattdessen endet das Kapitel vorzeitig.

Bruckmühler Coach Mike Unrecht kritisiert Ex-Verein TSV Irschenberg

Dabei hatte der Start in Irschenberg einst nach Aufbruch geklungen. Nach dem Abstieg aus der Kreisklasse sollte Unrecht Stabilität bringen. Der Verein sprach damals von Erfahrung und Expertise, die helfen sollten, die Mannschaft neu auszurichten. Die Aufgabe reizte den Trainer, auch weil es für ihn ein neuer Spielkreis war. Zwei Jahre später ist von Aufbruch wenig geblieben. Stattdessen stehen Fragen im Raum: nach Verantwortung, nach internen Abläufen und nach der Richtung des Vereins.

Sportlich soll nun Josef Sontheim übernehmen – ein bekanntes Gesicht in Irschenberg. Der 58-Jährige steht bereits zum dritten Mal an der Seitenlinie und soll die Mannschaft bis zum Sommer stabilisieren, vor allem defensiv. Der Vorsitzende spricht von einem der besten Trainer im Landkreis. Eine Übergangslösung mit Erfahrung, während die Zukunft noch offen ist. Für Unrecht dagegen beginnt ein neuer Abschnitt. Der Bruckmühler gilt als Trainer, der trotz Rückschlägen schnell wieder auf dem Radar anderer Vereine erscheint. Im Amateurfußball sind Wege kurz, Erinnerungen lang. Wer mehrere Stationen in der Region geprägt hat, verschwindet selten lange aus dem Geschehen.

Zurück bleibt in Irschenberg eine Geschichte, die zeigt, wie sensibel das Gleichgewicht in kleineren Vereinen ist. Entscheidungen fallen oft ehrenamtlich, unter Zeitdruck, mit viel Emotion. Gerade deshalb wiegt der Umgang miteinander schwer. Wenn Kommunikation fehlt, wird aus einer sportlichen Entscheidung schnell eine Vereinskrise. Und so ist das Trainer-Aus von Mike Unrecht mehr als nur ein Trainerwechsel. Sie erzählt von Erwartungen, enttäuschten Hoffnungen und der Frage, wie viel Offenheit ein Verein verträgt. Für den TSV Irschenberg beginnt nun die Suche nach Ruhe und Stabilität. Für den Bruckmühler Trainer könnte es dagegen der Moment sein, an dem ein neues Kapitel beginnt. Im Amateurfußball endet selten etwas endgültig – oft beginnt es nur an anderer Stelle neu. (mck)

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