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Trainingscamp mit dem Landkreis-Nachwuchs

„Die Mannschaft war schon ein geiler Haufen“: Weltmeister Erik Durm zu Gast in Piding

Gruppenbild mit Weltmeister (von links/in Rot die Sparkassen-Marketing-Mitarbeiter) Pidings Fußball-Abteilungsleiter Anderl Reichenberger, Trainer Patrick Ghigani, Franz Rinner, Coach Ennis Ghigani, Simon Koch, Erik Durm, Martin Hinterstoißer, davor Theresia Petram, Manuela Kagleder, ASV-Gesamtvorstand Sebastian Reiter sowie Kostas Peretoglu und Simon Hasler von der organisierenden Schächter Sports GmbH.
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Gruppenbild mit Weltmeister (von links/in Rot die Sparkassen-Marketing-Mitarbeiter) Pidings Fußball-Abteilungsleiter Anderl Reichenberger, Trainer Patrick Ghigani, Franz Rinner, Coach Ennis Ghigani, Simon Koch, Erik Durm, Martin Hinterstoißer, davor Theresia Petram, Manuela Kagleder, ASV-Gesamtvorstand Sebastian Reiter sowie Kostas Peretoglu und Simon Hasler von der organisierenden Schächter Sports GmbH.

Einen ganz besonderen Besucher hatte am Mittwoch (27. Mai) der ASV Piding zu Gast. Weltmeister Erik Durm leitete ein Trainingscamp im Berchtesgadener Land.

Piding - Er spielte gegen Messi und Ronaldo, also die größten Fußballer seiner Zeit, wurde 2014 ohne Einsatz Weltmeister, gewann mit Frankfurt 2022 die Europa League und spielte sogar ein Jahr in England: Erik Durm, 34 Jahre (Karrieredaten siehe Kasten).

Am Frankfurter Waldstadion ist er auf einem überlebensgroßen Plakat als „Star-Spieler“ abgebildet. Der außergewöhnliche Gast kreuzte am Mittwoch nun in Piding auf, um im Rahmen eines eintägigen Camps zusammen mit weiteren ehemaligen Profis Kindern im Alter von sechs bis 14 Jahren Tipps zu geben und Tricks zu verraten. Erik Durm selbst spielte sich mit zahlreichen 20-Meter-Freistößen aus halbrechter Position bei angenehmen Temperaturen „warm“ – jeder einzelne Ball landete elegant im Kreuzeck. „Das ist halt ein Profi“, schwärmte ASV Piding-Vorstand Sebastian Reiter.

Piding: Weltmeister Erik Durm leitet Jugend-Trainingscamp

Die Schächter Sports GmbH, für die Durm unter anderem als Markenbotschafter auftritt, kam auf die Sparkasse Berchtesgadener Land zu und unterbreitete das Angebot eines Jugend-Trainingstages mit dem ehemaligen Profi. „Da uns die Förderung des Fußball-Nachwuchses in der Region ein wichtiges Anliegen ist, haben wir uns entschieden, ein solches Camp hier bei uns zu unterstützen“, so Simon Koch aus dem Marketing-Vorstandsstab des heimischen Finanzinstituts. Der Besuch passte natürlich perfekt zur anstehenden Weltmeisterschaft in exakt zwei Wochen sowie zum Engagement im Rahmen der Sparkassen-Pokal-Turniere.

Erik Durm im Portrait

Erik Durm kam am 12. Mai 1992 in Pirmasens zur Welt und wuchs im pfälzischen Rieschweiler-Mühlbach auf. Bei der dortigen Spielgemeinschaft begann seine Fußball-Karriere, mit 17 wurde er beim 1. FC Saarbrücken Torschützenkönig der Junioren-Regionalliga. Über den 1. FSV Mainz 05 ging es zu Borussia Dortmund. Sein Bundesliga-Debüt gab er am 10. August 2013 auswärts in Augsburg. Weitere Profi-Stationen waren Huddersfield Town (28 Spiele), Eintracht Frankfurt (Europa League-Sieg 2022) und der 1. FC Kaiserslautern (2. Bundesliga). Im deutschen Oberhaus kam der Außenverteidiger auf 101 Einsätze, dabei gelangen ihm drei Tore.

Für Deutschland spielte der 1,83 Meter große Fußballer mit einem starken rechten Fuß siebenmal und war Teil des Weltmeister-Kaders 2014. Vor zwei Jahren beendete Durm seine Kicker-Laufbahn offiziell, spielt aktuell noch für seinen Heimatverein SG Rieschweiler in der Landesliga. Er ist verheiratet, hat drei Kinder (drei, vier und sechs Jahre), die Familie lebt in der Südwestpfalz. Durm hat ein Semester Sportwissenschaft in Mainz studiert, ehe das Angebot von Borussia Dortmund kam, gerade Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger: „Mein Profi-Einstieg und meine schönste Zeit als Fußballer. Nach einer Woche spielte ich Champions League und jeder kannte mich. Aber es war überall toll, auch in Frankfurt, der Premier League und am Ende in der Heimat, beim 1. FC Kaiserslautern.“

Erik Durm begleitete zwei je einstündige Trainingseinheiten: 60 Kinder und Jugendliche aus allen Fußballvereinen des Berchtesgadener Landes – da es mehr Anmeldungen gab, musste das KI-Los entscheiden – waren aufgeteilt in zwei Gruppen und an den verschiedenen Stationen mit Begeisterung, Eifer und Freude dabei. Einen kleinen Jungen im kompletten Harry-Kane-Bayern-Outfit, der sich im Kreis der vielen fremden Kinder nicht von Anfang an pudelwohl gefühlt hatte, nahm Erik Durm liebevoll an die Hand und kümmerte sich in seiner bescheidenen und unaufgeregten Art rührselig um ihn.

Rundherum sorgten weitere Attraktionen, eine Hüpfburg, eine Torwand, für Kurzweil. Die Gemeinde Piding stellte den Platz, der ASV Piding gern sein neues Vereinsheim zur Verfügung, um die Verpflegung kümmerte sich wie gewohnt die Familie Schinko. Zum Abschluss des Tages gab’s Autogramme auf Trikots, Hosen und Playmobil-Fußballfiguren sowie natürlich jede Menge Erinnerungsfotos mit Erik Durm.

Erik Durm hatte in Piding sichtlich Freude daran, das Training mit den Kindern aus dem Berchtesgadener Land zu bestreiten.

beinschuss.de hatte die Gelegenheit, vorab mit dem beidfüßig starken Ex-Profi zu sprechen, der auch schon Nachwuchsfußballer in den Townships in Südafrika coachte.

Erik Durm im Interview: „Da geht einem schon erstmal die Düse“

Herr Durm, wie gehen Sie ein Training wie jenes hier in Piding an?
Erik Durm: „Ich versuche den Mädels und Buben Freude am Spielen zu vermitteln. Ich habe selbst noch drei sehr kleine Kinder und weiß daher, worauf es ankommt. Ich laufe von Station zu Station und versuche, wenn ich etwas sehe, Hilfestellungen zu geben und ihnen die Basics aufzuzeigen.“
Sie selbst spielen noch aktiv für ihren Heimatverein SG Rieschweiler in der Landesliga Südwest und feierten am vergangenen Wochenende mit einem 4:0 gegen Hermersberg, immerhin Fünfter, den Ligaerhalt. Es macht Ihnen also noch großen Spaß, zu kicken…
Durm: „Absolut. In den letzten fünf Partien wurde es nochmal richtig eng. Drei Siege reichten schließlich, am letzten Spieltag haben wir das Ding zum Glück noch gezogen …“
… mit Ihnen, weiterhin als Außenverteidiger?
Durm: „Hauptsächlich, ja, aber grundsätzlich überall, wo ich gebraucht werde. Ich habe die Aufgabe, das Spiel anzukurbeln. Gut, ich bin jetzt 34, kann beruflich nicht mehr regelmäßig trainieren, da muss ich schon dranbleiben, weil das Niveau richtig gut ist. Aber es ist eine Herzensangelegenheit, dort zu spielen, wo man 15 Jahre verbrachte und groß geworden ist.“
Sind Sie mit Ihrer Karriere, die auch durch zahlreiche schwerwiegende Verletzungen geprägt war, zufrieden? Schließlich könnten sie mit 34 noch immer als Profi spielen?
Durm: „Ich bin sehr dankbar für das, was ich erleben durfte. So etwas ist nicht abzusehen. Und das war es auch nicht, weil ich immer sehr kritisch mit mir selbst umging. Das gab mir aber auch den Antrieb, vielleicht mehr zu machen als andere. Freilich hatte ich großes Verletzungspech, was noch mehr Erfolge vermutlich verhinderte. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken, es gibt keinen Groll.“
Sie durften unter Jürgen Klopp trainieren.
Durm: „Er war derjenige, der mich vom Stürmer zum Verteidiger machte. Er war definitiv mein bester Trainer, für mich auch ein Stück weit eine Vaterfigur, der immer zu mir stand – wie zu all seinen Spielern. Diese Menschlichkeit, die es heute nicht mehr so oft gibt, zeichnet ihn aus. Genauso wie Dave Wagner aus der damaligen 2. Mannschaft. In Dortmund durfte ich mit Leuten wie Lewandowski, Hummels, Reus, Dembele, Aubameyang, Großkreutz oder Schmelzer zusammenspielen, das prägt einen schon. Als ich das erste Mal vor dieser gelben Wand stand, mein lieber Mann, da geht einem schon erstmal die Düse – und jeder, der was anderes sagt, ist nicht ehrlich. Aber wenn der Anpfiff erfolgt, Kopf aus, Adrenalin an, dann geht‘s.“
Sie sind neben Matthias Ginter und Kevin Großkreutz einer von drei Feldspielern, die beim WM-Gewinn 2014 nicht zum Einsatz kamen: Dachten sie sich beim Stand von 6:0 oder 7:0 im Halbfinale gegen Brasilien, nun könnte mich der Bundestrainer aber schon auch mal einwechseln?
Durm: „Das ist tatsächlich die häufigste Frage, die ich bekomme (er lacht). Und ich sage weiterhin nein, ich dachte mir das damals wirklich nicht. Trotzdem fühle ich mich definitiv als Weltmeister, weil ich den Kader-Status nicht geschenkt bekam, sondern mir diesen hart erarbeitet hatte und durch Leistung so weit kam. 2014 war es für alle das Größte, für das eigene Land dabei zu sein und das mitzuerleben. „Die Mannschaft“ war schon ein geiler Haufen. Natürlich hofft man auf Einsätze, man ist Fußballer. Aber ich habe mich nie geärgert, nicht gespielt zu haben, sondern bin für diese Erfahrung mega-dankbar.“
Ein Wort zu WM-Torschützenkönig Miro Klose, ebenfalls ein Pfälzer.
Durm: „Mit ihm war ich in Brasilien ‚am dicksten‘. Er meinte gleich: ‚Hey, Pfälzer Bub, komm mal her.‘ Er war und ist mein Idol, ich bin als kleiner Junge mit meinem Dad immer hoch zum Betze. Der Miro ist ein großartiger Mensch und Freund.“
Konnten Sie sich die Gegend rund um Piding ein wenig ansehen?
Durm: „Als Kind war ich mal, mit zehn oder elf Jahren, mit einer Schulfreizeit in Inzell. Ganz neu ist mir die Region nicht. Wir sind aber schon einen Tag früher angereist, um heute auch pünktlich hier zu sein, von mir daheim sind es ja über fünf Stunden Fahrzeit. Wir sahen uns gestern Bad Reichenhall an, waren griechisch essen und übernachteten hier. Es ist schon außergewöhnlich schön hier.“ (bit)

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