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Wer zahlt die Zeche?

Zoll-Falle für Verbraucher: Wie Trumps Handelspolitik den Alltag verteuert

Eine Hand hält ein Etikett mit der Aufschrift „Made in U.S.A.“
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Die Zollerhöhungen der USA - und die entsprechenden Reaktionen von Handelspartnern - führen zu Störungen in globalen Produktionsprozessen und steigenden Preisen. Das betrifft auch US-amerikanische Unternehmen.

Donald Trumps Zollpolitik versetzt die globalen Märkte in Aufruhr und verunsichert die Verbraucher. Doch wer spürt die Auswirkungen im Alltag am stärksten? Wir erklären Euch, wie Zölle funktionieren und warum am Ende oft die Konsumenten die steigenden Kosten tragen müssen.

Seit der Ankündigung neuer Importzölle durch die USA herrscht an den internationalen Börsen und in politischen Zirkeln rege Betriebsamkeit. Während sich Investoren Sorgen um ihre Portfolios machen und Regierungen über mögliche Gegenmaßnahmen beraten, fragen sich viele Verbraucher, wie sich diese Handelspolitik konkret auf ihren Alltag und ihren Geldbeutel auswirken wird.

Sonali Chowdhry, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Expertin für internationalen Handel, erklärt wichtige Fakten dazu.

Wie Zölle funktionieren: Eine versteckte Preiserhöhung

„Wenn neue Zölle erhoben werden, unterliegen ausländische Waren zusätzlichen Abgaben an der Grenze, bevor sie in den heimischen Markt gelangen dürfen“, erklärt Chowdhry. Diese Zölle seien in der Regel produktspezifisch und im sogenannten Zolltarif eines Landes festgelegt. Sofern keine präferenziellen Handelsabkommen mit dem Exportland bestehen, gelte üblicherweise ein einheitlicher Standardzollsatz für alle Handelspartner.

Wer letztlich die Kosten dieser Zölle trägt, hängt stark von der Preiselastizität von Angebot und Nachfrage ab. Bei Gütern wie hochspezialisierten Industriemaschinen oder Markenartikel mit wenigen Alternativen können ausländische Produzenten oft einen Großteil oder sogar die gesamten Zollkosten an die Importeure - also inländische Unternehmen und Handelspartner - weitergeben.

Diese wiederum können die Verkaufspreise für Endverbraucher erhöhen, um die Zusatzkosten wieder reinzuholen. In solchen Fällen tragen also die Konsumenten letztendlich die volle finanzielle Last der eingeführten Zölle.

Anders verhält es sich, wenn alternative Lieferanten auf dem Markt existieren oder die Verbraucher besonders sensibel auf Preisänderungen reagieren. Dann sind Exporteure eventuell gezwungen, einen Teil der zusätzlichen Kosten selbst zu tragen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und nicht Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren. 

Ziele der Zollpolitik: Schutz der Industrie vs. politisches Druckmittel

Die primären Intentionen hinter der Einführung von Zöllen sieht Chowdhry darin, die heimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz zu schützen und den Konsum inländischer Alternativen zu fördern. 

Insbesondere in aufstrebenden, zukunftsträchtigen Branchen, die sich noch in einer Entwicklungsphase befinden und Zeit benötigen, um international wettbewerbsfähig zu werden, greifen Regierungen auf protektionistische Maßnahmen zurück. Diese sollen den Aufbau und die Expansion junger Industrien unterstützen.

Darüber hinaus können Zölle als gezielte Reaktion auf unfaire Handelspraktiken wie beispielsweise Dumping eingesetzt werden. Dumping liegt vor, wenn ausländische Hersteller Waren unterhalb ihres eigentlichen Marktwerts anbieten, was häufig auf staatliche Subventionen oder extrem niedrige Lohnkosten in ihren Produktionsländern zurückzuführen ist. In solchen Fällen sollen Zölle faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und inländische Unternehmen vor unlauterem Wettbewerb zu schützen.

Diese neue US-Zollpolitik ist ungewöhnlich: „Sie weicht stark vom klassischen Protektionismus ab“, konstatiert Chowdhry. Viele der höchsten Zölle würden Länder wie Lesotho und Madagaskar treffen, die Güter exportieren, für die es in den USA keine eigene Industrie oder keinen komparativen Vorteil zu verteidigen gibt.

Die Androhung weiterer, noch höherer Zölle gegenüber Ländern, die ihre Gegenmaßnahmen koordinieren, lasse die Politik eher als Instrument „wirtschaftlicher Nötigung“ erscheinen und werfe ernsthafte Fragen nach den eigentlichen Beweggründen auf.

Globale Auswirkungen: Störung von Produktionsketten und Einkommensverluste

„Mit diesen umfassenden Zollerhöhungen zieht sich die USA noch weiter vom multilateralen Handel und der internationalen Zusammenarbeit zurück“, analysiert die Handelsexpertin. Dies führe unweigerlich zu Störungen in globalen Produktionsprozessen, was auch US-amerikanische Unternehmen betreffe, die in erheblichem Maße auf importierte Vorleistungen angewiesen seien. Das würde die Effizienz senken und letztendlich das reale Einkommen der Bürger belasten

Eine nachhaltige Wachstumsstrategie sei das mit Sicherheit nicht. Studien des renommierten Peterson Institute for International Economics deuten darauf hin, dass solche breit angelegten Zölle die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Industrie negativ beeinflussen und zu Arbeitsplatzverlusten führen können.

Folgen für Verbraucher: Höhere Preise und geringere Auswahl

„Die Anpassung wird für Verbraucher und Unternehmen schmerzhaft sein“, prognostiziert Chowdhry. „Die USA importieren eine breite Palette an Gütern – von Kraftfahrzeugen über Kleidung bis hin zu Elektronik – und auf all diese Produkte werden künftig höhere Abgaben erhoben.“

US-Verbraucher könnten zwar versuchen, auf Produkte aus Ländern auszuweichen, die niedrigeren Zollsätzen unterliegen, doch selbst dies stellt eine erhebliche Kostensteigerung dar, die sich in den Einzelhandelspreisen niederschlagen wird.

Außerdem könne die inländische Produktion in den USA in all diesen Sektoren nicht schnell genug hochgefahren werden, um die gesamte heimische Nachfrage qualitativ und quantitativ zu befriedigen. Das bedeutet, dass die Konsumenten nicht nur höhere Preise zahlen müssen, sondern möglicherweise auch mit einer geringeren Auswahl an Produkten konfrontiert sein werden.

Ausblick für deutsche Konsumenten

Umgekehrt können deutsche Verbraucher laut Chowdhry in bestimmten Branchen zunächst mit Preisrückgängen rechnen. Denn Waren, die von hohen US-Zöllen betroffen sind, werden verstärkt auf den europäischen Markt umgeleitet werden, was das Angebot erhöht und den Wettbewerb verschärft. 

Markenprodukte hingegen dürften teurer werden, insbesondere in global integrierten Branchen wie der Automobil- und Elektronikindustrie, da sowohl die Produktionskosten steigen als auch neue Zölle in Kraft treten“, warnt Chowdhry. 

Die komplexen und global vernetzten Lieferketten führen immer dazu, dass Zölle, die an einer Stelle erhoben werden, Kosteneffekte an anderer Stelle verursachen. (as/dpa)

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