Eurer Gesundheit zuliebe
Wascht Ihr Kleidung vor dem ersten Tragen? Darum ist das wichtig
Kleidung sollte vor dem ersten Tragen gewaschen werden – eine Umfrage zeigt nun, wie viele Menschen sich wirklich daran halten.
Wer kennt es nicht: Man hat soeben das Traum-Teil beim Shopping ergattert, und möchte es am liebsten sofort ausführen. Aber Halt: Neu gekaufte Kleidung sollte vor dem ersten Tragen ja gewaschen werden. Laut einer repräsentativen Umfrage, die von der rbb-Sendung SUPER.MARKT in Auftrag gegeben wurde, weiß das auch die große Mehrheit – genauer gesagt 70 Prozent der Befragten. Trotzdem hält sich jeder Dritte (33 Prozent) nicht daran.
Umso billiger, umso gesundheitsschädlicher
Das wäre aber dringend geboten, rät Oliver MacConnell, Professor für Modemanagement an der Berliner Wirtschaftshochschule bbw, im Verbrauchermagazin SUPER.MARKT. „Billige Klamotten, die gut aussehen, wurden definitiv chemisch behandelt, weil sie sonst nicht gut aussehen würden. Die Bequemlichkeit der Vergangenheit hat zu den katastrophalen Umständen in der Textilindustrie geführt, die wir heute haben. Wir wollten es immer bequem haben, pflegeleicht, knitterfrei und so weiter und so fort. Und da ist Chemie der billigste Partner, um das zu machen.“
Andere Länder, andere Grenzwerte
Kleidung, die weite Wege hinter sich hat, ist zudem oft mit Chemikalien behandelt, die zum Beispiel einen Schimmelbefall verhindern. Dazu kommt, dass in Ländern außerhalb der EU für den Chemikalieneinsatz andere Grenzwerte gelten. Laut Greenpeace kommen fast 75 Prozent der weltweiten Kleidung aus Asien. Dabei werden über 3500 verschiedene Chemikalien eingesetzt, viele davon umwelt- und gesundheitsschädlich.
Viola Wohlgemuth von Greenpeace kritisiert gegenüber SUPER.MARKT zu laxe Gesetze und Grenzwerte: „Chemikalien, die in Europa verboten sind oder niemals in Produkten zugelassen wurden, sind in Süd-Ost-Asien oft zugelassen. Oder es wird nicht kontrolliert, weil eben diese Industrie so viel Geld ins Land bringt und natürlich die internationalen Firmen so viel Druck ausüben, dass eine Gesetzgebung dort nicht stattfindet.“
Im schlimmsten Fall droht allergischer Schock
Das Gefährliche: Schweiß löst die Chemikalien aus der Kleidung, wodurch die Haut damit in Kontakt kommt. Dort können sich juckende Rötungen und Bläschen bilden. Im schlimmsten Fall droht sogar ein allergischer Schock. Außerdem wurde die Kleidung möglicherweise von anderen Menschen anprobiert, wodurch sich dort Keime und Krankheitserreger absetzen konnten. Damit Ihr Euch keiner gesundheitlichen Gefahr aussetzt, solltet Ihr also Kleidung immer vor dem ersten Tragen waschen. Stark behandelte Kleidung, zum Beispiel knitterfreie Hemden oder stark gefärbte Stücke, sollten am besten zwei bis drei Mal gewaschen werden. Das gilt besonders, wenn Ihr empfindliche Haut habt.
So erkennt Ihr weniger stark belastete Kleidung
Noch besser ist es aber, von vorneherein auf weniger belastete Kleidung zu setzen. Dabei helfen können Kennzeichnungen wie etwa das „Öko-Tex 100“ und „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) Siegel. Ist ein Kleidungsstück damit gekennzeichnet, bedeutet das, dass nur geringste Mengen an Schadstoffen vorhanden sein dürfen. Der Naturschutzbund BUND empfiehlt zudem, auf das „IVN Best-Label“ zu achten. Es ist das strengste Siegel in der Textilbranche, denn es ist nur für Bio-Naturfasern gültig, verbietet besonders viele Chemikalien und definiert Sozialstandards, die an der gesamten Lieferkette eingehalten werden müssen. Man tut damit also nicht nur seiner eigenen Gesundheit, sondern auch der Umwelt und den Arbeitern etwas Gutes.
Ein weiterer Tipp: Secondhand-Ware. Secondhand-Kleidung ist in der Regel bereits mehrfach gewaschen und daher größtenteils frei von belastenden Stoffen. Außerdem tut man auch damit was für die Umwelt – eine Win-Win-Situation sozusagen.
fso mit Material der dpa