Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Krankenkassen am Limit

Trotz Klingbeil-Versprechen: Sozialverband warnt vor höheren Beiträgen – und will eine Gruppe zur Kasse bitten

Der Haushaltsplan von Finanzminister Klingbeil soll auch die Probleme der gesetzlichen Krankenkassen beseitigen. Eine Expertin hat große Bedenken.

München – Die Krankenkassen in Deutschland befürchten, dass die Beiträge der Versicherten schon bald enorm ansteigen. Zwar plant die Bundesregierung um Finanzminister Lars Klingbeil, die Krankenkassen 2025 und 2026 mit einem Darlehen über insgesamt 2,3 Milliarden Euro zu entlasten. Doch das reicht nach Ansicht des GKV-Spitzenverbands nicht aus.

Aus Sicht der zentralen Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland ist das „vorgesehene Darlehen nur weiße Salbe“, der Klingbeil-Plan könne nicht verhindern, dass „sich die Beitragsspirale immer weiterdrehen wird“, heißt es in einer Mitteilung des Verbands. Und auch von Sozialverbänden kommt scharfe Kritik an den Krankenkassen-Plänen der Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz.

Lars Klingbeil möchte mit seinem Haushaltsplan auch die Krankenkassen entlasten. Von Sozialverbänden kommt harte Kritik.

Klingbeil-Plan für Krankenkassen: Sozialverband warnt – Finanzproblem „lässt sich nicht mit Darlehen lösen“

Bundesfinanzminister Klingbeil hatte in der Pressekonferenz zum Haushalt 2025 noch betont, dass er die Sozialversicherungsbeiträge stabilisieren wolle. Im Gespräch mit IPPEN.MEDIA äußerte sich Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, eher skeptisch. „Die finanzielle Lage der Sozialversicherungen ist besorgniserregend. Dies lässt sich nicht mit Darlehen aus dem Haushalt lösen“, gab sie zu Bedenken. Die VdK-Chefin sieht den Klingbeil-Plan als Mittel gegen steigende Beiträge vielmehr zum Scheitern verurteilt: „Weder das Darlehen in Höhe von 2,3 Milliarden an den Gesundheitsfonds noch das Darlehen in Höhe von einer halben Milliarde an die Pflegeversicherung werden verhindern, dass die Beiträge weiter ansteigen.“

Bentele kritisierte zudem bei IPPEN.MEDIA, dass die Belastung für Versicherte bereits in der jüngeren Vergangenheit enorm hoch gewesen sei. „In den vergangenen Jahren haben die gesetzlich Versicherten über ihre Beiträge die Corona-Ausgaben bei der Pflege, Krankenhausinvestitionen oder diverse familienpolitische Leistungen finanziert. Obwohl dies gesamtgesellschaftliche Aufgaben sind, hat der Bund keinen ausreichenden Ausgleich geleistet.“ Nach Ansicht der VdK-Präsidentin „wurden in der Rentenversicherung willkürlich zehn Milliarden Euro Bundeszuschüsse gestrichen, um den Haushalt zu konsolidieren“. Sie fordert: „Der Ausgleich dieser Ausgaben aus Steuermitteln darf nicht erst in Kommissionen besprochen, er muss im Haushalt vereinbart werden.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Krankenkassen-Beiträge: VdK-Chefin Bentele will „Milliardäre und Multimillionäre“ verstärkt zur Kasse bitten

Außerdem sei es dringend notwendig, dass „gesamtgesellschaftliche Aufgaben fair und verlässlich durch den Bund finanziert werden. Dies könnte den Beitragsanstieg in den kommenden Jahren um mindestens vier Prozentpunkte verringern. Dies würde vor allem Versicherte mit geringen und mittleren Einkommen entlasten und das Vertrauen in die Sozialversicherungen stärken.“ 

Eine Gruppe innerhalb der Bevölkerung würde Bentele dabei ganz besonders zur Kasse bitten, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion bekräftigte: sehr wohlhabende Menschen. „Eine stabile Gesundheitsversorgung, gute Pflege, sichere Renten, Unterstützung für Arbeitsuchende sowie der demografische Wandel sind zu bewältigen, wenn die Lasten durch eine vernünftige Steuerpolitik auf breitere Schultern verteilt und auch Milliardäre und Multimillionäre gerecht besteuert werden“, argumentiert die Präsidentin der VdK.

Beitragsbemessungsgrenze bei Krankenkassen – Kritiker fordern Anpassung oder Abschaffung

Das Bundesgesundheitsministerium erklärt auf seiner Website: „Sowohl bei Pflichtversicherten als auch bei freiwillig versicherten Mitgliedern werden die Einkünfte insgesamt höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5.512,50 Euro im Monat bzw. 66.150 Euro im Jahr (Stand: 2025) berücksichtigt.“ Wer über dieser Einkommensgrenze liegt, profitiert. Dann muss ein Versicherter für den Teil seines Gehalts, der die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, keine zusätzlichen Sozialabgaben zahlen.

Kritiker sehen in der Beitragsbemessungsgrenze einen Vorteil für Gutverdienende. Daher hatte der VdK um Präsidentin Bentele bereits Mitte 2024 gefordert, über eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze „mindestens auf das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung“ nachzudenken oder gleich vollständig abzuschaffen, wie aus einem Statement hervorgeht. Auch aus den Reihen der SPD gibt es Stimmen, die eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze befürworten.

Befürworter – darunter der PKV-Verband, der die allgemeinen Interessen der Privaten Krankenversicherung, der Privaten Pflegeversicherung sowie seiner Mitgliedsunternehmen vertritt – halten dagegen. Demnach würde eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung auf das Niveau der Rentenversicherung Steuerausfälle in Höhe von 4,74 Milliarden Euro verursachen. Der PKV-Verband stützt diese These mit Zahlen einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) von Dezember 2024. Auch eine Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze lehnt der Privatversichtenverband ab. (kh)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/Wolfilser/Imago

Kommentare