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Frühstart-Rente: Wann sie gezahlt wird – und was dabei herausspringt
Mit 10 Euro pro Monat zum Renten-Reichtum? Mit der Frühstart-Rente von CDU und SPD soll das möglich sein. Was Kinder und Jugendliche beachten müssen.
Dortmund – Ab 2026 soll jedes Kind in Deutschland ein eigenes Depot für die Altersvorsorge bekommen – mit monatlich 10 Euro vom Staat. Ein Blick auf die langfristigen Renditen zeigt: Aus dem vermeintlich kleinen Betrag kann im Laufe der Jahrzehnte ein beachtliches Vermögen werden. RUHR24 hat nachgerechnet.
Frühstart-Rente: Wann sie gezahlt wird – und was dabei herausspringt
Die neue Bundesregierung aus Union (CDU/CSU) und SPD plant einen ungewöhnlichen Schritt in der Rentenpolitik: Mit der sogenannten „Frühstart-Rente“ soll für jedes Kind zwischen dem sechsten und dem 18. Lebensjahr monatlich ein Betrag von 10 Euro in ein spezielles Altersvorsorgedepot eingezahlt werden. Voraussetzung ist jedoch, dass es „eine Bildungseinrichtung in Deutschland besucht“. Das Projekt soll bereits zum 1. Januar 2026 starten.
Laut Koalitionsvertrag handelt es sich um ein „individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot“. Sobald sie 18 Jahre alt sind, können die jungen Erwachsenen dann selbst entscheiden, ob sie das Depot beitragsfrei stellen – oder bis zum Renteneintritt selbst weiter einzahlen. Die Erträge bleiben bis dahin steuerfrei, der Staat hat keinen Zugriff auf das angesparte Kapital.
Zum 01.01.2026 wollen wir die Frühstart-Rente einführen. Wir wollen für jedes Kind vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr, das eine Bildungseinrichtung in Deutschland besucht, pro Monat zehn Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot einzahlen.
Frühstart-Rente: So viel Geld könnte nach zwölf Jahren im Depot liegen
Fragt sich nur: Lohnt sich die Frühstart-Rente überhaupt? Mit einigen Beispielrechnungen bekommt man ein Gefühl für die Idee dahinter. In den zwölf Jahren zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr zahlt der Staat insgesamt 1.440 Euro pro Kind ein.
Bei einer jährlichen Rendite von 6 Prozent würde dieser Betrag bis zum 18. Lebensjahr bereits auf rund 2.100 Euro anwachsen. Der Gewinn beträgt somit etwa 660 Euro, ohne dass das Kind oder die Eltern selbst einzahlen müssten. Lassen die jungen Erwachsenen das Geld bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren liegen, wären dann rund 36.500 Euro im Depot.
- Frühstart-Rente ohne eigene Einzahlung:
- Mit 18 Jahren: 2.100 Euro
- Mit 67 Jahren: 36.500 Euro
- (Annahme: 6 Prozent Rendite pro Jahr)
Jährliche Renditen im Bereich von 6 Prozent sind etwa mit einem Exchange-Traded Fund (ETF) auf einen Index wie den MSCI World durchaus erreichbar. Sicher sind sie wegen der Kursschwankungen an den Börsen aber nicht, warnt etwa die Bankenaufsicht BaFin. Derzeit gibt es für Rentner bereits eine historische Änderung.
Frühstart-Rente für Kinder und Jugendliche: Rendite bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren
Besonders interessant wird es, wenn junge Erwachsene ab dem 18. Lebensjahr selbst in das Depot einzahlen. Bei einer Sparrate von monatlich 100 Euro und weiterhin 6 Prozent Rendite würde sich theoretisch bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren folgendes Bild ergeben:
- Frühstart-Rente mit eigener Einzahlung:
- Staatlicher Anteil: 2.100 Euro
- Eigene Einzahlungen: 58.800 Euro
- Endkapital: ca. 375.000 Euro
- (Annahme: 6 Prozent Rendite pro Jahr)
Der reine Gewinn durch den Zinseszinseffekt läge bei mehr als 300.000 Euro. Nach 49 Jahren könnte damit ein kleines Vermögen von fast 400.000 Euro in dem Depot liegen. Damit könnten die ersten Frühstart-Rentner im Jahr 2075 ihre Rentenlücke stopfen. Sie entsteht beim Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand, wenn eine geringe Rente den gewohnten Finanzbedarf nicht vollständig decken kann. Womöglich können die Jugendlichen von heute aber erst mit 70 in Rente gehen.
Neue Rente für Kinder und Jugendliche könnte sich lohnen
Die Frühstart-Rente von CDU und SPD könnte ein wirkungsvolles Instrument sein – nicht nur, um die Altersvorsorge in Deutschland langfristig zu stärken. Der zunächst mickrig wirkende Betrag von zehn Euro im Monat kann durch den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte zu einer beachtlichen Summe heranwachsen. Besonders, wenn die Begünstigten später selbst einzahlen, kann ein kleines Vermögen für die Rente entstehen.
Experten sind teilweise jedoch skeptisch. Kritik kommt etwa von Christoph M. Schmidt, Chef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen. Er sieht im Gespräch mit der Tagesschau das Ziel verfehlt, jungen Menschen das Sparen beizubringen: „Der eigentliche Lerneffekt des Sparens – heute zu verzichten, um morgen mehr zu haben – geht dabei vollständig verloren.“ Zudem reiche das angesparte Kapital nicht aus, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen.
Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der Fondsgesellschaft Union Investment, lobte die Frühstart-Rente hingegen als „innovativen, kreativen und vielversprechenden Weg“. Zudem würden Kinder und Eltern damit erste Erfahrungen am Kapitalmarkt sammeln. Es handele sich jedoch um „eine längst überfällige Reform“.
