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„Kann ich mir nicht leisten“
Horror-Urlaub nach FTI-Insolvenz: Betroffene sollen doppelt zahlen und reagieren verzweifelt
Die Insolvenz des Reiseveranstalters FTI hat dramatische Folgen für Urlauber im Ausland. Hoteliers, die um ihre Zahlung fürchten, wollen das Geld direkt eintreiben.
Hurghada – Bereits seit Monaten ist der gebuchte Urlaub bezahlt. Und dennoch werden etliche Touristen gerade von der Strandliege an die Hotelrezeption zitiert, um noch einmal das Portmonee aufzumachen. Andernfalls wird man im fremden Land einfach vor die Tür gesetzt.
Zahlreiche solcher Horror-Geschichten kursieren derzeit von Deutschen, die durch die FTI-Insolvenz im Urlaub in Schwierigkeiten geraten. Das Reiseunternehmen ist zahlungsunfähig, am Montag (3. Juni) hatte es Konkurs angemeldet. Etliche offene Rechnungen mit Hotels wurden offenbar noch nicht beglichen. Daher würden die Urlauber jetzt nochmal zur Kasse gebeten – und zwar humorlos, wie Betroffene berichten.
FTI-Insolvenz: Hotels setzen Betroffenen wohl Pistole auf die Brust
Die Botschaft vieler Hoteliers sei unmissverständlich: „Entweder du zahlst, oder du bekommst Probleme“, berichtet Gerrit-Ben aus Hannover gegenüber dem TV-Sender RTL. Mit seiner Frau Kerstin (47) reiste der 49-Jährige Anfang Juni für neun Tage nach Ägypten. Zunächst sei noch alles gut gewesen, ehe die Hiobsbotschaft aus München kam – der Reiseveranstalter, mit dem sie gebucht haben, ist zahlungsunfähig. Auch wer nicht direkt bei FTI gebucht hat, könnte betroffen sein.
Für viele Reisende ist nach der FTI-Insolvenz der Urlaub abrupt zu Ende. Manche berichten, von ihren Hotels regelrecht erpresst zu werden. (Symbolfoto/Collage)
1500 Euro sollte das Ehepaar vor Ort noch einmal berappen – obwohl sie die Reise bereits an FTI bezahlt hatten. Andernfalls dürften sie das Hotelgelände nicht mehr verlassen, verpflegt würden sie aber auch nicht mehr, berichtet der Urlauber. „Wir haben dann gefragt, was passiert, wenn jemand das nicht zahlen kann. Da hieß es: Das muss man sich dann leihen“, so der 49-Jährige zu RTL.
Ähnliches berichtet ein deutscher Reisender dem TV-Sender, der ebenfalls in Hurghada Urlaub machen wollte. „Wir wurden behandelt wie Bettler, uns wurden unsere Gegenstände und Pässe verwehrt. Wir mussten die Nacht am Pool verbringen“, zitiert ihn der Sender. Anderswo seien Betroffene vor die Tür gesetzt worden, wie etwa die Bild-Zeitung über ein deutsches Pärchen in Ägypten oder der Focus über eine Frau in der Dominikanischen Republik berichtet.
Nach Insolvenz von FTI: Geld zwar gesichert, Urlaub trotzdem futsch
Sich um ein Dach über dem Kopf sorgen muss Diana Ben Mohamed nicht. Doch auch sie ist von der FTI-Insolvenz betroffen. Für die 55-jährige Schweizerin fallen die Ferien wohl komplett ins Wasser. Wie zahlreiche andere wurde auch ihre FTI-Reise abgesagt. Mitte Juli wollte sie mit ihrer 14-jährigen Tochter die Sonne Tunesiens genießen. 2370 Euro habe sie sich das kosten lassen, wie das Schweizer Nachrichtenportal blick.ch schreibt.
Ihr Glück im Unglück ist, dass sie eine Pauschalreise gebucht hat. Dadurch ist sie über den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) versichert und bekommt ihr Geld zurück. Wann genau, steht jedoch noch nicht fest. Nach der Pleite von Reise-Riesen Thomas Cook mussten Kunden teilweise Monate auf eine Erstattung warten. Für die Schweizerin ist das momentan aber nur ein schwacher Trost.
„Ich bin Alleinverdienerin“, sagte sie gegenüber blick.ch. Einfach einen Ersatz-Urlaub zu buchen, könne sie sich nicht leisten. Jetzt, mit so wenig Vorlauf, seien die Preise für ein und dieselben Leistungen deutlich höher als noch im Februar, als sie ihren Urlaub ursprünglich gebucht hatte. Von den finanziellen Problemen bei FTI habe sie nichts gewusst, sonst hätte sie ihren Urlaub über einen anderen Anbieter gebucht. Seit längerem kriselte es beim Münchner Reiseveranstalter, mehrfach sprang ihm die Bundesregierung mit Steuergeldern zur Seite.
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Pauschalreise-Absicherung hilft Urlaubern nur bedingt – Expertin rät zur Ruhe
Auch vor Ort scheint die Insolvenzabsicherung den Pauschalurlaubern aktuell wenig zu helfen. Wie das Ehepaar aus Hannover berichtet, werden entsprechende Bestätigungen vom deutschen Konsulat in Ägypten von den Hoteliers als Fälschung abgetan. Hotels verstoßen damit gegen geltendes Recht, erklärt Tourismus-Expertin Nina Hammer gegenüber Focus. Sie rät von Zahlungen an das Hotel ab.
„So schwer das auch ist, man sollte Ruhe bewahren, sich nicht unter Druck setzen lassen und auf eine Klärung mit dem Management bestehen“, so Hammer. Sollten Reisende in ihrer hilflosen Lage doch nachgeben und zahlen, sollten sie sich das unbedingt schriftlich bestätigen lassen. Das kann dann beim DRSF eingereicht werden, so die Expertin. (rku)