Erhöhte Gefahr auf „kardinale Ereignisse“
Neue Studie zeigt gesundheitliches Risiko von Süßungsmittel – besonders Herzkreislauf gefährdet
Süßstoffe gelten häufig als harmlose Zuckeralternative. Wie groß die gesundheitlichen Risiken jedoch sind, zeigt eine Studie.
München – Wenn in Lebensmitteln auf Zucker verzichtet wird, nutzen Hersteller häufig umso mehr Süßungsmittel als Geschmacksersatz. Viele glauben deshalb, dass ein Produkt automatisch gesünder ist als mit herkömmlichem Zucker. Eine Studie zeigt nun jedoch, wie gesundheitsschädlich das Süßungsmittel Xylit – auch bekannt als Bambuszucker – sein kann.
Studie liefert Beweis: „Süßstoffe nicht unbedingt die harmlose Zuckeralternative“
In der Vergangenheit gab es bereits Berichte über Verdauungsprobleme und negative Auswirkungen auf das Darmmikrobiom durch Süßungsmittel wie Xylit. Dennoch stuften Experten diese als sicher ein und empfahlen sie für Menschen mit Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Empfehlungen könnten nun durch eine neue Studie der Cleveland Clinic in den USA, die im European Heart Journal veröffentlicht wurde, ins Wanken geraten.
Was ist Xylit?
Xylit, auch bekannt als Birkenzucker, ist ein Zuckeralkohol, der als kalorienarmer und „natürlicher“ Süßstoff beworben wird. Er kommt dabei von Natur aus in vielen Früchten sowie Gemüsen vor und wird industriell hauptsächlich aus Birkenholz oder Maiskolbenresten gewonnen. Doch nicht nur in der Lebensmittelindustrie ist Xylit beliebt: Der Süßstoff wird häufig in Zahnpflegeprodukten verwendet, weil er das Wachstum von Kariesbakterien hemmen soll.
Quelle: Deutsches Herzzentrum der Charité
Dr. Marco Witkowski, Erstautor der Studie, liefert den Beweis dafür, „dass Süßstoffe nicht unbedingt die harmlose Zuckeralternative sind, für die sie oft gehalten werden“. „Besonders bei Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Risiken könnte der Konsum von Xylit zusätzliche Gesundheitsgefahren bergen“, warnt der Kardiologe am Deutschen Herzzentrum der Charité. „Es ist wichtig, dass Verbraucher sich dieser Risiken bewusst sind und ihren Konsum dieser Süßstoffe überdenken.“
Risiko auf „kardiale Ereignisse“ bei Patienten mit hoher Xylit-Konzentration stark erhöht
In seiner Forschungsarbeit analysierte Witkowski zunächst die Blutproben von über 3300 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese wurden dann über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet. Das Ergebnis: Patienten mit hohen Xylit-Konzentrationen erlitten häufiger Schlaganfälle und „kardialen Ereignissen“ wie Herzinfarkte. Bei diesen war das Risiko um 57 Prozent erhöht.
Diese Beobachtungen wurden im Laufe der Untersuchungen weiter bestätigt: Sowohl in Laborversuchen als auch bei Tests mit gesunden Probanden stellte sich heraus, dass Xylit die Reaktivität von Blutplättchen erhöht, wie der Pressebericht des Deutschen Herzzentrums der Charité berichtet. Das bedeutet konkret, dass das Süßungsmittel die Bildung von Blutgerinnseln fördert und somit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern kann.
Bereits 2023 hatte Witkowski in einer von der Cleveland Clinic geleiteten Studie gezeigt, dass der Süßstoff Erythrit mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden ist. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Süßungsmittel nicht unbedingt die gesündere Alternative zu Zucker sind. Wichtig zu wissen: Bei Tieren wie Hunden oder Kaninchen kann Xylit einen lebensbedrohlichen Abfall des Blutzuckerspiegels und Leberschäden verursachen. (cln)
Rubriklistenbild: © imago/J. Pfeiffer
