Große Gefahr im Netz
Europol warnt: Online-Sekten verleiten immer mehr Kinder zu Gewalt und sogar Selbstmord
Ihre Opfer sind jung und verletzlich. Sie schlagen zu in vermeintlich geschützten Räumen und treiben Kinder und Jugendliche zu Sex- und Gewalt-Videos und sogar Mord. Jetzt warnt Europol eindringlich vor diesen Online-Sekten.
Es sind extrem gefährliche Online-Sekten, die mit perfiden Methoden ihre Opfer rekrutieren. Besonders gefährdet: Kinder und Jugendliche. Europol schlägt nun Alarm.
Europol warnt vor extrem gewalttätigen Online-Sekten
Die europäische Polizeibehörde in Den Haag möchte jetzt auf den Anstieg gewalttätiger Online-Communitys aufmerksam machen: Immer mehr dieser extrem gefährlichen Sekten nutzen das Internet, um gezielt Kinder und Jugendliche zu manipulieren und zu missbrauchen. In einem aktuellen Bericht warnt Europol davor, dass die Täter junge Menschen zu brutalen Gewalttaten und sexuellen Übergriffen zwingen. Dabei geht es nicht nur um Cyber-Grooming, sondern auch um das gezielte Schüren von Chaos, Gewalt und sogar Terrorakten. Ihre Opfer finden sie vor allem in Chats von Gaming-Plattformen, Streaming-Diensten und in sozialen Netzwerken. Oft beginnt die erste Kontaktaufnahme durch sogenanntes Love-Bombing.
Was versteht man unter Love-Bombing?
Love-Bombing ist eine manipulative Taktik, bei der eine Person – meist in toxischen oder missbräuchlichen Beziehungen – ihr Gegenüber mit übermäßiger Zuneigung, Komplimenten und Geschenken überschüttet, um emotionale Abhängigkeit zu erzeugen. Sobald das Opfer sich sicher fühlt, zieht der Täter plötzlich seine Zuneigung zurück und beginnt, Kontrolle und Manipulation auszuüben. Dieses Verhalten wird oft von Narzissten oder in Sektenstrukturen angewendet, um Macht über andere zu gewinnen.
Sekten-ähnliche Strukturen mit radikalen Regeln
Nach Erkenntnissen von Europol sind diese Gruppen sektenartig organisiert. Sie werden von charismatischen Anführern geleitet und funktionieren nach dem Prinzip: Wer aufsteigen will, muss brutale Inhalte liefern. Mitglieder werden dazu gedrängt, Videos mit extremer Gewalt oder sexuellen Übergriffen zu produzieren und in der Gruppe zu teilen. Je mehr schockierendes Material ein Mitglied beisteuert, desto höher steigt es in der Hierarchie auf.
Kinder als leichte Beute: Täter suchen Opfer auf Gaming-Plattformen
Besonders erschreckend: Die Täter suchen gezielt nach verletzlichen Opfern – häufig handelt es sich um junge Menschen, die in schwierigen Lebenssituationen stecken – sei es aufgrund psychischer Probleme, ihrer ethnischen Herkunft oder sexuellen Orientierung. In manchen Fällen sind sogar Selbsthilfegruppen infiltriert worden. Sind die Kinder oder Jugendlichen erstmal in diese Sekten hineingeraten, werden sie mit ihren Videos erpresst, um noch mehr Gewalttaten zu verüben.
Wie Ihr Eure Kinder schützen könnt
Europol ruft Eltern nun dazu auf, wachsam zu sein und ihre Kinder auch online genau im Auge zu behalten. Aufmerken sollte man, wenn:
- Online-Aktivitäten versteckt werden
- Kinder und Jugendliche ihre Sprache plötzlich verändern
- Kinder und Jugendliche sich selbst verletzen
- verstärktes Interesse an Gewaltdarstellungen besteht
- sich die Kinder und Jugendlichen auffällig von Familie und bisherigen Freunden entfremden
- Radikale Änderung von Ansichten und Weltbild
Auf technische Sicherheit achten:
- Geräte sicher einrichten
- Standortdienste deaktivieren
- Persönliche Daten schützen
- Profilangaben minimieren
Bei Teenagern ist es schon etwas schwieriger, doch auch hier gilt: im Gespräch bleiben, Werte und Wahrnehmungen nicht verurteilen, eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen, in der Kinder und Jugendliche Probleme ohne Angst vor Vorwürfen ansprechen können.
Sollten sich die Hinweise verdichten, dass die eigenen Kinder und Jugendlichen, in die Fänge einer solchen Sekte geraten sind, ist sofortiges Handeln erforderlich:
- Beweise per Screenshot sichern
- Vorfälle dem Plattform-Betreiber melden und Beschwerdestellen kontaktieren
- Bei konkreten Verdachtsfällen die Polizei einschalten
Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe rund um die Uhr bieten auch die Krisendienste Bayern unter 0800-6553000.
Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienste.bayern.