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Theoretisch über 3.500 Euro

Deutsches Rentensystem: Bekommen Top-Verdiener eine signifikant höhere Rente?

Großverdiener könnten theoretisch über 3.500 Euro Rente beziehen. Aber wie realistisch ist das in der Praxis? Die Diskrepanzen sind erheblich.

Frankfurt – Wer viel verdient, bekommt auch später mehr – so die weit verbreitete Annahme. Doch stimmt das wirklich? Ein genauer Blick auf das System der gesetzlichen Rentenversicherung zeigt: Die Unterschiede sind zwar deutlich, aber die sogenannte Höchstrente ist für viele unerreichbar. Zwar können Spitzenverdienende eine deutlich höhere Altersrente beziehen als durchschnittlich Verdienende – doch es gibt klare Grenzen im System, die den Effekt nach oben begrenzen.

Die rechnerisch maximal mögliche gesetzliche Rente in Deutschland liegt ab dem 1. Juli 2025 bei rund 3.572 Euro brutto monatlich, so das Verbraucherportal Vermögenszentrum. Dieser Wert basiert auf 87,76 Entgeltpunkten, die man durch 45 Jahre kontinuierliches Einkommen auf dem Niveau der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) erreicht. Mit dem dann gültigen Rentenwert von 40,79 Euro ergibt sich dieser Höchstbetrag.

Top-Verdienende erhalten spürbar höhere Renten als durchschnittlich Verdienende – aber der Unterschied ist gedeckelt. Ab einem bestimmten Einkommen bringt ein höheres Gehalt keinen zusätzlichen Rentenpunkt mehr. Dennoch: Eines der größten Probleme des deutschen Rentensystems ist die Benachteiligung der Frauen.

Was ist die maximale Rente in Deutschland?

Doch selbst Top-Verdienende erreichen diese Summe nur unter sehr spezifischen Voraussetzungen. Notwendig ist dafür ein Gehalt, das 45 Jahre lang in jedem einzelnen Jahr genau auf Höhe der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze liegt. Im Jahr 2025 beträgt diese Grenze 96.600 Euro jährlich – monatlich 8.050 Euro – wie etwa aus den Angaben der Techniker Krankenkasse hervorgeht.

Das Rentensystem in Deutschland beruht auf einem Punktesystem: Pro Jahr, in dem ein Versicherter das Durchschnittseinkommen aller gesetzlich Versicherten verdient, wird ein Entgeltpunkt gutgeschrieben. Wer das Doppelte des Durchschnitts verdient, bekommt auch etwa doppelt so viele Punkte – aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Darüber hinausgehende Einkünfte zählen nicht für die Rente. 2025 liegt das vorläufige Durchschnittsentgelt laut Deutscher Rentenversicherung bei 50.493 Euro.

Teilt man die Beitragsbemessungsgrenze von 96.600 Euro durch diesen Durchschnittswert, ergibt sich eine maximale Punktzahl von 1,91 Entgeltpunkten pro Jahr. Die Rentenformel lautet: Entgeltpunkte x Rentenwert x Zugangsfaktor = monatliche Bruttorente. Der Zugangsfaktor ist in der Regel 1, wenn die Rente mit Erreichen der Regelaltersgrenze beginnt.

Realität statt Theorie: Wie viel Rente gibt es wirklich?

Von der theoretischen Höchstrente sind die tatsächlichen Rentenbeträge jedoch weit entfernt. Laut der Deutschen Rentenversicherung liegt die Standardrente für einen „Eckrentner“ – also jemanden mit 45 Beitragsjahren und einem Einkommen genau auf Durchschnittsniveau – derzeit bei 1.769,40 Euro brutto im Monat. Mit der Rentenerhöhung im Juli 2025 steigt dieser Wert auf 1.835,55 Euro. Noch niedriger fällt die tatsächliche Durchschnittsrente aus:

  • Männer erhalten im Schnitt 1.332 Euro
  • Frauen lediglich 1.118 Euro monatlich

Diese Beträge sinken nochmals durch Abzüge für Kranken- und Pflegeversicherung sowie eventuell anfallende Steuern.
Auch bei Neurentner und Neurentnerinnen zeigt sich das Bild wenig optimistisch: Männer, die 2023 in Rente gingen, bekamen laut Vermögenszentrum durchschnittlich 1.309 Euro (im Westen) bzw. 1.233 Euro (im Osten). Frauen erhielten im Durchschnitt 888 Euro (West) und 1.168 Euro (Ost). Einer der Gründe, warum Frauen im hohen Alter häufiger in die Altersarmut fallen. Die Mütterrente der neuen Bundesregierung könnte dieser Ungleichheit möglicherweise ein wenig Abhilfe verschaffen.

Warum die Höchstrente selten Realität wird

Das Ziel, 45 Jahre lang ein Gehalt auf BBG-Niveau zu erzielen, ist aus mehreren Gründen kaum erreichbar:

  1. In jungen Jahren liegen Einkommen meist unterhalb der Grenze – z. B. während Ausbildung und Berufseinstieg.
  2. Lücken durch Elternzeit, Arbeitslosigkeit oder Krankheit sind in vielen Erwerbsbiografien Realität.
  3. Die BBG selbst steigt jedes Jahr – wer z. B. 1980 ein Spitzenverdiener war, müsste Jahr für Jahr die jeweils neue Grenze überschreiten.

Laut Vermögenszentrum hat eine Arbeitnehmerin, der oder die von 1980 bis 2024 jährlich auf dem Niveau der Beitragsbemessungsgrenze verdient hat, 87,56 Entgeltpunkte gesammelt. Diese Punkteanzahl resultiert in einer Rente von 3.443 Euro – also nur knapp unter der aktuellen rechnerischen Höchstrente.

Dennoch betont die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, am 6. März 2025: „Mit der Rentenanpassung zum 1. Juli 2025 steigen die Renten […] deutlich stärker als die Preise […] Die Kaufkraft der Renten legt daher in diesem Jahr erneut zu.“ Trotzdem bleibt festzuhalten: Wer in jungen Jahren und über viele Jahrzehnte konstant hohe Beiträge leistet, kann eine spürbar bessere Rente erwarten – aber keine, die automatisch proportional zum Einkommen wächst. (ls)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Zoonar

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